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Rundbrief
  Rundbrief Nummer 60  
San Francisco, den 21.04.2006
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Abbildung [1]: Der Fastrak-Transponder für's Auto

(Michael) San Francisco liegt ja bekanntermaßen an der Spitze einer "Peninsula" genannten Halbinsel. Will man nach Norden, geht's über die Golden Gate Bridge nach Marin. Will man nach Osten, fährt man auf die graue Bay Bridge nach Oakland. Im Westen liegt der Pazifik und nur nach Süden kann man sich ohne Brückenbenutzung von San Francisco entfernen.

Fährt man über eine Brücke aus der Stadt heraus, ist die Benutzung kostenlos. Fährt man allerdings stadteinwärts, kostet das nicht nur horrende Summen ($5 auf der Golden Gate, $3 auf der Bay Bridge), sondern auch der Verkehr staut sich, denn jeder muss anhalten und die Gebühr in bar an einem kleinen Kassenhäuschen entrichten. Das Schlimmste: Der Herr Amerikaner beeilt sich dabei natürlich nicht, schleicht im Schneckentempo ans Kassenhäuschen heran, kruschtelt dann erst umständlich ein paar Scheine aus dem Geldbeutel hervor und würgt dann vielleicht noch sein SUV ab.

Das macht mich wa-hn-sin-nig. Deswegen habe ich neulich Fastrak bestellt, die amerikanische Antwort auf "Toll Collect" und die Vignette. Man kriegt einen kleinen Transponderkasten ins Auto, der Signale der Mautstelle auffängt und den fälligen Betrag automatisch vom kreditkartengefütterten Konto abbucht.

Typisch amerikanisch funktioniert der Kasten natürlich nicht immer. Das erste Mal fuhren wir von einem Tagesausflug ins Napa Valley abends zurück in die Stadt. Lässig wählte ich eine der beiden "Fastrak Only"-Fahrspuren, überholte damit die ganzen Schleicher, die sich anstellen mussten und wir näherten uns aufgeregt der Mautstelle. Wegen eines Schildes mit der Aufschrift "Max 5 mph" bremste ich auf 5 Meilen pro Stunde ab. Okay, es können auch ein paar Meilen mehr gewesen sein. Jedenfalls sollte der kleine Kasten im Auto piepsen und die Mautstelle "Fastrak valid" anzeigen. Statt dessen piepste nichts und die Anzeige leuchtete mit "Call Fastrak" auf. Na servus.

Abbildung [2]: Oben links und Mitte: Die zwei Teile der Bay Bridge, von unserem Fenster aus fotografiert.

Daheim angekommen, rief ich die kostenlose 1-800-Nummer an, aber dort wies nur eine automatische Ansage darauf hin, dass Anrufe nur von Montag bis Freitag entgegengenommen werden. Ja, wo sind wir eigentlich? Am Montag rief ich nochmal an, und eine freundliche Dame teilte mir mit, dass das schon mal vorkäme und ich sollte es einfach "noch ein paarmal" probieren. Funktioniert nämlich der Transponder nicht, nimmt eine Kamera das Nummernschild auf und die Abbuchung erfolgt über das bei Fastrak ebenfalls registrierte Nummernschild.

Das trat dann tatsächlich ein, einige Wochen später konnte ich auf der Webseite auf http://www.bayareafastrak.org sehen, dass der Betrag von $4 (Fastrak-Nutzer kriegen auf der Golden Gate Bridge gegenüber Barzahlern einen Dollar Rabatt) abgebucht wurde. Als Angelika dann einige Zeit später über die Bay Bridge fuhr, piepste der Kasten anständig, und auch bei der Heimkehr von einem neuerlichen Ausflug nach Marin funktionierte es tadellos. Geht halt alles nicht so genau in Amerika, aber letztendlich kriegen sie's schon hin.

Abbildung [3]: Auf der Website von Fastrak kann man ablesen, wie oft man über welche Brücken gefahren ist.

(Angelika) Fasziniert und verwundert zugleich haben uns schon mehrere Amerikaner nach dem deutschen Kursystem gefragt. Bezahlte Kuren empfindet der Amerikaner als das Tüpfelchen auf dem I des deutschen Sozialstaates. Die Enttäuschung folgte dann aber gleich auf dem Fuße, als ich berichtete, dass bezahlte Kuren im traditionellen Sinne in Deutschland schon lange am Aussterben sind.

Nichts desto trotz gibt es auch in Amerika so etwas wie Kurorte. Diese zeichnen sich meist durch besonderes Wasser aus. In Kalifornien findet man gleich mehrere solcher Orte, denn durch Kaliforniens vulkanische Geschichte bedingt sprudelt immer noch hier und da angenehm warmes Wasser aus Geysiren und dergleichen. Calistoga ist zum Beispiel so ein Ort; und er hat dabei noch den netten Vorzug, mitten im Weingebiet "Napa Valley" zu liegen.

Calistoga befindet sich ungefähr 120 Kilometer nördlich von San Francisco. Das Städtchen hat sich seinen kalifornischen Charme bewahrt und verfügt über einige gute Restaurants und viele so genannte Spas (Einzahl: "Spa"). Ich glaube, ihr bezeichnet diese jetzt neudeutsch als Wellness-Center. In denen kann der vom Alltag geplagte Mensch sich bei einer Massage oder einem Schlammbad ("Mud Bath") entspannen. Für seine Schlammbäder ist Calistoga nämlich berühmt.

