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  Rundbrief Nummer 97  
San Francisco, den 01.08.2012


Abbildung [1]: Feierte 75stes Jubiläum: die Golden Gate Bridge.

Angelika Im Mai diesen Jahres feierte ganz San Francisco den 75. Geburtstag der Golden Gate Bridge. Jeder kennt und bestaunt die weltberühmte Brücke, die auch noch nach 75 Jahren ihren Reiz nicht verloren hat und die Einfahrt zum Goldenen Tor ("Golden Gate") überbrückt, um San Francisco mit dem Landkreis Marin im Norden zu verbinden. Es gibt nichts Schöneres als an einem sonnigen Tag über die rötlich schimmmernde Brücke zu fahren und die Ausblicke auf San Francisco und die Boote in der Bucht zu genießen. Oder wenn der so typische San-Francisco-Nebel die Brücke magisch umhüllt und nur noch die Spitzen der oberen Brückenpfeiler zu sehen sind. Und noch im Baujahr 1933 hielt es kaum jemand für möglich, eine Brücke zu bauen, die derart starken Winden, Strömungen, Salzwasser, Nebel und Erdbeben ausgesetzt ist.

Der Geburtstag wurde dann auch gebührend gefeiert. Es gab Austellungen, Konzerte, Memorabilien und als Krönung ein riesiges Feuerwerk. Die Festveranstalter sperrten die Brücke dieses Mal aber nicht für den Autoverkehr, um Fußgänger die Brücke auf den sonst nur für Autos vorgesehenen Fahrbahnen überqueren zu lassen, denn beim 50. Geburtstag hatte das zu solch einem Ansturm von Menschenmassen geführt, dass sich die Brücke gefährlich in der Mitte durchgebogen hatte.

Heute ist die Golden Gate Bridge das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt, doch als sie gebaut wurde, gab es, wie in San Francisco üblich, Proteste. Der berühmte kalifornische Fotograf Ansel Adams rümpfte zunächst die Nase und fotografierte die San Francisco Bucht noch schnell einmal ohne die Brücke. Auch der Umweltverband "Sierra Club" sowie die Golden Gate Ferry Company protestierten gegen das Bauprojekt. Der Chicagoer Brückenbauer Joseph Strauss verwirklichte dennoch seinen Traum und baute die zur damaligen Zeit längste Hängebrücke der Welt in vier Jahren und für schlappe 35 Millionen Dollar. Allerdings hatte der Mann nicht viel mit Design am Hut und die Brücke wäre nach seinen Vorstellungen ein eher klobiger Stahlklotz geworden. Charles Ellis, der sich auf die Theorien des berühmten Hängebrückenbauers Leo Moisseff stützte, sei Dank, denn er setzte sich mit seinem Brückendesign durch, da er davon überzeugt war, dass auch eine in der Architektur filigranere Brücke den Wetterbedingngen standhalten würde. Leider verschämte ihn Strauss deswegen und Ellis kam erst zu spätem Ruhm, als einer der Väter der Golden Gate Bridge.

Abbildung [2]: Wie oft im Nebel: Die Golden Gate Bridge von Crissy Fields aus fotografiert mit einem Schild zum 75. Jubiläum.

Auch sollte die Brücke nach dem Willen der Marine schwarz-gelb gestreift gestrichen werden, aber Gott sei Dank setzte sich das eher rötlich schimmernde, sogenannte "International Orange" durch. Es käme in San Francisco wohl zu tumultartigen Aufständen, falls jemand die die Brücke in einer anderen Farbe anstreichen wollte. Die Brücke sorgt aber auch so ständig für Gesprächsstoff. So wurde vorgeschlagen, unter dem Brückengeländer Netze aufzuspannen, die verhindern sollen, dass Selbstmörder von der Brücke in den Tod springen. Denn so wie die Schönheit der Brücke Touristen magisch anzieht, fühlen sich leider auch vom Leben Gebeutelte in den Bann der Brücke gezogen. Sie führt die traurige Statistik als Ort mit den meisten Sebstmorden an. Etwa 1500 Menschen sollen schon von der Golden Gate Bridge gesprungen sein. Die Netze, die das Springen verhindern könnten, sind zwar mittlerweile beschlossene Sache, aber es fehlen 45 Millionen Dollar, um sie zu installieren. Zur Zeit stehen deshalb auf der Brücke Krisentelefone. Und falls sich jemand merkwürdig auf der Brücke verhält, eilen Krisenhelfer auf Fahrrädern herbei. Der empfehlenswerte Dokumentarfilm "The Bridge" von Eric Steel beleuchtet die schaurigen Vorgänge hinter den Kulissen.

Übrigens hält sich noch immer das Gerücht, dass Touristen die Brückenpfeiler im Zuge einer Tour hinaufklettern dürfen, um dann auf die Brücke hinunterzuschauen. Das ist nicht richtig, denn sonst hätten wir das nämlich schon längst gemacht! Drüber fahren wir allerdings häufig, der Brückenzoll beträgt mittlerweile übrigens 6 Dollar, und mit dem Maut-Transponder "Fastrak" (Rundbrief 04/2006) 5 Dollar. Es wird nur in einer Richtung kassiert, nämlich wenn man von Norden kommend in die Stadt hineinfährt. Fußgänger und Fahrradfahrer dürfen kostenlos drüber. Nachts ist die Brücke für Fußgänger geschlossen. Fahrradfahrer dürfen nur auf den seitlichen Fußwegen über die Brücke fahren (also nicht auf der Straße), dafür allerdings 24 Stunden am Tag. Die Webseite mit den Brückenregeln führt noch weitere Details auf, wie dass zum Beispiel keine Hunde, Skateboards, Roller Blades oder E-Bikes im Power-On-Modus auf den Gehwegen erlaubt sind.

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