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  Rundbrief Nummer 133  
San Francisco, den 18.3.2020


Abbildung [1]: Michael kraxelt auch im hohen Alter noch auf Felsen herum.

Michael Über die Feiertage am Jahresende buchte Angelika für uns einen Kurzurlaub in der Wüstenstadt Scottsdale in Arizona. Am Flughafen in Phoenix angekommen, standen wir zunächst etwas ratlos an der Autovermietung herum, denn zur Auswahl stand nicht wie üblich ein breites Sortiment aus japanischen und amerikanischen Fahrzeugen, sondern nur Einheitsautos: fünf Ford Mustangs Cabrio und ein normaler Ford Mustang. Da Cabrios die allerletzten Touristenkutschen sind, die Verbrecher auch noch gern aufschlitzen, entschieden wir uns zähneknirschend für den 2020er Mustang mit normalem Dach. Das Wägelchen stellte sich dann sogar als relativ ordentlich heraus, beschleunigte zügig, bei guter Kurvenlage, und trotz seiner 310 PS schluckte es nur knapp 8 Liter Normalbenzin auf 100 km. Ich bin ja kein Freund amerikanischer Autos, aber der Karren fuhr nicht schlecht.

Abbildung [2]: Im Urlaub darf man auch mal ein amerikanisches Wägelchen fahren.

Scottsdale selbst besteht aus einer touristischen "Old Town" mit Klamotten-, Kosmetik- und grauenvoll kitschigen Galerieläden. Das könnte man sich auch sparen. Der Rest der Stadt ist groß aber dünn besiedelt, mit laaangen Straßenblocks. Scottsdale bietet relativ eintönige Shopping Malls und endlose Siedlungen mit Bungalows, ähnlich wie Phoenix. Die Auswahl an innovativen Restaurants ist aber erstaunlich gut, die allerdings gesalzene Preise verlangen, fast schon auf San-Francisco-Niveau. Zum Wandern trieb es uns zum "Granite Mountain Trail" im 40 Meilen nördlich gelegenen "McDowell Sonoran Conservancy" und zum anderthalb Stunden entfernten "Saguaro National Park", von dem weder Angelika noch ich jemals gehört hatten. In der Wüste Arizonas wachsen ja diese riesigen Kakteen, schon auf dem Weg vom Flughafen in Phoenix nach Scottsdale kann man sie auf beiden Seiten der Autobahn bestaunen.

Abbildung [3]: Diese Kakteen haben spitze Stacheln

Abbildung [4]: Michael gibt vor, die Stacheln des Kaktus zu berühren.

Wir wanderten jeden Tag, ohne uns zu verausgaben, meist so acht bis zwölf Kilometer, bei vielleicht maximal 300 Metern Höhenunterschied, und die Aussicht von den erklommenen steinigen Wüstenhügeln war gewaltig. Dabei kommt der Wanderer nebenbei an gigantischen Kakteen vorbei, die teilweise bis zu acht Meter in die Höhe ragen. An Wetter hatten wir alles, von prallem Sonnenschein, über leicht tröpfelnden Regen, bis zu einigen Schneeflocken, alles auf ein und demselben Trail, bei leichten Plusgraden. Im Sommer ist es dort mit über 40 Grad so heiß, dass man die ungeschützten Trails in der Mittagshitze nicht gehen kann.

Abbildung [5]: Angelika hinter einem riesigen Kaktus auf dem Granite Trail.

Abbildung [6]: Angelika fotografiert auf Teufel komm raus.

Die Straßen im Saguaro Nationalpark sind größtenteils ungeteert, und an den Wanderwegeingängen finden jeweils nur ein paar Autos Platz. Teilweise parkt man halbwild auf der Sandpiste, oder fährt ein paar Meilen im Staub, bis man den Wagen an der nächsten Ausbuchtung abstellen kann. Es waren nicht viele Leute da, aber Parkplätze gab es kaum noch welche, wer statt im tiefsten Winter in einer wärmeren Jahreszeit dort hinfährt, kann sich wohl auf ein Verkehrschaos gefasst machen. Bekanntlich fahren Amerikaner gerne im Kreis oder warten in zweiter Reihe, nur um direkt vor dem Loch zu parken. Zu Fuß vom Auto zum Startpunkt einer Aktivität zu laufen ist verpönt, auch wenn es sich um ein Fitnessstudio oder einen Wanderweg handelt.

Abbildung [7]: Riesige Kakteen im Saguaro-Nationalpark

Abbildung [8]: Ein vergammelnder Kaktus, so sieht er von innen aus.

Die teilweise bestimmt acht Meter hohen Kakteen direkt an den Wanderwegen waren dann auch echt die Schau, sie wachsen selbst noch an steilen Hängen auf teilweise sehr steinigem Boden und kommen scheinbar ohne Wasser aus. Sie fühlen sich pudelwohl, und man sieht wirklich Hunderte prächtiger Exemplare. Auch allerhand Viehzeug springt herum, wir sahen einen herumstreunenden Coyoten und die allgegenwärtigen Erdhörnchen. Klapperschlangen soll es auch zuhauf geben, allerdings klapperte auf unseren Wegen Gott sei Dank nichts.

Abbildung [9]: Auf dem Wanderweg kommt man sich vor wie in einem botanischen Garten.

Abbildung [10]: Die Kapelle aus Breaking Bad

Weil wir schon mal da waren, fuhren wir auch noch an der Mission San Xavier del Bac bei Tucson vorbei, die 1692 von den Spaniern gegründet, 1770 von Apache-Indianern demoliert und 1783 wieder aufgebaut wurde. Die Gebäude sind auch heute noch gut erhalten und der Geschenke-Shop wird nicht nur als "affordable" angepriesen, sondern verkauft auch preisgünstige Pilgerwaren. Von einer kleinen Seitenkapelle (Abbildung 10), in der es wegen hunderten von angezündeten Kerzen richtig heiß war, erfuhren wir, dass das Gebäude mit den zwei Glockentürmchen angeblich in einer Episode der Fernsehserie von Breaking Bad zu sehen war, als Pilgerort für die beiden mexikanischen Gangster mit den Cowboystiefeln, die in extremer Pilgermanier durch den Staub auf die Kapelle zukrochen.

Liebe Grüße

Angelika und Michael

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Letzte Änderung: 26-Mar-2020