Michael grauste es bisher davor, sich in den Schlamm aus vulkanischer Asche bis zum Hals einbuddeln zu lassen, weil der Schlamm von einem Kurgast zum nächsten nicht ausgewechselt wird. Etwas zartbesaitet, der Mann! Ich hingegen habe schon solch ein Bad genossen, für das ich mich mutig in so etwas wie eine Badewanne legte und mich mit Schlamm zudecken ließ. Der Schlamm ist recht heiß und schon nach kurzer Zeit rinnt einem der Schweiß von der Stirn wie nichts Gutes. Aber das ist wohl der Sinn der Sache: Den Körper zu entschlacken und die Mineralien des Schlammes aufzunehmen.

Abbildung [5]: Hadschi Halef Omar im Bademantel

Samuel Brannan eröffnete um 1860 das erste Hotel mit Spa in Calistoga, weil er sich ein zweites Saratoga Springs (ein berühmter Kurort im Staate New York) erträumte. Angeblich stammt daher der Name Calistoga, eine Kombination aus den Worten Kalifornien und Saratoga. Die Idee eines Hotels/Motels mit Spa ist natürlich genial und auch heute noch weit verbreitet in Calistoga. Der Gast nistet sich ins Hotel ein und braucht das Hotel nicht einmal für ein paar entspannende Anwendungen zu verlassen.

Unsere Lieblingsunterkunft in Calistoga ist das "Indian Springs Resort", das auf dem ursprünglich von Sam Brannan erworbenen Gelände sitzt. Dorthin locken uns aber nicht die Massagen oder Schlammbäder, sondern der von der natürlich heißen Quelle gespeiste Swimmingpool. Der Pool hat olympische Ausmaße und seine Wassertemperatur schwankt je nach Jahreszeit zwischen 32 bis 39 Grad Celsius.

Abbildung [6]: Der schöne große heiße Pool bei Nacht

Der Geheimtipp ist, sich in den kalifornischen Wintermonaten (November bis Februar) ins Indian Springs einzumieten, denn dann verfügt Calistoga in der Regel über recht frische Nächte. Und es gibt nichts Besseres, als durch die kalte Nacht zum Swimmingpool zu huschen und dann ins warme Wasser zu gleiten, so dass gleich die Beine kribbeln wegen des Temperaturunterschiedes. Als Hotelgast darf man den Pool nämlich bis Mitternacht benutzen. Ich komme mir dann jedes Mal wie in einem Hitchcock-Film vor. Der Pool ist nur dürftig beleuchtet und das Wasser dampft. Nur ab und zu sieht man durch die Nebelschwaden die Umrisse eines Menschen. Schaurig-schön!

Abbildung [7]: Angelika auf Kur

Allerdings ist der Spaß nicht ganz billig. Um sich in eines der kleinen Häuschen einzumieten, muss man das Geld schon recht locker in der Tasche sitzen haben, vor allen Dingen in den Sommer- und Herbstmonaten. Die noch ziemlich neue so genannte "Lodge" auf dem Gelände schmerzt zwar das Portemonnaie nicht ganz so, aber dafür gibt es in den geschmackvoll eingerichteten Zimmer auch keinen Kühlschrank oder gar eine Küche wie in den mietbaren Häuschen. Übrigens kann Calistoga sogar mit einem eigenen Mineralwasser aufwarten, das aus dem natürlichen Quellwasser gewonnen wird. Die Firma heißt auch Calistoga und gehört mittlerweile leider zur großen Nestle-Gruppe. Wenn ihr in Nordkalifornien auf Reisen seid und ein Mineralwasser bestellt, kann durchaus die Rückfrage kommen, ob ein Calistoga okay sei. Nun wisst ihr, was damit gemeint ist.

Bürokratie in der Straßenverkehrsordnung

Abbildung [8]: Die Parkgarage von Yahoo

(Michael) Eines der größten Vorurteile über Amerika ist ja, dass es keine Bürokratie gäbe. Sobald man aber mit Behörden zu tun hat, ist das Gegenteil der Fall, dort wiehert der Amtsschimmel schlimmer als in Deutschland. Das gilt sicher für die wahnsinnig komplizierte Steuererklärung, aber es gibt noch interessantere Beispiele.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass es in Kalifornien spezielle Vorschriften für fahrende Eisverkäufer gibt? Der Hintergrund: Anno 1999 rannte ein 4-jähriges Mädchen in San Bernardino (bei Los Angeles) auf einen Eiswagen zu und wurde von einem vorbeibrausenden Auto erfasst und getötet. Zwei Jahre später unterzeichnete der damalige Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis (später von Arnie Schwarzenegger abgesägt) das nach dem verunglückten Mädchen "Destiny Nicole Stout Memorial Act" benannte Gesetz, das spezielle Vorschriften für fahrende Eisverkäufer einführte. Laut Straßenverkehrsordnung darf ein Eismann bis heute nicht auf Straßen anhalten, auf denen Autos schneller als 25 Meilen/Stunde fahren. Und er muss großformatige Schilder mit der Aufschrift "WARNING" and "CHILDREN CROSSING" sowohl vorne als auch hinten am Eiswagen anbringen. Und die Schilder müssen mindestens 12 mal 48 Zoll (30cm x 123cm) groß sein, damit man sie auch von weitem lesen kann. Der Zeitungsbericht zu den Straßenverkehrsordnungsänderungen erklärt noch weitere Details.

