Michael Normalen Amerikanern geht ja generell jedes Interesse an Fußball ab. Zu wenig Action auf dem Sportplatz, ewiges Klein-Klein im Mittelfeld, und vielleicht mal ein mickriges Tor in 90 Minuten, das ist einfach nicht der Bringer. Während der WM in Russland haben wir als Exildeutsche natürlich eine ganze Reihe von Spielen angeguckt, aber ich muss echt sagen, dass ich das Gebolze selbst und das Tamtam um die Ballkicker drumherum mittlerweile teilweise ausgesprochen affig finde.
Gut, die deutsche Gurkentruppe ist verdient gleich in der Vorrunde rausgeflogen, und damit war irgendwie schon die Luft raus, denn wenn man keine Mannschaft mehr zum Anfeuern hat, reduziert sich der Fernsehgenuss aufs eigentliche Spiel, und das hat sich über die Jahre irgendwie festgefahren. Lustigerweise stellt sich aber niemand in Frage, wie doof es eigentlich ist, 22 eingebildeten Lackaffen, die unheimlichen Wert auf Frisur und Tätowierungen legen, beim Bolzen zuzuschauen. Und was bitte interessiert mich, als Erwachsenen mit Interesse am Weltgeschehen, ein trübes kleines Licht wie Özil, dessen fußballerisches Scheitern ernsthaft die Tagesschau beschäftigte?
Und dann diese Bescheißerei während des Spiels die ganze Zeit! Dieses grundlose Hingefalle, das Verletzungsimulieren, das Schiedsrichterangeflenne, die theatralischen Gesten bei jedem Pfiff. Einfach erbärmlich und ehrlos, was da auf dem Platz abgeht. Beim Freistoß stehen die Spieler in der Mauer mittlerweile so dichtgedrängt wie beim Slowfox und umklammern die Gegner wie Koalabären. Ist das für heterosexuelle Männer nicht eher befremdlich?
Bei jedem Seitenaus gehen die Arme von zwei Spielern hoch, obwohl klar ist, wer den Ball rausgehauen hat. Wie moralisch degeneriert ist jemand, der so etwas normal findet, und was für eine Sorte Mensch lässt sich in den Strafraum fallen, um einen Elfer zu bekommen, damit das Spiel zu gewinnen, und sich dann vor Freude zu kugeln? Wahrscheinlich eine ähnliche Art Mensch, der bei Dieselabgasen bescheißt und sich anschließend über Gewinne der herumkrebsenden deutschen Autoindustrie freut. Meine Sache ist das nicht.