05.03.2012 Deutsch English

Wie Supermärkte Kunden ausspionieren

Abbildung [1]: Analysiert und bewirbt die Kunden systematisch: Die Kaufhauskette Target.

Michael In der Zeitung "New York Times" stand neulich ein interessanter Artikel über Kundenforschung bei der Kaufhauskette Target. Da Amerikaner oft mit Kreditkarte zahlen, weiß Target, welche Produkte Kunden über lange Zeiträume kaufen, und kann daraus Schlüsse über deren Lebensumstände ziehen. Kauft eine Frau zum Beispiel schlagartig viel mehr unparfümierte Lotion und Wattebällchen, ist sie laut den Mathematikern bei Target zu 80% schwanger.

Damit die Kundin dann mehr Babyprodukte bei Target und weniger bei der Konkurrenz einkauft, schickt der Konzern ihr in diesem Fall Coupon-Heftchen, die verbilligte Babyprodukte anpreisen. Die Werbestrategen räumten ein, dass die ursprüngliche Strategie, die für jeden Haushalt personalisierten Werbeheftchen bei schwangeren Frauen mit Babyprodukten vollzupflastern, die die um ihre Privatsphäre besorgten Kundinnen verstörte. Mittlerweile fügen sie absichtlich auch einige unpassende Produkte wie Weingläser oder Rasenmäher hinzu, damit die Empfängerinnen sich nicht ausspioniert fühlen.

Abbildung [2]: Im Artikel "How Companies Learn Your Secrets" in der New York Times untersucht Chares Duhigg, was Supermärkte mit Kundendaten treiben.

Es geht aber noch weiter: Kombiniert Target die persönlichen Kaufdaten seiner Kunden mit extern gekauften Informationen wie Alter, geschätztem Einkommen, oder ob jemand verheiratet ist, lassen sich ganz neue Schlüsse ziehen und Kunden gezielt bewerben und die Läden treiben.

Viele Amerikaner wissen dies nicht und würden, falls sie es denn wüssten, der Datensammelei auch keine große Bedeutung zumessen. Es fehlt der breiten Bevölkerung das Verständnis um die Gefahren des Datenmissbrauchs und deswegen existiert keine nennenswerte Lobby für den Datenschutz, die entprechende Vorschriften per Gesetz durchdrücken könnte.


 
 
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Letzte Änderung: 23-Dec-2025