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  Rundbrief Nummer 134  
San Francisco, den 19.05.2020


Abbildung [1]: Nur der Jogger trägt hier keine Maske.

Angelika Wer mich schon lange kennt, weiß, dass ich nicht gerade eine begeisterte Sportskanone bin. In der Schule hatte ich in Sport stets die schlechtesten Noten, was mich allerdings nicht weiter störte, denn lieber gut in Englisch und in Sport eine Niete als umgekehrt! Aber ich habe im Sportunterricht oft sehr gelitten und viele recht doofe Sportlehrer gehabt, die nicht verstanden, warum es mich schauderte und ängstigte, über einen Bock zu springen. Heutzutage bewege ich mich gern, vor allem an der frischen Luft: Wandern, schwimmen im Ozean, Fahrradfahren, Bogie Boarden auf Hawaii; ich bin dabei. Es herrscht ja vielfach die Meinung, dass die USA nur aus übergewichtigen Menschen besteht, die sich auf der Couch herum lümmeln und Kartoffelchips und Popcorn in sich hinein schaufeln. Das ist natürlich, wie immer, etwas zu einfach gedacht. Auch für viele Amerikaner ist Bewegung und Sport wichtig.

Und es gibt natürlich auch solche, die es übertreiben und die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, wie sie ihren Körper optimieren können. Ein Besuch am Strand von Los Angeles offenbart vieler solcher Exponate, die nicht nur ständig ihre Muskeln trainieren, sondern ihre durchtrainierten Körper auch zur Schau stellen müssen, ob ihre Mitmenschen das nun sehen wollen oder nicht. Mir ist eh alles suspekt, was als extrem daher kommt: Extreme polititische Einstellungen genauso wie Gesundheitsfanatiker. Mein Motto ist eher: Alles in Maßen. Bis jetzt hatte ich eher den Eindruck, dass San Franciscoaner zwar gern draußen, aber nicht völlig durchgeknallt sind, wenn es um sportliche Ertüchtigung geht. Die Coronakrise hat aber in San Francisco leider noch zu einer anderen Epedimie geführt. Da Yoga- und Fitnesstudios geschlossen sind, verstopfen neuerdings die Jogger, wie sonst die Autos die Straßen.

Dabei lassen sich die Jogger nach meinen Beobachtungen in drei Kategorien einteilen: Die, die schon immer gerne joggen gingen. Die, die noch nie im Leben gerannt sind, und jetzt in der Krise das Joggen angefangen haben, was man meist daran bemerkt, dass sie völlig erschöpft mit rotem Kopf an einem vorbeitraben, sodass man Angst hat, dass sie gleich zusammenbrechen. Und dann die, die ohne Joggen nicht leben können und wie die Irren durch die Landschaft sprinten, ohne Rücksicht auf Verluste. Auf die letztere Kategorie bin ich gerade nicht so gut zu sprechen. Menschen haben bekanntlich hinten im Kopf keine Augen, was auch für Spaziergänger auf Bürgersteigen zutrifft. Einige dieser Jogger, die mit einem Affenzahn schnurgerade in der Gegend herum sprinten, scheinen diese wichtige Erkenntnis vergessen zu haben. Nun ist es mir schon einige Male passiert, dass diese Jogger so dicht an mich herankamen, dass ich ihren Atem im Rücken gespürt habe, bevor sie hautnah an mir vorbeigerauscht sind, obwohl genug Platz zum Ausweichen war. Scheinbar ist es für sie eine Zumutung, von ihrer geraden Linie abzuweichen und ein wenig Slalom zu laufen. Ich konnte nicht einmal lauthals protestieren, denn in der Regel haben diese Art von Jogger auch noch Stöpsel in den Ohren, weil sie beim Laufen Musik hören.

Abbildung [2]: Michael spaziert hier nur und rennt nicht im Kite-Hill-Park.

Nun weiß ich ehrlich gesagt nicht, welche Gefahr bezüglich Ansteckung von diesen Joggern ausgeht. Ich glaube mich ärgert eher die Rücksichtlosigkeit einiger Leute, aber das war schon vor der Coronakrise so. Glücklicherweise hält die Mehrzahl der Leute, denen wir hier bei unseren täglichen Spaziergängen begegnen, Abstand, oder sie gehen halt zur Seite, oder sagen auch schon mal Danke, wenn wir ihnen Platz machen. Michael ist da sowieso gelassener als ich. Meine Theorie ist ja, dass sich bei der derzeitigen Krise viel die persönliche Risikobereitschaft auf das Verhalten der Menschen auswirkt. Ich muss in letzter Zeit immer an eine faszinierende Vorlesung im Fachberreich Psychologie im Schloss zu Münster aus der Zeit vor meinem Heilpädagogikstudium denken. Schon allein, dass ich mich noch nach Jahrzehnten an den Inhalt der Vorlesung erinnere, ist erstaunlich und zeigt schon, wie interessant ich den Stoff fand. Professor Ulrich Tränkle, seines Zeichens führender Verkehrspsychologe, erklärte uns die Psychologie der Risikowahrnehmung und wie sich diese auf Entscheidungen auswirkt. Menschen beurteilen Risiken nicht unbedingt objektiv, sondern subjektiv, es kommt durch diese subjektive Wahrnehmung oft zu Fehlentscheidungen. Was wohl der gute Herr Tränkle zu den derzeiten Coronamaßnahmen sagen würde? Leider ist er schon 1995 gestorben und kann nichts mehr dazu beisteuern.

Liebe Grüße aus Sankt Frankstadt!

Angelika und Michael

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Letzte Änderung: 19-May-2020