Eine weitere Besonderheit ist die Anwendung der Straßenverkehrsordnung auf privaten Parkplätzen. Wer zum Beispiel auf dem Supermarktparkplatz sein Auto unverfroren auf dem Behindertenparkplatz abstellt, dem kann die Polizei einen Strafzettel verpassen. Allerdings nur, wenn am Eingang des Geländes ein Schild aufgestellt ist, auf dem steht, dass auch auf dem Privatgelände die Straßenverkehrsordnung gilt. Das ist eine Einladung des Supermarkts an vorbeifahrende Politessen (die in den USA oft männlich sind), und die sonst auf Privatgrundstücken nichts zu suchen haben.

Ycantpark

Diese Verordnungen habe ich deswegen ausgegraben, da neulich auf dem Yahoo-Parkplatz ein Polizeiauto vorgefahren kam und allen Autos, die ohne Behindertenausweis auf Behindertenparkplätzen parkten, saftige Strafzettel verpasste. Die sind nicht billig, jeder kostet ungefähr 300 Dollar! Ich kann über diese Probleme freilich nur lachen, denn ich fahre so gut wie immer mit dem Fahrrad oder dem von Yahoo! bereitgestellten Shuttlebus zur Arbeit.

Yahoo! hat in den letzten Jahren soviele Leute eingestellt, dass die Parkplatzsituation manchmal etwas angespannt ist. Kommt man nach 10 Uhr morgens auf den Parkplatz gefahren, findet man oft keine Parklücke mehr und muss entweder zum Valet Parker (Rundbrief 06/1999) oder auf einen etwas entfernteren Ausweichparkplatz. Da stößt es den Yahoos natürlich sauer auf, wenn einige Leute durch dummes Parken gleich zwei Parkplätze belegen und so durch Unachtsamkeit die Situation noch verschlimmern.

Abbildung [9]: Yahoo!-Strafzettel für Falschparker

Im Zeitalter allzeit präsenter Handy-Kameras werden deshalb die Übeltäter sofort fotografiert und auf dem von Yahoo! gekauften Bilderdienst Flickr unter dem Tag "ycantpark" im Internet schonungslos an den Pranger gestellt. Ein Höllenspaß! Auf den internen Mailinglisten wird das dann auch oft ausgiebig diskutiert. Zum Beispiel sind manche Parkplätze als "Compact" ausgeschildert und dort sollte man nur Kleinwagen und keine Monster-SUVs abstellen, und falls doch, regen sich die Leute tierisch auf! Normalerweise kriegt man bei Parkvergehen bei Yahoo! einen hausinternen Strafzettel (Abbildung 9), der nichts kostet, aber, wie gesagt, neulich kam die Polizei und für viele Falschparker gab es ein böses Erwachen.

San Francisco im Pass

Abbildung [10]: Endlich ist San Francisco als Wohnort in meinem Pass eingetragen.

Michael Als ich vor einigen Jahren zu Besuch in Deutschland war und nach einer Woche wieder in die USA abdüsen wollte, fragte mich der deutsche Grenzbeamte, ob ich in San Francisco wohnhaft wäre. Das war recht naheliegend, denn Angelika war kurz zuvor durch die Ausreisekontrolle marschiert und in ihrem deutschen Pass stand San Francisco als Wohnort.

Ich hingegen hatte zum damaligen Zeitpunkt noch keinen neuen Pass beantragt, da mein alter noch gültig war, und dementsprechend stand dort als Wohnort "München" drin. "Ja", sagte ich, "ich wohne in San Francisco". Plötzlich regte sich der Zöllner auf und rief, "Das geht doch nicht!" und "Niemand weiß, wo Sie wohnen!".

Abbildung [11]: Das deutsche Konsulat in San Francisco

Diese beiden Sätze sind die Renner auf jeder amerikanischen Party, auf der ich diese Geschichte erzähle. Die Amis kriegen sich oft gar nicht mehr ein vor Lachen! Ich versprach jedenfalls hoch und heilig, bei nächster Gelegenheit einen neuen Pass mit dem korrekten Eintrag zu beantragen.

Und das tat ich dann auch. Wohnt man außerhalb Deutschlands, ist für neue Pässe das deutsche Konsulat in dem Land zuständig, in dem man wohnt. Praktischerweise hat San Francisco ein Konsulat (übrigens neben Los Angeles das einzige an der gesamten Westküste der USA) in dem schönen Villenviertel "Russian Hill". Dort ging ich hin, zahlte 50 Dollar in bar (Schecks oder Kreditkarten wurden nicht akzeptiert), legte die Abmeldebescheinigung des Einwohnermeldeamtes München, sowie eine Geburts-, eine Heiratsurkunde und meine Greencard vor, füllte ein Formular aus und bekam von der natürlich deutsch sprechenden Angestellten zugesichert, dass man mich zuhause anrufen würde, wenn der Pass nach etwa vier Wochen fertig wäre. Ich bekam nicht mal eine Quittung, aber auf deutsche Behörden kann man sich ja verlassen, und tatsächlich wurde ich nach Ablauf der Frist angerufen und konnte meinen neuen Pass abholen. Und in dem stand tatsächlich korrekt "San Francisco CA/USA" als Wohnort drin. Der Eintrag ist wichtig, wenn man in Deutschland mehrwertsteuerfrei einkaufen möchte, wie wir schon einmal im Rundbrief 03/2001 beschrieben haben.

