02.06.2002 Deutsch English

Endlich Japan

Koya-san/Japan
Koya-san/Japan

(Michael) Endlich haben wir's geschafft: Nach intensiven Vorbereitungen haben wir uns ins Flugzeug nach Japan gesetzt, um dort zwei Wochen allein herumzustreunen, Abenteuer zu erleben und die Japaner das Fürchten zu lehren.

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Spielhölle Flugzeug

Videospiele im Flugzeugsitz
Videospiele im Flugzeugsitz

(Michael) Wir flogen natürlich mit Japan Airlines, JAL. Es kursieren ja Horrorgeschichten über die geringen Sitzabstände in deren Flugzeugen, denn Japaner sind im allgemeinen etwas kleiner gebaut als Westler und benötigen deswegen weniger Beinfreiheit. Doch jede Rückenlehne verfügt über einen kleinen Bildschirm, auf dem man -- auch in der Economy-Class -- nicht nur 10 verschiedene Filme ansehen, sondern auch gegen einen Computer Tetris, Schach, Vier-Gewinnt und mehr spielen kann. Japaner haben in der Entertainment-Industrie ja die Nase vorn. Das zeigte sich dann auch bei Start und Landung, als auf dem Hauptschirm das Bild einer Kamera gezeigt wurde, die aus dem Cockpit auf die Landebahn zeigte und genau in Farbe darstellte, was das Flugzeug gerade so trieb.

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Tokio

Downtown Tokio: Werbung
Downtown Tokio: Werbung

(Michael) Gibt es einen Airport, der noch idiotischer liegt als der Münchner Franz-Josef-Strauss-Flughafen? Ja! Der Tokioter Narita-Airport liegt so weit vom Stadtzentrum weg, dass die Busfahrt dorthin 30 Euro pro Nase kostet. Da wir ein Geheimtipp-Hotel gebucht hatten, war unser Plan, bis zu einer großen zentralen Bushaltestelle zu fahren, um von dort mit unseren neu erworbenen Japanisch-Kenntnissen ein Taxi zum Hotel zu dirigieren. An der "Tokio Station" mitten in Tokio taten wir genau das. Angekommen, luden wir unser Gepäck ins erste dastehende Taxi ein, und ich sagte dem Fahrer: "Yama No Ue to ui hoteru made onegaishimasu.". Und, Wunder oh Wunder, der Mann nickte und sagte: "Ah, Yama No Ue no Hoteru. Hai!" Ich war fassungslos. Ohne Umschweife flitzte er (nach amerikanischen Maßstäben: halsbrecherisch) durch die Straßen von Tokio, vorbei an den unzähligen Neonreklamen des Einkaufsviertels Ginza, das wir später noch ausgiebig bewandern sollten.

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Gastronomie

Irgendwo schmurgelt immer was Feines
Irgendwo schmurgelt immer was Feines

(Michael) Aber zurück zum Ausgangspunkt unserer Reise: In Tokio kann man vor allem zwei Dinge: einkaufen und essen. Wir waren eine Woche lang dreimal am Tag essen, ohne dieselbe Kneipe zweimal aufzusuchen. Dabei ist Essen gehen als Tourist gar nicht so einfach, denn die Speisekarten sind meist nur auf japanisch ausgehängt. Und selbst wenn man wie wir recht fließend Hiragana und Katakana lesen kann und viele japanische Gerichte beim japanischen Namen kennt, hilft das meist nichts, denn die Karten sparen nicht mit Kanjii-Zeichen, von denen man etwa 3000 können muss, um einigermaßen Zeitung lesen zu können. Wir können etwa 80 Kanjii -- und das reicht bei weitem nicht, um auch nur die Speisekarte einer Sushi-Spelunke zu verstehen.

