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Angelika/Mike Schilli |
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Michael Als Exil-Deutscher finde ich mich hier drüben oft in der absurden Situation, Amerikanern erklären zu müssen, dass ich deutsche Fahrzeuge keineswegs als das Nonplusultra der internationalen Automobilindustrie ansehe. Kauft wieder mal ein sportautoaffiner Arbeitskollege einen BMW oder Porsche, kann ich nicht umhin, in mich hineinzudenken: Du Narr! Warum gibst du soviel Geld für unnötig komplizierten Firlefanz aus, der auch noch so hoffnungslos unzuverlässig läuft, sodass der Karren mehr in der Werkstatt steht, als über den Highway zu donnern? Von Kollegen höre ich dann auch noch Horrorgeschichten, nach denen überforderte kalifornische Mechaniker in Sindelfingen oder München anrufen müssen, weil völlig triviale Dinge den Geist aufgeben, die man aber nur mit Spezialwerkzeug vom Mond richten kann, und die allein deswegen kaputtgingen, weil sie von völlig inkompententen deutschen Ingenieuren entwickelt wurden, denen das Wort "Zuverlässigkeit" scheinbar abhanden gekommen ist.
Ich würde zwar auch nie einen Tesla kaufen, ganz einfach aus dem Grund, weil ich kein Spielzeug sondern ein Auto zum Fahren brauche, das auch dann noch fährt, wenn's nirgendwo mehr Strom gibt. Aber es ist schon unterhaltsam, mitanzusehen, wie Tesla deutschen Autobauern den Marsch bläst, weil sie sich nicht scheuen, alles in Frage zu stellen, was bisher dagewesen ist und es radikal anders machen, so dass Teslafahrer sich verwundert die Augen reiben und sich fragen, wieso da vorher noch keiner draufgekommen ist.
Was mich weiterhin vom Kauf neuer Autos abschreckt, ist die Tatsache, dass Autoverkäufer heutzutage fast keinen Gewinn mehr beim Verkauf eines Automobils erzielen, sondern darauf spekulieren, dass der Kunde den Karren dauernd zu irgendwelchen kostspieligen "Inspektionen" vorbeibringt, bei denen der Händler dann problemlos funktionierende Teile "vorbeugend" austauscht. Völlig irre! Diese Wartungsarbeiten, die der Bordcomputer alle zehntausend Meilen anmahnt, sind völliger Kappes und Geldmacherei. Ich weiß von autoliebenden Kollegen, dass Autohändler mittlerweile Aufpreise verlangen, falls der Käufer nicht in der näheren Umgebung wohnt. Schließlich verdienen sie so kein Geld mit sinnlosen Inspektionen, weil der Käufer diese wohl in seinem Wohnort durchführen lässt.
Wen es interessiert: Der Wartungszyklus unserer beiden Autos sieht so aus: Öl wird etwa alle 8000 Kilometer gewechselt, und zwar beim billigsten Ölwechselanbieter für etwa 60 Dollar. Sonst wird rein nichts gemacht, es sei denn, etwas fängt an zu klappern, quietschen, oder tropft. Dann richte ich es entweder selber, indem ich das betreffende Ersatzteil bei Amazon oder einem Autoteileanbieter erwerbe, oder, falls die Reparatur meine Kenntnisse übersteigt, gebe ich es zu einem chinesischen Mechaniker im Stadtteil Outer Mission, von dem ich weiß, dass er zuverlässig arbeitet und mir keinen Scheiß erzählt. Für ein paar hundert Dollar geht der Mann meilenweit.
Mit unserem alternden 1998er Acura Integra, der mit seinen 21 Jahren wohl bald auf den Autofriedhof muss, ähnlich wie sein Vorgänger, ein 1991er Integra, finde ich mich interessanterweise gegen meinen Willen in der Zielgruppe jugendlicher Raser. Wer einen Blick auf den Drehzahlmesser in Abbildung 2 wirft, bemerkt vielleicht, dass der rote Bereich erst bei 8000 Umdrehungen anfängt. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Auf Youtube gibt's ein schönes Video, in dem der 1994 tödlich verunglückte brasilianische Rennfahrer Ayrton Senna in Moccasins und weißen Socken einen Acura NSX zwischen sieben und achttausend Umdrehungen über eine Rennstrecke jagt. In San Francisco nennt man die Raser dieser Kärren "Rice Boys", meist asiatische Jugendliche, die mit aufgemotzten Hondas oder Toyotas auf sogenannten "Sideshows" während der Nacht auf verlassenen Supermarktparkplätzen illegale Rennen fahren. Ganz so wie im ersten Teil des Kinofilms "The Fast and the Furious", in dem im ersten Straßenrennen ein gewisser "Edwin" einen Integra fährt. Geklaut werden diese Modelle deswegen wie nichts Gutes, und aus diesem Grund habe ich neulich höchstpersönlich einen sogenannten "Kill-Switch" eingebaut. Das ist ein Schalter an einer top-geheimen Stelle, den man umlegen muss, damit die Benzinpumpe startet. Sonst orgelt der Motor ewig und springt selbst bei kurzgeschlosser Zündung nicht an, worauf Diebe nervös werden, sich die Haare raufen und andere Ziele suchen.
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