Vor einigen Jahren habe ich öfter mal mit einem Mitarbeiter des Konsulats in San Francisco Schafkopf gespielt und deswegen weiß ich, dass dort ein Anrufbeantworter steht, den die Beamten sogar am Wochenende alle paar Stunden abhören müssen. Ist ein Deutscher in Amerika in Schwierigkeiten, muss das Konsulat sofort helfen. Guter Laden, das deutsche Konsulat in San Francisco, kann ich nur empfehlen.

(Angelika) Seit neuestem hat der deutsche Pass ja biometrische Merkmale gespeichert, was den ganzen Spaß gleich 88 Dollar kosten lässt, wie ich neulich im Konsulat beim Beantragen meines neuen Passes feststellen konnte. Natürlich haben die Amis an dem Firlefanz mit den biometrischen Daten Schuld, denn deutsche Pässe, die nach dem 25. Oktober 2006 ausgestellt werden, müssen die biometrischen Daten vorweisen, wenn man weiterhin als Deutscher ohne Touristenvisum in die USA einreisen will.

Für Deutsche, die die amerikanische Greencard besitzen, gilt diese Regel zwar nicht, aber bei neuen Passanträgen werden auch jetzt schon generell die biometrischen Merkmale in Chipform gespeichert. Da es sich bei den Merkmalen hauptsächlich um Gesichtsfelderkennung handelt, unterliegt das Passbild mittlerweile sehr strengen Richtlinien. Das Konsulat gibt gleich ein Merkblatt mit Beispielen heraus, wie das Bild auszusehen hat. Das Gesicht auf dem Passfoto darf zum Beispiel nicht kleiner als 32 mm, aber auch nicht größer als 36 mm sein. Ah!!! Das Foto sieht deshalb nun dermaßen bescheuert aus, weil außer dem Kopf nichts drauf ist. Die freundliche Konsulatsmitarbeiterin war dann auch etwas besorgt, weil meine Augen nicht haargenau auf einer Ebene sind, meinte aber, die Bundesdruckerrei in Berlin würde es schon akzeptieren. Ich habe übrigens gelesen, dass die Gesichtsfelderkennung eine ziemlich hohe Fehlerquote aufweist. Na, Prost Mahlzeit.

Übrigens braucht man natürlich nicht gleich einen neuen Pass zu beantragen, wenn der Wohnort im Pass durch Umzug nicht mehr stimmt. Das Konsulat ändert kostenlos den Wohnort im Pass, wenn die schon erwähnte Abmeldebestätigung vom deutschen Einwohnermeldeamt sowie eine Telefon- oder Stromrechnung, die die aktuelle US-Adresse zeigt, und die Greencard oder amerikanische Aufenthaltsgnehmigung vorgelegt wird. Ein kleines Formular "Wohnortänderung" ist selbstredend auch noch auszufüllen.

Der Pass wird dann einfach in eine altmodische Schreibmaschine eingespannt und der Wohnort korrigiert. In meinem Pass stand schon lange San Francisco als Wohnort. Da ich ja öfter einmal nach Deutschland reise und dann fleißig mehrwertsteuerfrei einkaufe, war ich es irgendwann leid, mich mit den Zöllnern in Deutschland herumzustreiten, die trotz meiner Greencard und meinem kalifornischen Führerschein mit amerikanischer Adresse sich über den noch deutschen Wohnort im Pass aufregten. Ein Beamter auf dem Flughafen in Bremen stellte sich einmal besonders stur und meinte, da könnte ja jeder kommen.

Pflichtkrankenkasse in Massachusetts

Abbildung [12]: Das Buch "Critical Condition" von Donald Bartlett und James Steele

(Angelika) Manchmal geschehen in diesem Land tatsächlich Sachen, die ich nie im Leben für möglich gehalten hätte. Anfang April beschlossen die Politiker (Demokraten wie Republikaner), im Bundesstaat Massachusetts ab Juli 2007 eine Krankenkassenplicht für ihre Bürger einzuführen.

Ein historischer Moment, denn das gibt es bisher noch in keinem amerikanischen Bundesstaat. Da das Krankenkassendebakel in den USA immer schlimmer wird, die Zahl der Nicht-Versicherten steigt und die Kosten bei schlechten Bedingungen explodieren, beschloss Massachusetts, die Sache in die eigene Hand zu nehmen. Die Idee ist: Bundesstaaten verplichten ihre Autofahrer ja auch dazu, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, wenn sie ein Auto besitzen. Wieso sollte das anders sein, wenn es um die eigene Gesundheit geht? Hut ab, Massachusetts! Erst die Schwulenehe (Rundbrief 03/2004) und nun die Pflichtkrankenkasse.

Die Details hinsichtlich der Pflichtversicherung sind zwar noch nicht ganz ausgearbeitet, aber im Prinzip muss jeder, der sich eine Krankenversicherung leisten kann, eine abschließen. Bürger, die zu den ärmeren Bevölkerungsschichten gehören, können auf staatlich subventionierte Modelle zugreifen bei gleichzeitiger Erweiterung von Medicaid (Gesundheitsfürsorgeprogramm für einkommensschwache Gruppen, Rundbrief 03/2005).

