08.09.2019   Deutsch English

  Rundbrief Nummer 130  
San Francisco, den 08.09.2019


Abbildung [1]: Ein alter Acura Integra (nicht unserer) im Viertel Hayes Valley.

Michael Als Exil-Deutscher finde ich mich hier drüben oft in der absurden Situation, Amerikanern erklären zu müssen, dass ich deutsche Fahrzeuge keineswegs als das Nonplusultra der internationalen Automobilindustrie ansehe. Kauft wieder mal ein sportautoaffiner Arbeitskollege einen BMW oder Porsche, kann ich nicht umhin, in mich hineinzudenken: Du Narr! Warum gibst du soviel Geld für unnötig komplizierten Firlefanz aus, der auch noch so hoffnungslos unzuverlässig läuft, sodass der Karren mehr in der Werkstatt steht, als über den Highway zu donnern? Von Kollegen höre ich dann auch noch Horrorgeschichten, nach denen überforderte kalifornische Mechaniker in Sindelfingen oder München anrufen müssen, weil völlig triviale Dinge den Geist aufgeben, die man aber nur mit Spezialwerkzeug vom Mond richten kann, und die allein deswegen kaputtgingen, weil sie von völlig inkompententen deutschen Ingenieuren entwickelt wurden, denen das Wort "Zuverlässigkeit" scheinbar abhanden gekommen ist.

Ich würde zwar auch nie einen Tesla kaufen, ganz einfach aus dem Grund, weil ich kein Spielzeug sondern ein Auto zum Fahren brauche, das auch dann noch fährt, wenn's nirgendwo mehr Strom gibt. Aber es ist schon unterhaltsam, mitanzusehen, wie Tesla deutschen Autobauern den Marsch bläst, weil sie sich nicht scheuen, alles in Frage zu stellen, was bisher dagewesen ist und es radikal anders machen, so dass Teslafahrer sich verwundert die Augen reiben und sich fragen, wieso da vorher noch keiner draufgekommen ist.

Was mich weiterhin vom Kauf neuer Autos abschreckt, ist die Tatsache, dass Autoverkäufer heutzutage fast keinen Gewinn mehr beim Verkauf eines Automobils erzielen, sondern darauf spekulieren, dass der Kunde den Karren dauernd zu irgendwelchen kostspieligen "Inspektionen" vorbeibringt, bei denen der Händler dann problemlos funktionierende Teile "vorbeugend" austauscht. Völlig irre! Diese Wartungsarbeiten, die der Bordcomputer alle zehntausend Meilen anmahnt, sind völliger Kappes und Geldmacherei. Ich weiß von autoliebenden Kollegen, dass Autohändler mittlerweile Aufpreise verlangen, falls der Käufer nicht in der näheren Umgebung wohnt. Schließlich verdienen sie so kein Geld mit sinnlosen Inspektionen, weil der Käufer diese wohl in seinem Wohnort durchführen lässt.

Wen es interessiert: Der Wartungszyklus unserer beiden Autos sieht so aus: Öl wird etwa alle 8000 Kilometer gewechselt, und zwar beim billigsten Ölwechselanbieter für etwa 60 Dollar. Sonst wird rein nichts gemacht, es sei denn, etwas fängt an zu klappern, quietschen, oder tropft. Dann richte ich es entweder selber, indem ich das betreffende Ersatzteil bei Amazon oder einem Autoteileanbieter erwerbe, oder, falls die Reparatur meine Kenntnisse übersteigt, gebe ich es zu einem chinesischen Mechaniker im Stadtteil Outer Mission, von dem ich weiß, dass er zuverlässig arbeitet und mir keinen Scheiß erzählt. Für ein paar hundert Dollar geht der Mann meilenweit.

Abbildung [2]: Unser 21 Jahre alter Integra hat nun auch schon 194.000 Meilen (312.000 Kilometer) auf dem Buckel.

Mit unserem alternden 1998er Acura Integra, der mit seinen 21 Jahren wohl bald auf den Autofriedhof muss, ähnlich wie sein Vorgänger, ein 1991er Integra, finde ich mich interessanterweise gegen meinen Willen in der Zielgruppe jugendlicher Raser. Wer einen Blick auf den Drehzahlmesser in Abbildung 2 wirft, bemerkt vielleicht, dass der rote Bereich erst bei 8000 Umdrehungen anfängt. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Auf Youtube gibt's ein schönes Video, in dem der 1994 tödlich verunglückte brasilianische Rennfahrer Ayrton Senna in Moccasins und weißen Socken einen Acura NSX zwischen sieben und achttausend Umdrehungen über eine Rennstrecke jagt. In San Francisco nennt man die Raser dieser Kärren "Rice Boys", meist asiatische Jugendliche, die mit aufgemotzten Hondas oder Toyotas auf sogenannten "Sideshows" während der Nacht auf verlassenen Supermarktparkplätzen illegale Rennen fahren. Ganz so wie im ersten Teil des Kinofilms "The Fast and the Furious", in dem im ersten Straßenrennen ein gewisser "Edwin" einen Integra fährt. Geklaut werden diese Modelle deswegen wie nichts Gutes, und aus diesem Grund habe ich neulich höchstpersönlich einen sogenannten "Kill-Switch" eingebaut. Das ist ein Schalter an einer top-geheimen Stelle, den man umlegen muss, damit die Benzinpumpe startet. Sonst orgelt der Motor ewig und springt selbst bei kurzgeschlosser Zündung nicht an, worauf Diebe nervös werden, sich die Haare raufen und andere Ziele suchen.