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Fischmarkt Tokio

Verrückter Karrenfahrer
Verrückter Karrenfahrer

(Michael) In einem Lagerhallenviertel nahe der S-Bahn-Station Shimbashi läuft jeden Tag der Tokioter Fischmarkt ab, der größte Japans. Etwa 60.000 professionelle Einkäufer suchen dort ab vier Uhr früh Frischware für ihre Restaurants und Läden. Touristen sind dort eigentlich nicht zugelassen, aber im Reiseführer stand, dass man nicht direkt rausgeworfen wird, wenn man nicht gerade dumm im Weg rumsteht und die Leute beim Handeln beeinträchtigt. Ausgeschildert war natürlich wie immer nichts, und wir irrten eine Weile im Viertel herum, bis wir schließlich durch den Gemüsemarkt mit wild umherflitzenden Autokarren in die Fischhallen vordrangen.

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Masken

Masken im Straßenverkehr
Masken im Straßenverkehr

(Michael) In den Großstädten trifft man immer wieder Leute, die einen weißen Mundschutz tragen. Zuerst dachte ich: Aha, ein Tuberkulosefall. Umgehen wir mal großräumig. Aber nach dem zehnten revidierte ich meine Meinung und schloss, dass die Krankenhausmasken wegen der Luftverschmutzung getragen werden. Tokio ist zwar nicht übermäßig stickig, aber ein bisschen Smog gibt's schon. Das Plakat in Abbildung 2 wirbt sogar dafür, dass Kinder Masken tragen sollten 1 .

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Getränke

Getränkeautomat bei Nacht
Getränkeautomat bei Nacht

(Michael) In Japans Städten stehen an fast jeder Straßenecke diese Automaten mit Getränken aller Art: Von Softdrinks wie Coca Cola über Dosen mit kaltem Kaffee und sogar Bier und Whiskey gibt's dort alles was man will, 24 Stunden am Tag. Ihr habt richtig gelesen: Sogar Bier gibt's am Automaten und auch Whiskey haben wir gesehen. Und die Automaten schlucken bis zu 500 Yen-Münzen (etwa 4,30 Euro) und auch 1000-Yen-Scheine (etwa 9 Euro) und geben den Differenzbetrag zuverlässig zurück. Ein kleines Fässchen Bier von Asahi und das Flascherl Whiskey für etwa 20 Euro waren die teuersten Produkte, die ich gesehen habe, sonst kostet eine Dose etwa 140 Yen (1,20 Euro).

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Bier

Bier in Literdosen
Bier in Literdosen

(Michael) Japanische Markenbiere sind übrigens -- wie mir bereits aus San Francisco bekannt war, wo japanische Restaurants und Supermärkte Sapporo, Kirin und Asahi führen -- den deutschen fast ebenbürtig. Und glaubt mir, vor meinem Biergeschmack zittern alle großen Brauereien der Welt.

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Papiertaschentücher

Eine Tempotaschentücherverteilerin bringt eine Packung an
Eine Tempotaschentücherverteilerin bringt eine Packung an

(Michael) In japanischen Toiletten liegt nicht immer Papier zum Fingerabtrocknen bereit, deswegen muss man immer Tempotaschentücher dabei haben. Statt Prospekten und Flugblättern verteilen Prospektverteiler auf der Straße deswegen auch öfter Tempotaschentücherpackungen, auf denen (auch manchmal zweifelhafte) Dienste angeboten werden.

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Shuwattchi!

Huch! Was macht der Mann?
Huch! Was macht der Mann?

(Michael) Eines Tages fiel mir ein Plakat auf, das im Fenster eines nach Gewerkschaftszentrum aussehenden Hauses hing. Ein Japaner hob darauf die Hand zum, wie es schien, Hitlergruß! Huch, dachte ich, die japanische Nazipartei, darüber muss ich unbedingt berichten, und schoss schnell ein Foto (Abbildung 1). Wieder daheim, fragte ich in der Arbeit meine japanische Kollegin, was es damit auf sich hätte.

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Mode

Jeder ist gut angezogen
Jeder ist gut angezogen

(Michael) Innerhalb von fünfeinhalb Jahren USA habe ich mich daran gewöhnt, so eine Art schlampigen California-Hacker-Look zu tragen: Kurze Surfer-Hosen bis kurz über's Knie mit geräumigen Seitentaschen (meist von Billabong, DKNY oder Quicksilver), tausendmal gewaschene T-Shirts (auch Surfer-Marken, aber auch Nike, Addidas und einige aus dem Costco-Supermarkt auf Mauii/Hawaii) und seit Jahren nicht geputzte, nur halb zugeschnürte Turnschuhe (Mizuno Wave Rider) sind das meistens -- meine Vorstellung eines Crossovers zwischen Beach Boys und Public Enemy.