Viele hoffen nun, dass andere Bundesstaaten dem guten Beispiel von Massachusetts folgen werden. Sollte ich es doch noch erleben, dass irgendwann Krankenkassenplicht in ganz Amerika besteht? Wer von euch übrigens ein gutes Buch über den desolaten Zustand des amerikanischen Gesundheitssystems lesen möchte, sollte sich "Critical Condition" von den Jornalisten Donald Bartlett und James Steele zu Gemüte führen. Das Buch ist allerdings bisher nur auf Englisch erschienen. Im Prolog beschreiben die Autoren zum Beispiel, dass die Preispolitik der Krankenkassen in Amerika einem Supermarkt entspräche, der für eine Schachtel Cornflakes jedem Kunden einen anderen Preis berechnet. Ihr ahnt, dass die Autoren mehr dem liberalen Flügel angehören und sie eine amerikanische nationale Pflichtversicherung befürworten.

Five-Second-Rule

Abbildung [13]: Auf den Teppich gefallene Schokolade - Essen oder nicht?

(Michael) In unserer Reihe "bekannte amerikanische Regeln für Kinder, die in Deutschland niemand kennt", heute: die Five-Second-Rule (Fünf-Sekunden-Regel). Fällt etwas Essbares, zum Beispiel ein Stück Schokolade auf den Boden, fängt die Uhr an zu ticken: Wenn es gelingt, das heruntergefallene Stück innerhalb von fünf Sekunden zu bergen, kann es bedenkenlos gegessen werden. Verstreichen mehr als fünf Sekunden, muss es in den Abfalleimer. Die Idee dahinter ist offensichtlich: Das gute Stück kann innerhalb von fünf Sekunden nicht genug Bakterien ansammeln, um gesundheitsschädlich zu wirken.

In der Sendung Mythbusters (Rundbrief 03/2004), die wir schon einmal im Rundbrief besprochen haben, und die es mittlerweile sogar im deutschen Fernsehen auf RTL2 gibt, wurde diese Regel einmal wissenschaftlich untersucht. Allerdings fanden Adam Savage and Jamie Hyneman mit Bakterienkulturen in Testgläsern heraus, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Teil fünf Sekunden oder länger am Boden liegt. Die Anzahl der angesammelten Bakterien ist in beiden Fällen ungefähr gleich. Dennoch wird die Five-Second-Rule von vielen Kindern und sogar manchen Erwachsenen angewendet. Guten Appetit! Und sogar die Wikipedia kennt die Five-Second-Rule. Dort steht sogar, dass es ein deutsches Sprichwort "Dreck macht Speck!" gäbe, das Ähnliches bedeutet. Lächerlich! Und ebenfalls laut Wikipedia gilt in den Unterkünften amerikanischer Universitäten für die dauernd betrunkenen und damit langsamer reagierenden Studenten die -- ihr ahnt es -- "10-Second-Rule".

Benimm-Regeln

Manche Sachen haben sich in Amerika seit den Zeiten des Wilden Westens nicht geändert: Noch immer hält der Herr der Dame die Türe auf. Das ist nicht nur bei hochformellen Anlässen so, sondern auch im Alltag gang und gäbe. Es kommt auch häufig vor, dass der Erste in einer Gruppe von Leuten zum Beispiel eine Restauranttür nach außen aufzieht, und sie offenhält, während der Rest der Truppe hineinschreitet.

Betreten ein Herr und eine Dame ein Restaurant, hält der Herr der Dame die Tür auf und lässt sie zuerst(!) das Lokal betreten. Diese Regel diente in den Zeiten des Wilden Westens dazu, dass der Herr, während die Dame durch die Tür trat, noch schnell hinter ihrem Rücken nachzählen konnte, ob er genug Geld dabei hatte, um die Dame auszuführen. Denn selbst im sehr modernen San Francisco gilt es als völlig unmöglich, wenn der Herr nicht die gesamte Rechnung für einen romantischen Zweiertisch übernimmt.

Oder wenn man, vom Restaurant kommend, zu zweit wieder ins Auto einsteigt: Da sperrt der Herr zuerst der Dame von außen (!) die Beifahrertür auf, hält sie auf, lässt die Dame einsteigen und wirft dann die Tür zu, um endlich ums Auto herum zur Fahrerseite zu schreiten und selbst einzusteigen. Laut Freunden, die noch in der Dating-(Partnersuche)-Szene aktiv sind, lässt sich aus dem Verhalten der Dame in dieser Situation das weitere Geschehen des Abends ableiten. Entriegelt sie dem Herrn die Fahrertür vom Beifahrersitz aus, "geht" an dem Abend "noch was". Wartet sie hingegen, bis der Herr die Tür seinerseits von außen mit dem Schlüssel aufsperrt, ist außer Spesen nichts gewesen.

