Angelika Bei uns um die Ecke auf der Chattanooga Street steht vor einem Haus ein Holzkästchen, das wie ein Vogelhäuschen aussieht. Hier laben sich aber nicht Vögel im Winter, sondern lesehungrige Nachbarn, es handelt sich nämlich um eine öffentliche Bücherbörse.
Wer sein ausgelesenes Buch nicht ins Altpapier werfen oder im Bücherregal verstauben lassen will, kann es in den Kasten stellen und ein gleichgesinnter Leser nimmt es später mit. Jeder darf kostenlos Bücher einstellen und mitnehmen. Naiv dachte ich: Da hatte aber einer unserer Nachbarn eine ganz reizende Idee, bis ich bei meiner Recherche im Internet heraus fand, dass es diese sogenannten öffentlichen Bücherschränke mittlerweile in vielen Ländern, also auch in Deutschland gibt.
Den Trend habe ich wohl verschlafen. In den USA startete ihn Todd Bol aus Hudson in Wisconsin. Er stellte das erste Vogelbücherhäuschen in seinem Vorgarten im Jahr 2009 auf. Mitllerweile hat er einen gemeinnützigen Verein mit dem Namen "Little Free Library" gegründet. Die Website des Vereins zeigt an, wo es in den verschiedenen Ländern und Städten öffentliche Bücherschränkchen gibt, vorausgesetzt, die Besitzer des Schränkchens haben sie dort registriert. Handwerklich Ungeschickte können über den Verein auch fertige Bücherkästen bestellen.
In letzter Zeit haben Michael und ich des öfteren deutsche Bücher und DVDs in das Bücherschränkchen auf der Chattamooga Street eingestellt, was immer zu einigen spannungsreichen Tagen führt: Wer wird sich der deutschen Bücher erbarmen? Michael würde natürlich am liebsten eine Kamera installieren, um zu sehen, wer sich unsere deutsche Lektüre nimmt. Unsere DVD-Serie "München 7" lag lange im Schränkchen herum, aber eines Tages war sie dann doch weg und bei uns fing wieder das Spekulieren an. Auf jeden Fall sind diese öffentlichen Bücherkästen eine klasse Idee.