PDF Drucken
RSS Feed
Mailing Liste
Impressum
Mike Schilli Monologues


Auf die Email-Liste setzen

Der Rundbrief erscheint in unregelmäßigen Abständen. Wer möchte, kann sich hier eintragen und erhält dann alle zwei Monate eine kurze Ankündigung per Email. Sonst werden keine Emails verschickt.

Ihre Email-Adresse


Ihre Email-Adresse ist hier sicher. Die Rundbrief-Redaktion garantiert, die angegebene Email-Adresse nicht zu veröffentlichen und zu keinem anderen Zweck zu verwenden. Die Mailingliste läuft auf dem Google-Groups-Service, der sich ebenfalls an diese Richtlinien hält. Details können hier eingesehen werden.
Alle Rundbriefe:
2024 153 154 155 156 157
2023 148 149 150 151 152
2022 143 144 145 146 147
2021 138 139 140 141 142
2020 133 134 135 136 137
2019 129 130 131 132
2018 125 126 127 128
2017 120 121 122 123 124
2016 115 116 117 118 119
2015 111 112 113 114
2014 106 107 108 109 110
2013 101 102 103 104 105
2012 96 97 98 99 100
2011 91 92 93 94 95
2010 85 86 87 88 89 90
2009 79 80 81 82 83 84
2008 73 74 75 76 77 78
2007 66 67 68 69 70 71 72
2006 59 60 61 62 63 64 65
2005 54 55 56 57 58
2004 49 50 51 52 53
2003 43 44 45 46 47 48
2002 36 37 38 39 40 41 42
2001 28 29 30 31 32 33 34 35
2000 20 21 22 23 24 25 26 27
1999 13 14 15 16 17 18 19
1998 7 8 9 10 11 12
1997 1 2 3 4 5 6
1996 0

Rundbriefe 1996-2016 als PDF:
Jetzt als kostenloses PDF zum Download.

Spezialthemen:
USA: Schulsystem-1, Schulsystem-2, Redefreiheit, Waffenrecht-1, Waffenrecht-2, Krankenkasse-1, Krankenkasse-2, Medicare, Rente, Steuern, Jury-System, Baseball, Judentum
Immigration: Visa/USA, Warten auf die Greencard, Wie kriegt man die Greencard, Endlich die Greencard, Arbeitserlaubnis
Touren: Alaska, Vancouver/Kanada, Tijuana/Mexiko, Tokio/Japan, Las Vegas-1, Las Vegas-2, Kauai/Hawaii, Shelter Cove, Molokai/Hawaii, Joshua Nationalpark, Tahiti, Lassen Nationalpark, Big Island/Hawaii-1, Big Island/Hawaii-2, Death Valley, Vichy Springs, Lanai/Hawaii, Oahu/Hawaii-1, Oahu/Hawaii-2, Zion Nationalpark, Lost Coast
Tips/Tricks: Im Restaurant bezahlen, Telefonieren, Führerschein, Nummernschild, Wohnung mieten, Konto/Schecks/Geldautomaten, Auto mieten, Goodwill, Autounfall, Credit Report, Umziehen, Jobwechsel, Smog Check
Fernsehen: Survivor, The Shield, Curb your Enthusiasm, Hogan's Heroes, Queer Eye for the Straigth Guy, Mythbusters, The Apprentice, The Daily Show, Seinfeld
Silicon Valley: Netscape-1, Netscape-2, Netscape-3, Yahoo!
San Francisco: SoMa, Mission, Japantown, Chinatown, Noe Valley, Bernal Heights
Privates: Rundbrief-Redaktion
 

Kommentar an usarundbrief.com senden
Lob, Kritik oder Anregungen? Über ein paar Zeilen freuen wir uns immer.

In der Textbox können Sie uns eine Nachricht hinterlassen. Wir beantworten jede Frage und jeden Kommentar, wenn Sie ihre Email-Adresse in das Email-Feld eintragen.

Falls Sie anonym bleiben möchten, füllen Sie das Email-Feld bitte mit dem Wort anonym aus, dann wird die Nachricht dennoch an uns abgeschickt.

Ihre Email-Adresse


Nachricht

 
Impressum
Letzte Änderung: 24-Dec-2019