Will man mit jemandem ernsthaft anbandeln, geht man insgesamt höchstens dreimal miteinander zum Abendessen aus. "Lunch" (Mittagessen) ist eher freundschaftlich, daraus lassen sich keinerlei amouröse Absichten ableiten, höchstens vage Sondierungsversuche. "Dinner and a Movie" (Abendessen und Kino) ist aber eine gängige Dating-Kombination, da sollte man als Dame schon die Glocken läuten hören. Wie im Baseball werden diese drei Abende "First Base", "Second Base" und "Third Base" genannt. Spätestens auf der "Second Base" muss zumindest leicht gekuschelt werden. Passiert nach dem dritten Mal immer noch nichts, wird der Vorgang abrupt abgebrochen. Aber eigentlich wird es schon als Zumutung empfunden, wenn eine Dame sich dreimal einladen lässt und sich anschließend spröde stellt. Wie kompliziert das alles ist! Ein Wunder, dass sich dieses Volk überhaupt fortpflanzt.

Narnia-Rap und WestCoast-Rebuttal

Abbildung [14]: Chris Parnell and Andy Samberg im Video "Lazy Sunday"

Hier gibt es ja diese Fernsehsendung "Saturday Night Live", die, wie der Name verrät, samstagabends ausgestrahlt wird und recht witzig sein soll. War sie jedenfalls früher mal, zu den Zeiten als "Wayne's World" in eben dieser Show seinen Anfang nahm und schließlich ein Riesenknüller wurde.

In einer neulich ausgestrahlten Folge erschütterte ein Lachknüller erster Ordnung die Nation: Zwei weiße Kommödianten führten ein Rap-Stück auf, ganz im Stil der schwarzen Gangsta-Rapper, aber es ging nicht um Drogen und Gang-Ballereien, sondern um einen sonntagnachmittäglichen Kinobesuch des Kinderfilms "Chronicles of Narnia", allerdings mit dem in schwarzen Gang-Kreisen üblichen Slang, entsprechenden Handgesten und Gangsta-Musik. Ich habe das Video "Lazy Sunday" schon ungefähr hundertmal angeschaut und könnte mich immer noch jedesmal kaputtlachen. Der Text zum "Narnia Rap" ist für ungeübte Englischsprecher nicht leicht zu verstehen, deswegen haben ihn fleißige Leute auf dem Internet niedergeschrieben. Wohl wegen der Stelle "Let's hit up Yahoo Maps to find the dopest route" und "Google Maps is the best! True that! Double true!" wurde das Video intern bei Yahoo (und wohl auch bei Google) rauf und runtergespielt, ein Riesenlacher.

Die Nachricht über das Video verbreitete sich wie in Lauffeuer im Internet und auch die Leute, die die Sendung "Saturday Night Live" nicht gesehen hatten, kamen durch Video-Share-Sites wie youtube.com in den Genuss. Bis die Anwälte des Fernsehsenders NBC einschritten und die Verbreitung verboten. Mittlerweile gibt's das Video wieder auf nbc.com, aber es funktioniert auf vielen Rechnern nicht richtig. Bei NBC arbeiten anscheinend nur Schnarchsäcke!

Egal, jedenfalls löste das Video ein so genanntes Westküsten-Rebuttal aus. Ost- und Westküste der USA sind sich nämlich nicht grün, etwa so wie Ostfriesen und Bayern. Und "Rebuttal" heißt soviel wie "Gegenrede". Zwei Typen aus Los Angeles riefen das Video "LazyMonday" ins Leben, das fast noch witziger ist! Zwei jüdische Kalifornier von nebenan, die die alltäglichsten Dinge mit Gangsta-Ton unterlegen. Über die Szene, in der Adam Stein das Buch "A Brief History of Time" lässig wegwirft, könnte ich mich jedes Mal schlapplachen. Und die Kaffeehausketten-Rabattkarte "To get our 1% in!" ist so typisch kalifornisch wie die Bonanza-Räder oder der "Color me mine"-Laden, wo man seine eigenen Lehmkonstruktionen bemalen kann. Ein Lachknüller jagt den nächsten! Und: Leben wir nicht in einer großartigen Zeit, in der ein paar aufgeweckte Leute an einem Wochenende ohne allzuviel Zaster ein Rap-Video abdrehen und über die ganze Welt verbreiten können? Wer möchte in einer anderen Zeit leben!

Abbildung [15]: Mark Feuerstein und Adam Stein in "Lazy Monday"

Und der Trend geht jetzt um die Welt, "Lazy Sunday UK" gibt es schon in England und bald wird es wohl sowas wie "Lazy Dienstag, Digger" aus Deutschland geben. Hier im Rundbrief hört ihr es, wie immer, zuerst!

Deutscher und amerikanischer Humor

Abbildung [16]: Dank onlinetvrecorder.com auch in San Francisco abrufbar: Die Harald-Schmidt-Show

Deutscher Humor genießt ja international keinen guten Ruf. Gemeinhin wird den Deutschen jegliche Fähigkeit zum Lustigsein abgesprochen. Lediglich über die unfreiwillige Komik deutscher Versteiftheit amüsiert man sich gern. Schaut euch mal die neueste VW-Werbung in den USA an. Da tritt ein durchgeknallter Typ im weißen Kittel auf, spricht englisch mit aufgesetztem deutschen Akzent und mimt amerikanische Verhaltensweisen nach. Das findet der Amerikaner witzig.

Der deutsche Humor wird aber nicht nur innerhalb Europas geringgeschätzt, wo Holländer und Engländer gerne denken, alle Deutschen wären verbiestert, sondern vor allem in den USA. Dort werden Deutsche zwar wegen ihrer Strebsamkeit, Ausdauer und Liebe zu technischer Perfektion bewundert, aber niemals würde ein deutscher Komiker es in den USA auch nur ins Fernsehen schaffen.