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Sicherheit

(Michael) Verbrecher gibt's glaube ich nicht in Japan. (Allerdings habe ich gehört, dass es eine Art japanischer Mafia, genannt "Jakuza" gibt, die das "r" rollen und Ganzkörpertätowierungen haben, sodass sie in öffentlichen Bädern nicht zugelassen sind). Man kann bedenkenlos hunderttausende von Yen in bar mit sich herumschleppen (muss man auch, weil kaum einer Kreditkarten nimmt, sogar manche Hotels nicht) und zu jeder Tages- und Nachzeit damit herummarschieren. Auch fällt auf, wie sauber die Städte sind. Kein Graffiti, kein Müll. Obdachlose sieht man nur ganz versteckt in Parks, da muss man aber schon ganz genau hinsehen. Keiner haut einen um Geld an. Keiner läuft oder hängt provozierend rum. Keiner hupt wild, schreit oder gibt beleidigende Handzeichen. Da ist in San Francisco deutlich mehr geboten, das sage ich euch!

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Technikverliebtheit

Abschließbarer Schirmständer
Abschließbarer Schirmständer

(Michael) Die Verliebtheit der Japaner in technischen Firlefanz zeigt sich auch in liebevollen Details für den Alltag: Wenn man den Hotelkleiderschrank aufmacht, springt drinnen wie im Kühlschrank das Licht an. Oder der Badezimmerspiegel ist von innen beheizt, damit man sich auch dann noch bewundern kann, wenn man wieder mal so deftig in der Dusche eingeheizt hat, dass alles dampft. Kaufhäuser wie Takashimaya bieten Schließfächer für Einkäufe an -- und zwar gekühlte, so dass man auch soeben eingekaufte schnell verderbliche Lebensmittel dort einlagern kann.

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Shinkansen

Der schnittige Shinkansen "Hikari"
Der schnittige Shinkansen "Hikari"

(Michael) Mit Japans "Shinkansen"-Zug (gesprochen: "Schinkan Senn" mit säuselndem S.), dem Pendant zum deutschen ICE, brausten wir von Tokio nach Hiroshima, nach Kyoto und schließlich, mit Bummelzügen, zu einem buddhistischen heiligen Berg nach Koya-san. Wenn man als Ausländer etwa 250 Euro pro Woche latzt, kriegt man einen sogenannten JR Railpass und darf damit bis auf den superschnellen "Nozomi" alle Züge der japanischen Eisenbahn JR benutzen und mit ihnen kreuz und quer durchs Land brausen. Die Züge fahren auf die Minute pünktlich, sind super-sauber und halten nur in Großstädten -- eine beinahe futuristische Welt, wenn man aus Amerika kommt.

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Englisch

Wohin?
Wohin?

(Michael) Im Japanischen gibt es eine lustige sprachliche Eigenheit: Man antwortet auf eine verneinte Frage mit "Ja!", falls man sie verneint. Beispiel: Auf "Dieser Zug fährt nicht nach Shibuya, oder?" würde ein Japaner mit "Ja" antworten, falls der Zug tatsächlich nicht nach Shibuya fährt, während man im Deutschen oder Englischen zur Verdeutlichung "Nein" sagen würde. Dies führt zu allerlei lustigen Missverständnissen zwischen den Kulturen. Als wir zum Beispiel anfangs Probleme hatten, einen Geldautomaten zu finden, der unsere amerikanische Automatenkarte akzeptierte, sprachen wir mal mit einer Bankangestellten, die uns in gebrochenem Englisch auf die Frage "Wir können diese Karte also nicht an ihrem Geldautomat verwenden?" ein paarmal hintereinander "Yes! No!" antwortete und ich 10 Minuten später auf der Straße immer noch lachte.

