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  Rundbrief Nummer 61  
San Francisco, den 29.05.2006


Abbildung [1]: Häuser bei Homer, Alaska

(Angelika) Als wir mit unseren Kajaks in den Gewässern der "Katchemak Bay" herumpaddelten, fiel uns auf, dass hier und da kleine, recht rustikale Hütten hinter den Bäumen auftauchten. Wir dachten natürlich sofort an Sommerhäuschen, lernten aber von unserer Kajakführerin Alison, dass einige davon ursprünglich im Zuge des so genannten "Homesteading" gebaut wurden.

Um den Westen Amerikas zu besiedeln, beschloss nämlich der amerikanische Kongress unter Präsident Abraham Lincoln im Jahre 1862, dass jeder Amerikaner, der mindestens 21 Jahre alt war, 160 "Acres" (etwa 64 Hektar) Land gegen eine Gebühr von 18 Dollar bestellen durfte. Ziel war es, den Boden nutzbar zu machen. Nach fünf Jahren konnte der Siedler das Land sein eigen nennen. Er musste nur nachweisen, dass er auf dem Land lebte, eine Hütte hingestellt hatte und das Land beackerte.

Abbildung [2]: Hund in Homer

Das Programm wurde 1976 endgültig eingestampft, nur Alaska erhielt eine Verlängerung bis 1986. Trotz dieser großzügigen Landvergabe sind nur 1% des Landes in Alaska in Privatbesitz. 60% gehören Vater Staat (z.B. die Nationalparks), 20% dem Bundestaat Alaska und der Rest wurde 1971 an die Ureinwohner zurück gegeben.

Uns fiel auf, dass die vereinzelten Häuslein am Rande der Landstraßen alle eines gemeinsam haben: Auf dem Grundstück ums Haus herum sieht's aus wie bei Hempels unterm Sofa. Verschrottete Autos, alte Kühlschränke und Waschmaschinen. Man gewinnt den Eindruck, als wäre es üblich, ein Ersatzteillager im Garten anzulegen, wenn man ein neues Gerät oder Gefährt erwirbt.

Abbildung [3]: Gerümpel rund ums Haus (in Homer)

Abbildung [4]: Gerümpel rund ums Haus (in Ninilchik)

Leider ist auch Alaska in den besiedelteren Gebieten nicht vom obligatorischen "McDonald's", "Safeway" und "Starbucks" verschont geblieben. Selbst dem ungebrochenen amerikanischen Willen, auch in die noch so atemberaubenste Landschaft ein hässliches Einkaufszentrum zu setzen, konnte es nichts entgegensetzen.

Auf der anderen Seite trifft man wie in wohl keinem anderen amerikanischen Bundesstaat Individualisten, die sich ihren Traum vom Leben in der letzten Wildnis verwirklichen wollen. Alaska hat ja deshalb auch den Beinamen "Last Frontier". Unsere Kajakführerin Alison stammte zum Beispiel aus New York City und lebt jetzt etwas abseits von Homer in einem Haus ohne fließend Wasser, das nur über einen halbstündigen Fußmarsch zu erreichen ist. Auf unserer Kajaktour fragten wir sie dann auch, was für sie Urlaub bedeute, da sie ja schon das beruflich macht, was andere als Abenteuer in ihren Ferien suchen. Sie antwortete, dass sie sich gerne in ein gutes Hotel in Anchorage einmietet, um ein Vollbad zu nehmen.

Abbildung [5]: Die Schlafzimmeraussicht von unserem Häuschen in Homer

Eine weitere interessante Geschichte hörten wir von der Vermieterin unseres Häuschens in Seward: Sie arbeitete vor vielen Jahren in einem Süßwarengeschäft in New York City und stieß dort auf eine Postkarte, die Alaska zeigte. Sie sagte, dass ihr von diesem Zeitpunkt an klar gewesen sei, dass sie einmal dort leben würde. Nach der Trennung von ihrem ersten Mann packte sie ihre Sachen und fuhr mit ihrem Hund im Gepäck die Straßen Alaskas ab. Die Umgebung um Seward gefiel ihr gleich und so beschloss sie, ihre private Altersvorsorge (den so genannten 401k (siehe Rundbrief 08/2003) schon vor der Rente anzugreifen, sich davon Land zu kaufen und Blockhütten, die sie nun an Touristen vermietet, darauf zu setzen. Der Mann, der ihr die Hütten baute, wurde dabei gleich auch noch ihre neue Liebe. Als sie damals mit Sack und Pack nach Alaska zog, war sie übrigens schon jenseits der 40! Nur in Amerika.

Abbildung [6]: Junger Bursch vertreibt sich die Zeit mit einem All Terrain Vehicle (ATV).

Allerdings können romantische Vorstellungen über die Wildnis Alaskas durchaus auch zur Katastrophe führen. So gibt es wohl immer wieder Leute, die vom Robinson-Crusoe-Syndrom befallen werden und meinen, dass ein Einsiedlerleben jenseits jeglicher Zivilisation in der Pampa einfach zu bewerkstelligen wäre.

Die meisten Einheimischen in Alaska halten diese Typen eher für verrückt und sind nicht gut auf sie zu sprechen. Wer zu diesem Thema ein sehr interessantes Buch lesen möchte, sollte sich "Into the Wild" von Jon Krakauer zu Gemüte führen. Der deutsche Titel des Buches ist "In die Wildnis. Allein nach Alaska". Krakauer erzählt die wahre Geschichte des Christopher McCandless, der 1992 allein in die Wildnis Alaskas wandert und dessen Leiche nach einigen Monaten von Jägern gefunden wurde.

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