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  Rundbrief Nummer 146  
San Francisco, den 20.12.2022


Abbildung [1]: Im September 2022 war unsere Stromrechnung 108.18 Dollar

12/2022
Michael Ihr in Deutschland wurdet ja in letzter Zeit ziemlich an die Kandare genommen, was die Haushaltskosten für Strom und Gas betrifft. Vergleichen wir doch mal: Wieviel zahlen Bürger in Amerika für die Energieversorgung ihrer Privathaushalte? Um es kurz zu machen, wir haben im September für 400 Kilowattstunden 108 Dollar gezahlt, also etwa 27 Cent pro Kilowattstunde. Aber, wie ihr euch denken könnt, variieren Strompreise stark nach Bundesstaat, unser Gewährsmann in Florida hat neulich erzählt, dass er für 811 kWh dort nur 133 Dollar gezahlt hat, also fast die Hälfte, 14 Cent pro kWh.

Wie schon mal an dieser Stelle erörtert (Rundbrief 05/2017) kommt unser Strom in der San Francisco Bay Area von einer privaten Firma namens PG&E, also "Pacific Gas and Electric", die im Umkreis von mehreren hundert Kilometern das Strommonopol hat. Nun ist PG&E eine ziemliche Tandlerfirma, die von einer katastrophalen Krise in die nächste schlittert. Ihre Stromtrassen sprühen Funken und lösen Waldbrände aus, und deswegen schaltet PG&E im Sommer teilweise in ländlichen Gegenden mit viel Wald einfach den Strom ab. PG&E betreibt eine so veraltete und total marode Infrastruktur, dass sie den Energiebedarf der Bay Area nicht decken kann, wenn jeder seine Verbraucher einschaltet, bricht alles zusammen. Das zeigt sich im Sommer, wenn die Bewohner des heißen Silicon Valleys den ganzen Tag ihre Wohnungen mit Klimaanlagen kühlen. Da bricht schon mal die Versorgung zusammen und ganze Landstriche bleiben tagelang ohne Strom. Vorsorglich schaltet PG&E hier mittels sogenannter "Rotating Outages" in manchen Städten unten im Silicon Valley einfach reihum den Strom ab. Das muss man sich mal vorstellen, da wohnt jemand direkt neben der historischen Stelle, an der das iPhone erfunden wurde und hat wie in der dritten Welt tageweise nicht mal Strom. Zwar können nicht kränkliche Bürger auch ein paar Tage ohne Klimaanlage leben, aber wenn die Lebensmittel in Kühlschrank und Tiefkühltruhe vermodern, hört der Spaß endgültig auf.

Abbildung [2]: Kilowattpreise sind nach Verbrauch gestaffelt.

Abbildung [3]: Auf die Grundgebühr kommen nochmal Zusatzgebühren.

PG&E hält die Leute dazu an, weniger Strom zu verbrauchen, nur so reicht die Kapazität für groß und klein. Als womöglich einzige Privatfirma der Welt betreibt PG&E sogar Werbung dafür, dass Verbraucher von ihrem Produkt, dem Strom, weniger kaufen! Aus diesem Grund staffeln sie auch ihre Preise. Wer mehr verbraucht als der Durchschnitt, zahlt höhere Kilowattpreise. Wir liegen mit unserem Verbrauch etwas über dem Durchschnitt, und haben so einen Deal abgeschlossen, dass der Strommix teilweise aus erneuerbarer Energie kommt, und zahlen, wie gesagt, im Schnitt etwa 27 Cent pro Kilowattstunde. Wie setzt sich das genau zusammen?

In Abbildung 2 seht ihr, dass wir im Beispielmonat genau 400 kWh verbraucht haben, davon kostet die Stromlieferung (Delivery) für die ersten 225 kWh 24 Cent/KWh und die restlichen 175 kWh 30 Cent/kWh. Davon zieht PG&E noch den "Generation Credit" von 47.01 Dollar ab, schlägt aber die "Power Charge Indifference Adjustment" drauf und 25 Cent "Franchise Fee Surcharge". Wie sich diese 75.12 Dollar zusammensetzen, versucht die Tabelle "Your Electric Charges Breakdown" (Abbildung 3) zu erklären, mit allen möglichen Einzelposten, die kein Mensch versteht. Abgesehen davon, dass der Betrag vorher per KWh ermittelt wurde und hier einfach Fixkosten stehen, aber okay. Später kommt noch die Erzeugungsgebühr ("Generation Charge") drauf, die bei 400 kWh mit 32.94 Dollar zu Buche schlägt (Abbildung 4). Abzüglich des vorher abgezogenen "Generation Credits", wohlgemerkt. Kurzum: Keiner versteht, wie sich die Kosten zusammensetzen, man zahlt halt, was oben auf der Rechnung steht.

Abbildung [4]: Stromerzeugungskosten kommen obendrauf.

Wir zahlen die monatliche Stromrechnung übrigens nicht per Bankeinzug, sondern traditionsgemäß per Hand. Bis vor wenigen Jahren hat Angelika jeden Monat die uns von PG&E per Post zugestellte Papierrechnung aufgemacht, das Scheckbuch rausgeholt und einen Scheck über den geforderten Betrag ausgestellt, unterschrieben, und im Kuvert per Post an PG&E geschickt. Irgendwann fand ich heraus, dass man den Betrag auch per Handy-App überweisen kann, und seitdem zeichne ich dafür verantwortlich, dies jeden Monat gewissenhaft zu erledigen.

Abbildung [5]: Unsere Stromrechnung, übers Jahr verteilt.

Da Strom anscheinend nicht irgendeine Ware, sondern ein Gut ist, ohne das niemand leben kann, schaltet PG&E auch nicht einfach den Strom ab, falls man mal eine Rechnung nicht zahlt. Das habe ich durch ein Versehen herausgefunden, denn einmal zahlte ich zwar die Rechnung, aber nur die "Delivery Charges" statt den höheren Gesamtbetrag. Die Lichter blieben an! Einen Monat später flatterte die nächste Rechnung ins Haus, und kommentarlos war dort einfach der fehlende Betrag hinzuaddiert worden. Unter leise vor mich hin gemurmelten Entschuldigungen zahlte ich wie verlangt.

Neuerdings kostet bei uns der Strom sogar unterschiedlich nach Tageszeit. Nach der Tabelle des Stromanbieters zahlen wir zwischen 16:00 und 21:00 höhere Kilowattpreise als während der restlichen Zeit des Tages. Das ist wahrscheinlich das Zeitfenster, in dem viele Leute in San Francisco den Herd anstellen, um Abendessen zu kochen. Wer sparen will, muss erst nach 21:00 Essen kochen oder den Tesla aufladen!

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