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Angelika/Mike Schilli |
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Angelika Aus der Schulzeit kennt jeder sicher noch das erhebende Gefühl der bevorstehenden Sommerferien, wenn alle Arbeiten geschrieben waren und sechs lange Wochen des Nichtstuns und Sichtreibenlassens vor einem lagen. Als Erwachsener kommt man in diesen Genuss eigentlich nie mehr. Die Semesterferien im Studium waren zwar auch nicht schlecht, aber bei mir stets angefüllt mit Pflichtpraktika. Aber diesen Sommer gab es endlich nach Jahrzehnten für mich wieder lange Ferien, denn ich arbeite ja an einer Schule, und da hat man auch in den USA Sommerferien oder genauer gesagt unterrichtsfreie Zeit. An unserer Schule hatten wir schlappe neun Wochen frei. Es war herrlich. Wie zu Schulzeiten gab es nichts Schöneres für mich, als zu lesen und in die Welt der Bücher einzutauchen. Ich hatte mir für meine Ferien vorgenommen, jede Woche ein Buch zu lesen und habe das auch geschafft. Ich las ein buntes Sortiment aus Krimis, Sachbüchern, Fachbüchern und natürlich Romanen.
Dann erfüllte ich mir noch den Traum, einen Kalligrafiekursus zu besuchen. Ich gehöre noch zu der Generation, in der Schreibschrift zu lernen oberstes Gebot in der Schule war. Leider ist diese Kulturtechnik vom Aussterben bedroht, da man meint, dass in der digitalen Welt Tippen und Druckschrift über der Schreibschrift stehen. In den USA lernen schon viele Schüler keine Schreibschrift mehr, weil sie vom Lehrplan gestrichen wurde. Allerdings gibt es Hoffnung, denn die Schreibschift erlebt hier zur Zeit so etwas wie ein Comeback in den Schulen, da sich herausgestellt hat, dass es eben nicht nur um Schönschrift geht. Das Erlernen der Schreibschift hilft nicht nur der Feinmotorik, sondern fördert auch das Gedächtnis und verbessert das Textverständnis. Schüler, die Scheibschrift schreiben, konstruieren bessere Texte, als wenn sie diese tippen würden.
Aber ich schweife ab. Meine strenge, aber gerechte Grundschullehrerin Frau Hibben sorgte damals nicht nur dafür, dass wir alle Schnörkel, Auf- und Abstriche in richtiger Reihenfolge schrieben, sondern bestand auch auf Schönschrift. Im Gymnasium begeisterte meinen Klassenlehrer Herrn Senst dann meine Handschrift so, dass er mir zum Beruf der Kalligrafin riet. Kaum zu glauben, dass ich Jahrzehnte brauchte, um endlich einen Kurs zu belegen. Ich machte meinen Kurs wieder am "Center for the Book" in San Francisco (Rundbrief 04/2007)
Meine Schreibversuche im Kurs erinnerten mich dann auch stark an meine Grundschulzeiten. Wir lernten die Schrift Ronde, die ihren Ursprung im Frankreich des 16. Jahrhunderts hatte und für Anfänger relativ einfach zu lernen ist. Was mich faszinierte ist, dass Kalligrafie wirklich eine Wissenschaft für sich ist. Die Art der Schrift definiert die Buchstabengröße und den Winkel, in dem das Schreibutensil gehalten werden muss. Dann gibt es alle möglichen Regeln, wie man die Buchstaben verbindet und natürlich eine riesige Auswahl an unterschiedlichsten Schreibgeräten, von Füllern über Federn, bis zu Kalligrafiestiften mit unterschiedlichen Spitzenstärken. Besonders toll fand ich den sogenannten Parallelfüller, dessen Feder vorne nicht spitz zuläuft, sondern breit ist, und den es in unterschiedlichen Federstärken gibt. Auf jeden Fall hat der Kurs viel Spaß gemacht und jetzt heißt es natürlich, Übung macht den Meister.
Natürlich habe ich meine Sommerferien auch dazu genutzt, diverse Projekte zu vollenden, für die sonst nie Zeit ist, und um Familie und Freunde zu besuchen. Und schwupp-die-wupp waren die neun Wochen um und der Ernst des Lebens geht nun wieder los.
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