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Gschaftigkeit

Bauarbeiter wild am Gschaftln
Bauarbeiter wild am Gschaftln

(Michael) Eine nervige Angelegenheit in Japan ist die von mir so genannte Gschaftigkeit. Im Bayrischen gibt es ja den Ausdruck des "Gschaftlers" -- einer, der so tut, als wäre er ungemein beschäftigt (gschaftig) mit irgendwas, der aber im Endeffekt nur heiße Luft produziert. Das ist im japanischen Berufsleben anscheinend ein Dauerzustand. Die Verkäufer gschafteln wild, rennen (wirklich!) von einem Ort zum anderen und verwirren den aufgeschreckten Touristen mit wilden Wortschwällen, die japanische Kunden übrigens kommentarlos an sich apprallen lassen. Auch wenn man einige Fetzen Japanisch kann, wie wir durch unseren Kurs, verwirrt das Stakkato der Verkäufer und Bedienungen jedoch so, dass man kaum etwas versteht und auch stressbedingt kaum irgendwas rausbringt. Auch strenges Hierarchiedenken herrscht vor: Da kann es schon mal sein, dass ein Angestellter wild in der U-Bahn rumgschaftelt, damit sein Boss, mit dem er zum Mittagessen fährt, einen Platz bekommt.

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Rabauken-Jugend

Kindergartenkinder
Kindergartenkinder

(Michael) In der japanischen Gesellschaft dreht sich alles um Gruppenzugehörigkeit -- meist eine Kollegengruppe in der Arbeit. Die Gruppe definiert die Regeln, das lernen Kinder schon früh, denn sie machen kaum etwas außer Kindergarten und Schule (morgens 8 bis abends 6), manchmal sogar am Wochenende. Das führt übrigens dazu, dass es in Japan für Ausländer fast unmöglich ist, Freundschaften mit Japanern zu beginnen, selbst permanent dort lebende und perfekt japanisch sprechende "Gaijins" ("Fremde") finden keinen Einlass in abgeschottete Gruppen.

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Schulumfragen

Temple-Mania: Großer Buddha
Temple-Mania: Großer Buddha

(Michael) Auf unseren Tempeltouren (Angelika befiel die von mir so betitelte "Temple-Mania") trafen wir Unmengen von Schülern auf Klassenfahrt, die anscheinend außer der Besichtigung noch eine Aufgabe aus dem Englischunterricht zu bewältigen hatten: Vierergruppen von etwa Siebtklässlern mussten einen der wenigen ausländischen Touristen anhauen (etwa fünf von hundert Besuchern) und sie auf Englisch ein paar Dinge fragen, die Antworten notieren und zum Beweis ein gemeinsames Foto schießen.

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Geisha

(Michael) Wenn ein reicher Geschäftsmann in Japan mal so richtig die Sau rauslassen will, mietet er sich für den Abend zwei oder drei Geishas für bis zu 3000 Dollars. Das sind professionell ausgebildete traditionelle Unterhalterinnen, die ihr Gesicht dick mit weißer Schminke bedecken, die Lippen grellrot anmalen, sich den Gastgebern während eines formellen Abendessens mit genau festgelegtem Ritual (Kaiseki Dinner) vorstellen, ihnen Komplimente machen, Zigaretten anstecken, Fächertänze aufführen und auf greislichen dreisaitigen verstimmten Instrumenten herumklimpern. Dafür würde ich nicht mal 3 Dollar zahlen, aber bitte, wer's mag. Nach aktuellen Schätzungen gibt's in Kyoto noch etwa 100 Geishas und in ganz Japan noch 1000. Als wir eines Abends ein Restaurant verließen, und Angelika vorausging, weil ich noch an der Kasse zahlen musste, teilte die Bedienung Angelika aufgeregt mit, dass draußen vor der Tür gerade Geishas! Geishas! vorbeigingen. Angelika missverstand aber die Bedienung und erwiderte, dass sie nur auf ihren Ehemann warte. Was haben wir gelacht! Bahn frei für Angelika!

