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Angelika/Mike Schilli |
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Alltag in Zeiten des Coronavirus
Shelter in Place
Döner in der Döner-Diaspora
Mann, Frau, und Unbestimmt
Hunde im Lebensmittelladen
Scottsdale
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Michael Türkische Imbisse in Amerika kann man nicht mit türkischen Imbissen in Deutschland vergleichen. Hier in Kalifornien gibt es sogar eine stattliche Anzahl von Etablissements, die türkisches Essen herstellen und verkaufen, aber irgendwie schmeckt es völlig anders. Meist handelt es sich nicht um rein türkische Spezialitäten, sondern mehr mediterran oder nahöstlich angehauchte Gerichte. So ist es nicht ungewöhnlich, dass hier ein türkisches Restaurant ohne mit der Wimper zu zucken griechisches "Gyros" verkauft oder nahöstliches "Falafel". Undenkbar in Deutschland, politische Unruhen brächen aus!
Als bei uns um die Ecke ein türkischer Schnellimbiss aufmachte, begab ich mich natürlich als einer der ersten Kunden dorthin und verlangte einen Döner, den es allerdings dort so nicht gab. Ich erfuhr von der original aus der Türkei kommenden Verkäuferin, dass Amerikaner generell Probleme hätten, das in von der Semmel zusammengehaltene Fleisch beim Verspeisen vom Herausfallen abzuhalten, und deshalb jeder Imbiss sogenannte "Wraps" verkaufe, in denen das vom Kebab-Spieß abgeschnittene Fleisch mit Salat in einer Rolle aus einem dünnen Fladenpfannkuchen eingewickelt wird. Schmeckt natürlich völlig anders als das getoastete Korianderbrot aus deutsch-türkischen Imbissen!
Weiter muss man wissen, dass der Döner eine rein deutsche Spezialität ist, die von türkischen Einwanderern ins Land geholt wurde. Was man in Deutschland "Döner" nennt, gibt es in dieser Form, mit der getoasteten Koriander-Semmel und dem knusprig am Spieß gebratenen Kalbfleisch (neuerdings in München auch Pute) und gewürztem Salat -- außerhalb Deutschlands nur ganz, ganz selten auf der Welt. Das ist auch der Grund, warum ich, wenn ich alle Schaltjahre mal in München aufschlage, sofort die nächstbeste Dönerbude aufsuche und gierig einen Döner verschlinge.
Nun machte kürzlich schon wieder ein türkisches Restaurant in unserer Nähe auf, es heißt "Shish Ke Baba" und ist an der Ecke 30ste Straße an der San Jose Avenue im Stadteil Bernal Heights. Ich erklärte der freundlichen Dame an der Kasse die Situation und ihr Mann in der Küche erklärte sich sofort bereit, mir einen Döner "German Style" aus einem Fladenbrot zu machen, das ihre Spezialität sei, nicht ganz das Korianderbrot aus deutsch-türkischen Imbissen, sondern mehr wie eine französische Brioche, aber immerhin. Sie wiesen mich noch darauf hin, das Ganze vorsichtig aus der Alufolie auszupacken und anzubeißen, weil der Inhalt sonst aus der Semmel fiele, aber da lachte ich nur und sagte, da hätte ich Übung drin. Der Spaß war nicht ganz billig, weil es das Gericht nur zusammen mit einem extra Salat gibt, aber ich zahlte so ungefähr 15 Dollar und war sehr zufrieden mit dem Döner.
Was noch fehlte, war das typische Dönergewürz. Wenn der Mann in deutschen Dönerbuden "Willst Scharffe??" fragt und man das bejaht, streut er eine rötliche Substanz hinein, was, wie ich über Amazon herausgefunden habe, das türkische Gewürz "Aleppo-Pfeffer" (3) ist. Flugs orderte ich es für kleines Geld online, und wenn ich nächstes Mal meinen Döner "German Style" ordere, werde ich ihn daheim heimlich schärfen. Vielleicht gibt's ja doch noch mal einen richtigen Döner in unserer Döner-Diaspora!
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