Michael Wer ein Formular ausfüllt, kreuzt üblicherweise bei "Geschlecht" entweder "männlich" oder "weiblich" an. Allerdings sind Geschlechterrollen neuerdings eher fließend definiert, jeder kann alles sein oder auch keines von beiden. Hippe Betriebe und linksaffine Behörden bieten seit einer Weile ein drittes Kasterl namens "non-binary" ein, wenn jemand weder männlich noch weiblich sein will. Das Wort ist Computerfritzen ein Begriff, denn "binär" heißt ein Wert dann, wenn er zwei mögliche Zustände hat, und entweder den einen oder den anderen annimmt.
Nun ist das aber nicht so einfach, wenn jemand weder männlich noch weiblich ist, denn wie redet man eine Non-Binary-Person an, als "er" oder als "sie"? Wenn ein Kollege zum Beispiel herausstellen möchte, dass eine Non-Binary-Person gut arbeitet, spricht er dann von "ihren Leistungen" oder "seinen Leistungen"? Geht man zur Besprechung in "sein" Büro oder "ihr" Büro? Mittlerweile ist es nicht ungewöhnlich, dass Mitarbeiter im Firmentelefonbuch bestimmen können, was ihre "personal pronouns" (Personalpronomen) sind. Ein Mann schreibt dann "he, him, his" hinein, eine Frau "she, her, hers". Das erste Pronoun findet Verwendung, falls die Person das Subject eines Satzes ist ("He finished the project"), das zweite, falls die Person das Objekt ist ("Management speaks greatly of him"), und das dritte, falls der Satz ein Possessivpronom braucht ("The backpack I found was his").
Wenn nun aber eine Non-Binary-Person ein Projekt fertiggestellt hat, darf man nicht "he" oder "she" sagen, aber "it" klänge auch irgendwie komisch. Eine gängige gewählte Kombination ist "they, them, theirs", also sagt man "they finished the project", was eigentlich andeutet, dass es sich um mehrere Personen handelt, aber das muss der Sprecher dann irgendwie durch Zusatzinformationen auflösen. Gar nicht so einfach, wenn man es allen recht machen will.
Wie immer bei Neuregelungen können unerwartete Nebenwirkungen auftauchen. Zum Beispiel kenne ich einen Herrn, der gerne bei öffentlichen Dauerläufen mitrennt und im Ziel immer einen der vorderen Plätze belegt. Aus Jux und Tollerei kreuzte er bei der Registrierung aber einmal nicht "männlich" oder "weiblich" an, sondern "non-binary". Am Wettkampftag lief er überragend, kam als einer der ersten ins Ziel, und wunderte sich anschließend, dass er seinen Namen gar nicht auf dem Ergebniszettel fand: Der listete nämlich Männer und Frauen getrennt mit ihren Zielzeiten auf, und eine Ergebniskategorie "Non-Binary" kannte das Computersystem schlichtweg noch nicht.
Einen weiteren Beleg für den Gender-Wirrwarr fand ich neulich in einer Zeitungsmeldung über eine Schule in Harford im Bundesstaat Connecticut, nach der sich weibliche Schulathleten dort darüber erbosten, dass in ihren Disziplinen nun auch Transgender-Männer zugelassen seien, die die Wettbewerbe dominierten. Die Frauen beschwerten sich, dass wegen der körperlichen Überlegenheit der Ex-Männer das Ergebnis von vorneherein feststehe und der Frauenwettbewerb zur Farce verkomme.
Konservativ gestimmte Bürger erkennen das Problem natürlich jetzt als gleich zweifach süffisant, denn der Widerspruch zwischen der Geschlechtertrennung beim Wettbewerb einerseits und der Aufweichung der Geschlechterrollen andererseits besteht ein unauflösbarer Widerspruch. Je nun, die Linksliberalen, die das System durchgeboxt haben, werden vielleicht noch eine Lösung finden, ganz ausgegoren ist das Ganze offensichtlich noch nicht. Tipp vom Fachmann: Es zahlt sich üblicherweise aus, sorgfältig zu planen und Nebenwirkungen zu bedenken, bevor man roboterhaft immer demjenigen Recht gibt, der am lautesten schreit.