Wie kündigt man nun den Job? Man kann bei Apple wie bei vielen anderen amerikanischen Firmen mit sofortiger Wirkung kündigen, und einfach nicht mehr zur Arbeit erscheinen. Für einen geordneten Abgang sollte man aber schon zwei Wochen vor dem Ausscheiden aus der Firma Bescheid geben. Kann man per E-Mail an den Chef machen, der diese dann an die HR-Abteilung weiterleitet, aber ich bin altmodisch und habe meinen Manager per Videocall angerufen und dann die E-Mail mit dem Datum geschickt. Einen Papierbrief braucht es nicht. Länger als zwei Wochen vorher zu kündigen kann man auch machen, ist aber meiner Ansicht nach unklug, denn dann hängt man wochenlang herum wie ein Zombie. In zwei Wochen kann man alles abwickeln, Projekte übergeben, Nachfolger einarbeiten, und wegen der kurzen Frist vertrödelt keiner sinnlos Zeit. Alle waren ziemlich geschockt, aber ich blieb hartnäckig, hat man den Weg der Kündigung eingeschlagen, gibt es kein Zurück mehr, sonst macht man sich bloß lächerlich. Schließlich gingen wir noch ein paarmal zusammen in die Cafeteria zum ausgedehnten Mittagessen auf der privaten Terrasse des "Results Way"-Campus und dann war auch schon der Tag des Abschieds da. Wir stehen immer noch in Kontakt, mit einigen Ex-Kollegen texte ich mittlerweile noch mehr als zu meiner aktiven Zeit bei Apple.
Die Telefonnummer meines Handys, die ich auch privat nutzte, durfte ich auf einen von mir neu eingerichteten und aus eigener Tasche bezahlten Mobilvertrag übertragen. Im Mitarbeiter-Shop kaufte ich mir einen neuen Laptop. Den Firmen-Laptop musste ich abgeben. Mein Cubicle räumte ich nach und nach aus, jetzt stehen bei uns zu Hause ein Fahrrad und zwei Skateboards herum.
Nun genieße ich gerade meine neue Freiheit bereits im zweiten Monat. Vor allem ist genial, dass ich jetzt die Zeit habe, jahrelang aufgeschobene Arbeiten zu erledigen. Ob das nun das Neubeziehen der Esszimmerstühle ist oder den Stöpsel des Waschbeckens zu richten, der nicht mehr richtig schloss, oder ein paar Videos über meine Kochrezepte zu drehen oder endlich mal wieder in Ruhe Rundbrief zu schreiben: jeden Tag hake ich mindestens eine Aufgabe von einer hunderte Einträge langen Liste ab. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Und Zeit zum Surfen bleibt natürlich auch noch.