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  Rundbrief Nummer 14  
San Francisco, den 01.04.99


Feuerwehrfrau Angelika

Letzte Woche habe ich dann gleich noch eine rahmenswerte Urkunde erhalten und zwar von der Feuerwehrbehörde in San Francisco. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, ob ich völlig übergeschnappt bin und mich zur Feuerwehrfrau habe ausbilden lassen. Weit gefehlt! Ein Erdbebentraining habe ich gemacht. Wie ihr ja wisst, ist San Franciscos einziger Nachteil, dass es hochgradig erdbebengefährdet ist. Da wir ja schon mehrere kleine erlebt haben und die mir schon Angst genug eingejagt haben, haben unser Freund Anthony und ich beschlossen, etwas dagegen zu tun und uns zu dem besagten Training angemeldet. Es ging über sechs Wochen und wurde von Feuerwehrmännern und -frauen geleitet. Wir haben gelernt: Was man macht, wenn die Erde anfängt zu wackeln, Erste Hilfe, den Katastrophenplan der Stadt San Francisco, wie man ein Gebäude durchsucht, wie man beurteilt, wie stark beschädigt das Gebäude ist, wie man das Gas und Wasser abstellt usw. Bei dem Training geht es zunächst einmal darum, sich selbst zu helfen, aber auch in der Nachbarschaft, da sicher ist, dass die Rettungsdienste völlig überlastet sein werden, wenn ein großes Erdbeben kommt. Das Training hat dann auch den schönen Namen "NERT" (Neighborhood Earthquake Response Team, was so viel heißt wie Erdbebennachbarschaftsteam), d.h. die Feuerwehrleute geben das Training in den verschiedenen Wohngegenden, damit sich feste Teams bilden können, die dann im Falle eines Erdbebens helfen. Man bekommt deshalb sogar eine kleine Ausrüstung, nämlich einen Bauarbeiterhelm (alle hatten natürlich auf einen echten amerikanischen Feuerwehrhelm gehofft) und ein orange Weste (Michael hat sich über mein Outfit köstlich amüsiert). Anmerkung von Michael: "NERD" heißt auf englisch übrigens "Idiot". Wollte ich nur mal so einstreuen!

Letzte Woche fand dann das sogenannte "Disaster Scenario" statt, sozusagen eine praktische Übung und auch hier war die Durchführung hollywoodmäßig aufgezogen. So mussten wir z.B. einen Raum mit Verletzten durchsuchen. Um alles möglichst echt zu machen, waren die Opfer (Freiwillige) professionell geschminkt und mit unechtem Blut ausgestattet. Das sah so echt aus, dass mir gleich ganz anders wurde. Die Opfer haben so realistisch gestöhnt und geschrien, dass eine Frau in meinem Team nur immer gemurmelt hat: "Ich ziehe weg aus dieser Stadt!" Dann war da noch eine Puppe (sie war eine Tote). Die sah so realistisch aus, dass mehrere (mich eingeschlossen) erst nach einiger Zeit gemerkt haben, dass es sich um eine Puppe handelt. Da fangen einem schon die Knie zu wackeln an, vor allen Dingen, wenn die Feuerwehrleute dann noch in Einzelheiten schildern, dass es schon nach relativ kurzer Zeit zu riechen anfängt, wenn man die Opfer nicht früh genug herausholt. Ein Alptraum!

Auf jeden Fall haben dann alle, die das Training absolviert haben, eine Urkunde und einen Händedruck vom Chef der Feuerwehr erhalten. Natürlich wurde auch betont, wie wichtig wir alle sind usw. Ich finde übrigens, dass der Amerikaner ein unnachahmliches Talent hat, zu motivieren und jedem das Gefühl zu geben, der Größte zu sein. Bei Kursen jeglicher Art ist wichtig, dass der Einzelne Spaß hat, da kann das Thema noch so ernst sein wie z.B. bei dem Erdbebentraining. Manchmal hat man das Gefühl, dass alles eine große Show ist. Auf der anderen Seite machen Kurse wirklich viel mehr Spaß und sind in der Regel nicht so trocken wie in Deutschland.

Abbildung [1]: Angelika, die Erdbebenhelferin
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Letzte Änderung: 10-Jun-2022