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Originale und amerikanischer Abklatsch

Amerikanische Ketten halten Einzug
Amerikanische Ketten halten Einzug

(Angelika) Was dem Michael sein Bier, ist mir meine gute Tasse Kaffee. Ich stellte mich aber vor Antritt unserer Reise darauf ein, auf grünen Tee umzusteigen, obwohl ich dafür immer noch nicht vom Hocker falle. Denn es schien mir unwahrscheinlich, dass Japaner guten Kaffee kochen. Aber auf was stießen wir in Tokio, Hiroshima und Kyoto? Kleine Cafes im europäischen Stil, die nicht nur vorzüglichen Kaffee sondern auch leckeren Kuchen einschließlich Sahnetorten anboten. Die Cafes waren immer rappelvoll. Der Japaner liebt seinen Kaffee. Leider gibt es auch an jeder Ecke einen "Starbucks", die amerikanische Kaffeehauskette, die wie McDonalds sich in jedem Land dieser Welt einnistet (mit Schrecken las ich in der New York Times, dass es "Starbucks" jetzt auch in Österreich und Deutschland gibt - ein Elend). Soviele "Starbucks" wie in Tokio findet man, so glaube ich, in keiner amerikanischen Stadt.

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Konsumrausch

100g feinstes Kobe-Rindfleisch kosten 1800 Yen
100g feinstes Kobe-Rindfleisch kosten 1800 Yen

(Angelika) Durch die Essensabteilungen der großen Kaufhäuser in Tokio zu schlendern, ist ein Hochgenuss für die Sinne. Dort finden sich neben Leckereien aus der ganzen Welt auch japanische Delikatessen wie das sündhaftteure Kobe-Rindfleisch. Es stammt nur von speziell aufgezogenen Kühen, die täglich massiert und teilweise sogar mit Bier gefüttert werden und kostet beim Metzger bis zu 160 Euro pro Kilo. Leider trat gerade der vierte BSE-Fall in Japan auf und auch die Japaner halten sich zur Zeit mit dem Rindfleischkauf zurück.

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Japanische Toiletten

Traditionelles japanisches Klo
Traditionelles japanisches Klo

(Angelika) Bezüglich Toiletten hat Japan einiges zu bieten. Da gibt es zunächst die traditionellen, die man in der Regel in öffentlichen Toiletten anfindet: Eine in den Boden gelassene Kloschlüssel, die aussieht wie ein übergroßer Hausschuhschlappen. Stehend hockt man sich darüber. Aber keine Angst: Niemand schaut einem bei diesem Balanceakt zu. Es gibt Türen vor den Klos.

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Fahrräder in Tokio

Radfahrer im Anzug
Radfahrer im Anzug

(Angelika) In der Megametropole Tokio überraschten uns die vielen Fahrradfahrer. Aber natürlich sind Parkplätze extrem rar und der Verkehr in der Stoßzeit zähfließend, so dass es naheliegt, nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, sondern auch Drahtesel zu nutzen. Wir sahen Herren in Anzügen und Frauen mit schicken Schuhen in die Pedale treten. Niemand trug einen Helm. Einige Mutige fuhren sogar auf der Straße im dicksten Verkehr. Oft ist es erlaubt, auf dem Fußweg zu fahren. Manchmal ist dort sogar ein Streifen als Radweg abgetrennt. Die Radler brausen aber auch dann ziemlich schnell, wenn es keinen extra ausgewiesenen Fahrradweg gibt. Wie bei einem Slalom manövrieren sie ihr Fahrrad durch die Massen.

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Bahnhof in Tokio

S-Bahn-Station Shinjuku in Tokio
S-Bahn-Station Shinjuku in Tokio

(Angelika) Bevor wir uns nach Tokio aufmachten, lasen wir Horrorgeschichten über die Menschenmassen, vor allen Dingen in den U- und S-Bahnhöfen und den dazugehörigen Zügen. Klar, bei 12 Millionen Einwohnern bewegten wir uns in der Regel in einem Pulk von Menschen.

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Uniformen

Schulmode: Winterstrümpfe runterrollen -- cool!
Schulmode: Winterstrümpfe runterrollen -- cool!

