23.09.2018   Deutsch English

  Rundbrief Nummer 126  
San Francisco, den 23.09.2018


Abbildung [1]: Das Speiseeis vom Hipsterladen ist zwar teuer schmeckt aber sehr gut.

Michael Wenn in San Francisco ein neuer Laden aufmacht, zum Beispiel einer, der Speiseeis verkauft, kann man ihn normalerweise während des ersten Betriebsjahres wegen Überfüllug nicht betreten. Von mir so genannte Internet-Lemminge schwärmen nämlich wie die Motten um solche Läden herum und selbst wenn die Warteschlange um den Straßenblock rumgeht, stellt sich der Millennial-Depp erst recht noch hintenan. Was ist schon eine vergeudete Stunde in einer so sinnlosen Existenz wie der eines Hipsters in San Francisco!

Abbildung [2]: Noch vor einem Jahr standen die Lemminge vor diesem Laden stundenlang an.

Dem Laden "Smitten Ice Cream" auf der Valencia-Street bei uns um die Ecke erging es ähnlich. Erst war das Eisgeschäft Teil einer mobilen Foodtruckkarawane, zog dann in einen Laden auf der Hipstermeile ein, worauf man dort keinen Fuß mehr auf die Erde bekam, aber jetzt im circa zweiten Betriebsjahr ist die Hipsterkarawane zu neueren Schleckerläden weitergezogen und man kann einfach zu Smitten reingehen, ein Eis verlangen, sogleich bezahlen und nach 5 Minuten schlecken. Die Eisverkäufer dort machen das Eis nämlich ganz frisch, wenn man es bestellt, mit Hilfe gefährlich zischender Maschinen, die, glaube ich, flüssigen Stickstoff oder ähnliches Teufelszeug einsetzen, um ein paar Speiseeiskugeln zu produzieren. Die Waffeln schmecken ebenfalls sehr gut, und deswegen holen wir uns ab und an eine Portion.

Abbildung [3]: Jede Eisportion bereiten die Angestellten frisch zu, wenn der Kunde sie bestellt. Foto: Martin Hapl

Den einzig schalen Nachgeschmack hinterlässt allerdings der Preis, denn eine Portion (Waffel und ordentliche Kugel) kostet $7. Vielleicht werde ich demnächst wirklich alt, aber zu meiner Jugendzeit kostete eine Portion Waffeleis erst 10 Pfennig, dann 20 und heute vielleicht einen Euro oder zwei. In San Francisco kostet aber alles mittlerweile Fantasiepreise. Offiziell steht die Inflationsrate zwar bei nur wenigen Prozent im Jahr, aber wer hier lebt kann ein Lied davon singen, dass sich die Preise für Alltagsgüter innerhalb der letzten 10 Jahre bestimmt verdoppelt, wenn nicht verdreifacht haben. Die Gehälter der Gutverdiener sind ebenfalls entsprechend gestiegen, also beklagt sich keiner.

Mir tun nur die Touristen leid, die aus Deutschland mit angesparten Euros anreisen und sich verwundert die Augen reiben, wenn sie feststellen, was wir für verrückte Preise für Dinge zahlen, die man in Europa in ähnlicher Qualität zu einem Bruchteil erstehen könnte. Nun, der Markt wird's, wie immer, richten, irgendwann normalisiert sich jeder Überschwang, und vielleicht zieht dann die Hipsterkarawane einfach woanders hin und San Francisco wird wieder zu dem verschlafenen Hippienest, das es einmal war. Historisch belegt ist allerdings, dass solche Transformationen Jahrzehnte dauern können, kurzzeitig spekulieren würde ich darauf nicht.

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