16.08.2015   Deutsch English

  Rundbrief Nummer 112  
San Francisco, den 16.08.2015


Abbildung [1]: Eine Rohrzange der Marke Ridgid, made in USA.

Michael Welcher Hobbyheimwerker erfreut sich nicht an seiner Werkzeugsammlung! Ich habe mir schon von Jugendjahren an immer das teuerste Werkzeug gekauft und liebevoll gepflegt. So stecken in meiner Werkzeugtasche zum Beispiel immer noch zwei circa 30 Jahre alte Zangen von der Firma Bernstein, die ich damals in zartem Alter in München bei Bürklin in der Schillerstraße zu einem exorbitanten Preis erworben habe. Oder die Schraubenzieher der deutschen Firma Wiha, gekauft letztes Jahr bei einem Deutschlandbesuch zu einem Fantasiepreis: die liegen so gut in der Hand, dass das Reparieren gleich doppelt Spaß macht.

Genau wie in Deutschland findet man aber in den Regalen eines typischen amerikanischen Baumarkts praktisch nur noch Werkzeug aus China. Das ist im Prinzip nichts Schlechtes, denn auch in diesem Segment findet der Heimwerker teilweise ausgezeichnet verarbeitete Stücke, falls er nicht gerade in der Grabbelkiste sucht. Kleinere Werkzeugläden, zum Beispiel die Firma "Ace Hardware" bieten allerdings auch mehr traditionell in den USA gefertigte Werkzeuge an. Die strahlen eine besondere Anziehungskraft auf mich aus mit ihrem ausladend, klobig und überkonstruierten Design. Viele national angehauchte Kunden kaufen grundsätzlich nur Werkzeug "Made in USA" und auch auf Amazon.com liest man in den Kundenempfehlungen immer wieder erboste Kommentare, in denen sich Leute darüber beschweren, dass ein traditionell in den USA hergestelltes Teil nun in China gefertigt wird und die Qualität massiv abgesackt ist.

Abbildung [2]: Ein Lochzange der Firma Osborne, made in USA.

Mir gefällt dieses hausbackene Design traditionell in den USA gefertigter Werkzeuge, das sich scheinbar seit den 50er-Jahren nicht weiterentwickelt hat. Dass die alteingesessenen Firmen immer noch Materialien wie Gusseisen verwenden, schränkt den Einsatzbereich mancher Werkzeuge zwar ein, aber ich erfreue mich einfach an ihrem Aussehen und daran, wie sie in der Hand liegen. Die mächtige Rohrzange der Marke "Ridgid" (Abbildung 1) habe ich mir allerdings in der Aluminium-Ausgabe gekauft für schlappe 50 Dollar, aber das Teil fühlt sich an als könnte es einem Atomschlag standhalten. Das Design der Lochzange der Firma Osborne (Abbildung 2) könnte noch aus der Zeit des Wilden Westens stammen, und kein Schuster oder Lederverarbeiter würde sich mit etwas weniger Solidem zufrieden geben.

Abbildung [3]: Ein Zimmermannshammer der Firma Craftsman.

Amerikanische Hämmer sind übrigens lustigerweise immer sogenannte Zimmermannshämmer mit einer Vorrichtung zum Nägelherausziehen am hinteren Ende, obwohl ich damit glaube ich noch nie auch nur einen einzigen Nagel entfernt habe. "Craftsman" ist übrigens die Hausmarke des Kaufhauses "Sears", was der größte Saftladen Amerikas ist, in dem ich nur in allerhöchster Not einkaufen würde, zum Beispiel wenn alle anderen Länden von einer Zombiehorde überrannt worden wären und ich dringend einen Hammer bräuchte.

Ich habe schon Sachen bei Sears Online bestellt, wurde per Email zum nächsten Laden dirigiert, um ein Teil abzuholen, um dann festzustellen, dass es gar nicht da war. Der Laden ist so bodenlos schlecht, dass es mich nicht wundern würde, wenn er demnächst pleite geht. Aber der Hammer in Abbildung 3 mit seinem 50er-Jahre-Nussbaum-Stiel ist einfach zu schön, und den habe ich wahrscheinlich eh bei "Ace Hardware" gekauft, einem Franchise-Laden mit vielen vielen lokalen Niederlassungen auch in den abgelegensten Dörfern, in dem noch aufrechte Verkäufer arbeiten, die tatsächlich noch Bescheid wissen. Die verkaufen sogar noch einzelne Schrauben für 10 Cent! Ich sage, unterstützt diese Läden, wenn's eines Tages nur noch "Home Depot" und "Lowes" gibt, werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, also drückt auch mal ein Auge zu, zahlt ein paar Dollar mehr für ein größeres Trumm, ihr spart eh das Benzin zum nächsten Vorort-Baumarkt.

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