Ich finde, das ist nicht gerecht. Sicher, es gibt in Deutschland eine Menge populärer Schnarchhumoristen, die den deutschen Ruf ruinieren. Über onlinetvrecorder.com kann man sich neuerdings deutsche Fernsehsendungen aufnehmen lassen und dann runterladen, und so kam ich neulich in den Genuss der Harald-Schmidt-Show. Die war so bodenlos unwitzig, dass man wirklich glauben könnte, in Deutschland sei die Witzdürre ausgebrochen. Dagegen ist der hier als lahmarschig angesehene Letterman eine Lachatombombe.

Aber wenn man sich Erzeugnisse wie die Zeitschrift "Titanic" (ich habe natürlich ein Auslandsabo für 95 Euro im Jahr) oder die Bücher von Max Goldt oder Rattelschneck ansieht, muss man sagen, dass sie auch international gut mithalten können und im Lachkraftvergleich oft überlegen dastehen. Die Titanic wird zwar seit Jahrzehnten stetig schlechter, aber Kolumnen wie die "Humorkritik" von Robert Gernhard (unter dem Pseudonym Hans Mentz) suchen ihresgleichen immer noch vergeblich.

Amerikanischer Humor ist eher auf der seichteren Seite zu finden. Ich kriege das auch in der Arbeit häufiger zu hören. Ihr glaubt ja nicht, wie oft die Episode der Simpsons am Mittagstisch zitiert wird, in der ein Haufen deutscher Rucksacktouristen das Haus der Simpsons bevölkern. Eines der beliebtesten Zitate: "Number 37 of what's wrong with America: No national health insurance. What is this, the age of Charlemagne?" ("Nummer 37 der Dinge, die in den USA falsch laufen: Keine gesetzliche Krankenversicherung. Wo sind wir, im Zeitalter Karls des Großen?").

Oder das Thema David Hasselhoff. Glaubt mir, dass der drittklassige Schauspieler David Hasselhoff (aus der Serie "Nightrider") in den Achzigern in Deutschland mit "I've been Looking for Freedom" monatelang an der Spitze der Hitparade stand, hat den Ruf des deutschen Musikgeschmacks in den USA ein für allemal ruiniert. David Hasselhoff ist hier in den USA eine totale Lachfigur. Neulich wurde in der Fernsehserie "The Office" jemand, der sein Hemd etwas zu aufgeknöpft trug, als "Hasselhoff" bezeichnet, und das war bombenlustig! Und auch bei Yahoo muss ich öfter mal Häme einstecken, wenn ich mal wieder von unterbelichteten amerikanischen Verhaltensweisen erzähle und dann jemand trocken zum Ausgleich das Thema "Hasselhoff" anschneidet. Ein besonders peinliches Hasselhoff-Video aus dem deutschen Fernsehen, das ein Yahoo-Kollege aus unserer Mittagstischgruppe neulich herumgeschickt hat, könnt ihr euch gerne ansehen. Mit sowas muss ich leben! Ich bin schon geschlagen.

Point Reyes

Abbildung [17]: Point Reyes: Die Küste

(Angelika) Einer der unschlagbaren Vorzüge von San Francisco ist seine Lage. Wo andere Leute Urlaub machen und sich dafür stundenlang ins Flugzeug setzen, brausen wir in ein paar Stündchen mit dem Auto hin. Kalifornien zeichnet sich bekanntlich durch seine Größe und Vielfalt aus und viele Touristen schaffen es zeitlich nicht, von den klassischen Routen abzuweichen. So fahren die meisten den als Traumstraße Amerikas bekannten "Highway 1" von San Francisco aus in Richtung Süden die Küste entlang, was natürlich nicht zu verachten ist, vernachlässigen aber sträflich die Nordküste. Das darf meinethalben auch ruhig so bleiben, schließlich wollen wir bei unseren Ausflügen nicht hinter Autokolonnen herschleichen. Der Streckenabschnitt zwischen San Francisco und Eureka lässt mein Herz auf jeden Fall höher schlagen. Es gibt nichts Schöneres, als an einem lauschigen Sonnentag die kurvenreiche Strecke zu fahren und die atemberaubenden Ausblicke auf den glitzernden Pazifik zu genießen. Der Norden ist rauer, vielleicht auch ein wenig verschlafener und man trifft verstärkt die Kategorie Menschen, die ich gerne als Seebären bezeichne. Da fühlt sich meine norddeutsche Seele wohl. Seufz!

Abbildung [18]: Point Reyes: Der Leuchtturm

Wenn ich mich nach Steilklippen sehne, nach einsamen Stränden, an denen der Wind pfeift und die Wellen sich mit tosender Gewalt am Strand brechen, Wanderwegen, die zum Weinen schöne Blicke aufs Meer freigeben, dann machen wir uns auf nach Point Reyes. Hinter "Point Reyes National Seashore" verbirgt sich ein landzungenartiges Naturschutzgebiet, das etwa 50 km nördlich von San Francisco liegt und über 20 km weit in den Ozean reicht. Wir haben Point Reyes schon im Rundbrief erwähnt, meist weil wir dort oft auf irgendein Getier wie Schlangen oder Wale treffen. Um auf die Landzunge zu gelangen, muss man den Highway 1 verlassen, deshalb brausen Touristen in der Regel an Point Reyes vorbei. Außerdem heißt es hier: Raus aus dem Auto und die Wanderschuhe anziehen. Dem ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy verdanken wir es, dass dieser Küstenstreifen im Jahr 1962 geschützt wurde.