(Angelika) Uniformen zu tragen ist in Japan eine echt große Sache. Heerscharen von Schulkindern springen in Schuluniformen herum. Die Jungs tragen in der Regel dunkle Hosen mit weißem Hemd und eine Anzugjacke, die Michaels Hochzeitsanzug gleicht (Jacke mit Stehkragen, die man ohne Krawatte tragen kann). Teilweise sahen wir aber auch Schüler mit Krawatte.

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Taxis

Japanische Taxifahrer, weiße Sitzbezüge, weiße Handschuhe
Japanische Taxifahrer, weiße Sitzbezüge, weiße Handschuhe

(Angelika) Taxifahren in Japan ist ein besonderes Erlebnis. Zunächst gibt es in Japan keine ausländischen Taxifahrer. Wenn man wie wir an amerikanische Verhältnisse gewöhnt ist, staunt man darüber nicht schlecht, denn in San Francisco trifft man so gut wie nie auf einen amerikanischen Taxifahrer. Auch weibliche Taxifahrer sichteten wir in Japan nicht. Die Taxifahrer tragen in der Regel Anzug mit Krawatte und eine Mütze, die der eines Schaffners aus meinem alten Bilderbuch gleicht. Der absolute Hit sind aber die weißen Handschuhe, die viele tragen. Jedes Taxi, mit dem wir fuhren, war blitzsauber und die Sitze schmückten weiße Spitzenüberzüge. Taxifahrer sprechen überhaupt kein Englisch und ich war froh, dass wir von unserer Japanischlehrerin gelernt hatten, wie man sagt, wo man hinwill. Das Problem ist nur, dass es nicht ausreicht, dem Taxifahrer eine Adresse (möglichst in Schriftzeichen aufgeschrieben) zu zeigen. Er braucht in der Regel eine ganz genaue Wegbeschreibung. Das liegt an dem chaotischen System, in dem in Japan Adressen aufgeschrieben werden: Es geht hierachisch nach Gebieten (zunächst der Landkreis, dann die Stadt, gefolgt vom Stadtviertel, einzelnen Straßenzügen und Gebäuden) und nicht nach Straßennamen. Hausnummern steigen nicht notwendigerweise auf- oder ab, es kann durchaus sein, dass das Gebäude Nummer 20 neben Gebäude Nummer 1 liegt.

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Verbeugen

(Angelika) Als Westler zu versuchen, in die höheren Weihen des Verbeugens vorzudringen, ist hoffnungslos. Denn der Status des Gegenübers gibt die Tiefe der Verbeugung und die Reihenfolge vor. Kein Japaner erwartet, dass der Tourist weiß, wie man sich verbeugt. Allerdings wirkt die Verbeugerei ansteckend. Ich fing jedenfalls immer ganz automatisch an, meinen Kopf zu senken und eine Art von Wippbewegung durchzuführen, was bei Michael regelmäßig Lachanfälle auslöste. Verbeugungen sind eher an formale Situationen gekoppelt, d.h. Freunde verbeugen sich z.B. nicht voreinander.

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Schuhe aus und Schuhe an

Oberstes Gebot: Schuhe ausziehen!
Oberstes Gebot: Schuhe ausziehen!

(Angelika) So wie es mir immer kalt den Rücken herunter läuft, wenn sich ein Amerikaner die Nägel in der U-Bahn schneidet, so ergreift den Japaner das Schaudern, wenn ein Tourist nicht im richtigen Moment seine Schuhe auszieht. In japanischen Wohnungen, in japanischen Restaurants, in Unterkünften im japanischen Stil (traditionelle Gasthäuser genannt Ryokan oder Minshuku), in Tempeln heißt es runter mit den Tretern. Berühren jegliche Art von Schuhen (auch Hausschuhe) die Tatami-Matten (Tatami-Matten = Matten aus Reisstroh, die wie ein Teppich den Fußboden bedecken), erbleicht der Japaner vor Schreck. Nun hört sich das ja zunächst wenig kompliziert an: Schuhe ausziehen -- kein Problem. Aber ich sage euch, dass ist eine Wissenschaft für sich, denn bevor man das Zimmer mit den Tatami-Matten erreicht, wechselt man am Eingang des betreffenden Etablissements in bereit gestellte Hausschuhe.

