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Angelika/Mike Schilli |
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Michael Etwa einmal die Woche ist bei uns Waschtag, da schleppen wir unsere Schmutzwäsche runter in die Waschküche unseres Mietshauses und stellen eine der beiden Maschinen an. Auf jeder steht ein Aufsatz, der Vierteldollar-Münzen, sogenannte "Quarters" schluckt, und beim Preis von $2.50 pro Waschgang erfordert dies schlappe zehn Münzen. Dann kommt noch eine zweite oder dritte Trommel hinzu, dann die ganze Chose noch durch den Trockner, der ebensfalls $2.00 pro Ladung schluckt, und ruck-zuck sind 40 Quarters verbraucht.
So viel Münzgeld trägt natürlich niemand im Portemonnaie herum, und so gehen wir alle paar Monate zur Bank, bringen einen großen Stoffbeutel mit und tragen ein paar Kilo Quarter heim. Früher habe ich jedesmal gefragt, ob die Kassiererin mir nicht einen Banksack mit einem Dollarzeichen drauf geben könne, wie man sie bei Bankräubern in Karrikaturen sieht, aber der Witz wurde irgendwann alt. Letztens machte mich die Kassiererin allerdings darauf aufmerksam, dass sie mir nicht wie gewünscht $200 in Quarters geben könne, da zur Zeit alle Banken pro Kunde nur noch eine einzige 10-Dollar-Bandarole (also 40 Quarters) herausgeben dürften. Waas?
Der Grund stand neulich in der Zeitung: Durch die Corona-Krise mussten viele Geschäfte schließen, und angeblich brachte dies und die mangelnde Kauflust der Kunden den Rückfluss von Quarters an die Banken ins Stocken. Ich hätte zwar eigentlich gedacht, dass die meisten Leute hier mit Karte zahlen, kaum jemand mit Bargeld, und schon gar nicht mit Münzgeld, aber die traurige Tatsache ist, dass es keine Quarters mehr gibt.
Manche Mieter haben jetzt schon ihren Vermietern angeboten, die bereits in den Maschinen steckenden Quarters zurückzukaufen. Bei uns im Haus ist das aber nicht so einfach, denn die Maschinen werden von einem kommerziellen Betreiber gewartet und geleert. Von öffentlichen Waschsalons wird berichtet, dass sie Kunden Quarters gegen Scheine umwechseln, aber dann darauf bestehen, dass die Münzen auch vorort in die Maschinen gesteckt und nicht heimgetragen werden. Wer jetzt denkt, "Mein Gott, dann sollen sie halt Maschinen mit Kartenlesern hinstellen!", der kennt die Trägheit manch amerikanischer Traditionen nicht.
Letzendlich wird's wahrscheinlich wie schon beim Klopapier darauf hinauslaufen, dass windige Geschäftemacher Quarters horten, um diese dann gegen Aufpreis zu verkaufen. Zum Glück war ich noch kurz vor der Quarterkrise bei der Bank und in unserem Quarter-Bunker liegen noch Vorräte für mehrere Monate. Bis dahin ist das Versorgungsproblem hoffentlich gelöst. Sonst heißt es knausern, und nur alle zwei Wochen zu waschen, damit die Münzen länger vorhalten!
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