Angelika Im letzten Rundbrief hatte ich ja versprochen, auszuführen, warum wir große Befürchtungen haben, dass Trump noch einmal wieder gewählt wird. Wie gesagt, ich wäre sehr froh, wenn meine Prognose sich als falsch herausstellt. Aber warum bin ich dieser Meinung? Es ist richtig, dass bis zum eigentlichen Wahltermin im November 2020 noch viel passieren kann, wer aber meint, dass Trump seines Amtes enthoben wird, lebt in einer Fantasiewelt, denn der republikanisch dominierte Senat wird Trump niemals in den Rücken fallen.
Doch einer der eklatanten Fehler der demokratischen Kandidaten ist, dass sie eben eine Revolution anstreben, anstatt sich darauf zu konzentrieren, Trumps Wiederwahl abzuwenden. Alles läuft letztendlich auf die demokratische Basis und das amerikanische Wahlsystem hinaus. Die Basis will nach vier Jahren Trump einen radikalen Kurswechsel sehen. Sie stellt sich deshalb hinter solche Kandidaten wie Elizabeth Warren und Bernie Sanders, die nach amerikanischen Verhältnissen mehr linksgerichtete Ideen vertreten. Eine ist, die privaten Krankenkassen, die viele durch ihre Arbeitgeber erhalten, durch eine staatlich verwaltete Krankenkasse zu ersetzen. Oder Elizabeth Warren hat sich zum Ziel gesetzt, große und mächtige Firmen wie Google, Amazon, Facebook aufzuteilen, um deren Einfluss einzudämmen.
Um die Nominierung für die demokratische Partei zu erhalten, müssen Warren und Co die Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten gewinnen. Bei diesen Vorwahlen geben eingefleischte Demokraten ihre Stimmen ab, also eher die, die eine Revolution wollen. Zur Zeit liegt in einigen Bundestaaten wie Iowa oder New Hampshire, die ihre Vorwahlen zuerst abhalten, aufgrund von Umfragen Elizabeth Warren vorne, dicht gefolgt von Bernie Sanders. Auf nationaler Ebene ist Joe Biden allerdings immer noch der Vorreiter. Das Problem ist jetzt nur, dass wenn Joe Biden die Vorwahlen in den früh wählenden Bundesstaaten nicht gewinnt, sich die ganze Wahlmaschinerie verselbständigt und Wahlkampfspenden dann eher an die Gewinner fließen und die Riege der demokratischen Kandidaten sich lichtet, weil vielen schlichtweg das Geld ausgeht.
Das Problem mit Elizabeth Warren und Bernie Sanders ist hingegen, dass sie, wenn sie gegen Trump antreten sollten, Stimmen von Unabhängigen und moderaten Wählern brauchen, um die sogenannten "Swing States" zu gewinnen, also die Bundesstaaten, die mal an den demokratischen Kandidaten gehen und ein anderes Mal an den republikanischen. Ohne diese Bundesstaaten kann kein Kandidat, durch das Wahlmännersystem bedingt, Präsident werden, denn es reicht eben nicht, die Mehrheit der direkten Stimmen zu haben. Leider hat Joe Biden in den Debatten nicht gerade geglänzt. Jetzt ist auch noch der ehemalige Bürgermeister von New York bei den Demokraten angetreten: Mike Bloomberg, der als pragmatisch und moderat gilt und vor allen Dingen Geld genug hat, um seinen eigenen Wahlkampf zu finanzieren. Viele meinen, dass er sich das zu spät überlegt hat und darüber hinaus Joe Biden Stimmen wegnehmen könnte. Ein Drama ohne Ende, das hoffentlich nicht in einer Katastrophe enden wird.
Grüße aus dem Land der verrückten Politik:
Angelika und Michael