Die dramatische Landschaft ist, wie so häufig in Kalifornien, mit einer Erdbebenspalte eng verbunden. Das ist der San-Andreas-Graben, die gleiche Falte, die auch durch San Francisco läuft. Die Erde bewegt sich hier ständig: Die Landzunge schiebt sich jedes Jahr ca. 5 Zentimeter weiter in Richtung Norden, immer am San-Andreas-Graben entlang. Vor 7 Millionen Jahren befand sich Point Reyes deshalb auch noch ca. 120 km weiter südlich und -- unter Wasser. Und da die pazifische und die nordamerikanische Platte am San-Andreas-Graben aneinander reiben, rumpelt es auch in Point Reyes des Öfteren.

Gerade diese Woche wurden in San Francisco allerlei Feierlichkeiten begangen, um an das schwere Erdbeben vor 100 Jahren, nämlich am 18. April 1906, zu erinnern. Die Reibung am San-Andreas-Graben war damals für das Erdbeben verantwortlich und ebenso für das "Loma Prieta" genannte Beben von 1989. Ein kurzer, ganz witziger Rundweg ("Earthquake Trail") in der Nähe des Besucherzentrums in Point Reyes erklärt die Vorgänge an dieser Spalte mit dem zusätzlichen Nervenkitzel, dass sich der Spaziergänger praktisch auf dem San-Andreas-Graben entlang bewegt. Ein geteilter Zaun demonstriert, wie weit die Oberfläche durch das Beben 1906 auseinander gerissen wurde. Mehr als 5 Meter, wie Abbildung 19 zeigt!

Abbildung [19]: Point Reyes: Nachbildung eines 1906 beim Erdbeben auseinander gezogenen Zauns

Für eingefleischte Leuchtturmliebhaber empfiehlt es sich, ganz bis an die Spitze der Landzunge zu fahren. Der Leuchtturm sitzt auf dem letzten Felsen vor dem offenen Meer und ist über 300 abwärtsführende Stufen zu erreichen. In der Walsaison gilt die Umgebung um den Leuchtturm herum als bester Aussichtspunkt für die vorbeiziehenden kalifornischen Grauwale, die Mitte Januar von Alaska südwärts zur Baja California (Mexiko) schwimmen und Mitte März die umgekehrte Route nach Norden zurücklegen.

Wale zu beobachten ist in Point Reyes so beliebt, dass Besucher zwischen Ende Dezember und Mitte April an Wochenenden und Feiertagen einen Bus vom Parkplatz am "Drakes Beach" benutzen müssen, um zum Leuchtturm zu gelangen. An einem Wochenende im Januar konnten Michael und ich uns davon überzeugen, dass das System hervorragend funktioniert. Wale sahen wir zwar keine, obwohl an dem Tag angeblich eine Handvoll gesichtet wurden, dafür aber Seeelefanten mit ihren Jungen.

Und wer von der Natur genug hat oder hungrig ist, kann in den Ort "Point Reyes Station" ins "Station House Cafe" fahren. Das Restaurant verfügt über einen riesigen Garten zum Draußensitzen, der fast an einen Biergarten herankommt. Allerdings ist es bei schönem Wetter eine echte Herausforderung, draußen einen Platz zu ergattern. Und die Bedienungen in dem Laden sind die langsamsten von Nordamerika. Übrigens stößt man in der Umgebung um Point Reyes überall auf Austern auf der Speisekarte. Das liegt daran, dass es im Großraum Point Reyes vier Betriebe gibt, die Austern züchten. Frischer geht es nicht mehr!

Schlangengetier

Abbildung [20]: Gefährliche Schlange! Die Rundbriefreporter in Gefahr!

(Michael) Neulich kaufte ich bei REI in San Francisco neue Bergschuhe. Um sie einzulaufen, fuhren wir trotz etwas unbeständigen Wetters in die Marin Headlands. Nach etwa 7 Kilometern Wanderweg, auf dem uns ein Mountain-Biker zurief, dass er einen Koyoten gesehen hätte, waren wir schon fast wieder am Auto angelangt. Im stetigen Marschschritt nahm ich plötzlich am Boden eine hektische Bewegung war. Eine Schlange schlängelte sich nur Zentimeter an meinen Schuhen vorbei über den Weg. Ich führte naturgemäß einen Bärentanz auf, der sich gewaschen hatte!

Angelika lachte natürlich, offensichtlich erfasste ihr kindliches Gemüt den Ernst der Lage nicht! Das Schlangentier entfernte sich danach nicht einmal, sondern lauerte weiterhin auf dem Weg herum. Mit dem Teleobjektiv auf der höchsten Zoom-Einstellung fotografierte ich das widerliche Reptil deshalb. Schaut euch mal die bunte Musterung an. Sicher eine Giftschlange, der Tod tritt in Sekunden ein!

Nochmal davongekommen:

Angelika & Michael

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Letzte Änderung: 22-Feb-2019