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Hiroshima

Die Uhr, die um 8:15 stehenblieb, als die Bombe fiel.
Die Uhr, die um 8:15 stehenblieb, als die Bombe fiel.

(Angelika) Wohl jeder auf der Welt weiß, was sich hinter der japanischen Stadt "Hiroshima" verbirgt. Dort warfen die Amerikaner im zweiten Weltkrieg die erste Atombombe ab und töteten damit auf einen Schlag hunderttausende von Menschen.

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Ryokan

Ryokan
Ryokan

(Angelika) In Kyoto mieteten wir uns in ein Ryokan ein - ein traditionelles japanisches Gasthaus. Gasthaus hört sich ja nun etwas zünftig an. Bei einem Ryokan handelt es sich aber mehr um die gehobene Variante. Man taucht dabei in das alte Japan ein.

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Japanisches Bad

Yukata
Yukata

(Angelika) Die Benutzung eines japanischen Bades birgt die Gefahr für den westlichen Touristen, von einem Fettnäpfchen in das nächste zu treten. Es gilt nämlich, einige wichtige Regeln zu befolgen. Japaner baden, um sich zu entspannen und nicht um sich zu säubern. Beliebteste Badezeit ist vor dem Abendessen. In japanischen Unterkünften findet der Reisende entweder Gemeinschaftsbäder (in der Regel nach Geschlechtern getrennt) oder private Bäder, beide in japanischem Stil. Damit der Platz im Gemeinschaftsbad für mehrere Personen reicht, sind die Dimensionen des badewannenähnlichen Gebildes, in das die Gäste steigen, etwas größer. Das Badewasser wird einmal am Tag frisch eingelassen und immer wieder benutzt. Der erste Fauxpas wäre also, den Stöpsel herauszuziehen, wenn man die "Badewanne" verlässt. Da viele Personen in das gleiche Badewasser steigen, das übrigens keinerlei Zusätze (weder Chlor noch Badeschaum) enthält, wäscht man sich vor dem Bad.

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Für AOL im Tempel

Amulett "For Against Disaster"
Amulett "For Against Disaster"

(Michael) Die Shinto-Religion in Japan arbeitet viel mit Ritualen und Amuletten: Wenn man eine 5-Yen-Münze in einen vorgegebenen Kasten im Tempel wirft und in die Hände klatscht, bringt das Glück in einem erbetenen Bereich. Auch glückbringende bzw. katastrophenabweisende Anhänger kann man kaufen: Abbildung 1 zeigt einen, den man an den Autorückspiegel hängt und der dann in lustigem Englisch "For Against Desaster" wirkt. Auch für zu bestehende Prüfungen oder Kindersegen gibt's natürlich Amulette.

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Koya-san

Bergbahn
Bergbahn

(Michael) Zum Abschluss der Reise fuhren wir mit dem Shinkansen und mehreren Vorortzügen nach Koya-san ins Kloster. Das ist ein sehr beliebtes spirituelles Ausflugsziel für Japaner und kaum bei ausländischen Touristen bekannt. Man fährt etwa 200 Kilometer südlich von Kyoto etwa einen Tag lang mit Bummelzügen in die totale Pampa, um dann mit einer Bergbahn die letzten fünf Minuten steil auf den heiligen Berg hinauf zu fahren.

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Friedhof in Koya-san

Der Friedhofsgärtner kehrt
Der Friedhofsgärtner kehrt

(Angelika) Jeder Gläubige der buddhistischen Richtung "Shingon" (und auch japanische Buddhisten anderer Richtungen) möchten auf dem Friedhof in Koya-san, dem Hauptsitz der Shingon-Richtung, beerdigt sein. Und wenn nur eine Haarlocke, Fingernägel oder Teile der Asche des Verstorbenen die letzte Ruhestätte auf diesem Friedhof finden.

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Letzte Änderung: 20-May-2025