15.02.2006 Deutsch English

San Francisco Ansichten: Bernal Heights

Abbildung [1]: Bernal Heights: Hippie-Haus

Michael In unserer Reihe "San Francisco Ansichten" ist heute die Althippiehochburg "Bernal Heights" dran. Es wird "Bernel Heiz" ausgesprochen. Der Name kommt von Don Jose Cornelio Bernal, einem Rancher, der 1839 das Gebiet des heutigen Bernal Heights zugesprochen bekam, um dort seine Kühe grasen zu lassen. Später, als die Stadt San Francisco zu wachsen begann, war Bernal Heights zunächst schwach besiedelt, bekam allerdings starken Zuwachs, als die auf stabilem Fels fundierende Gegend vom Erdbeben 1906 weitgehend verschont wurde.

Abbildung [2]: Bernal Heights: Altes Auto und Hippie-Häuser
Abbildung [3]: Bernal Heights: Ein neumodisches Haus mit Blick auf die Bay

In Bernal Heights wohnen Horden von steinreichen Althippies. Tagein tagaus mokieren sie sich darüber, dass der Nachbarstadtteil Noe Valley durch den Dot-Com-Boom in den 90er Jahren angeblich total ver-yuppiesiert ist. In ihren Augen wohnen in Bernal Heights noch echte Alternative.

Das ist natürlich Kappes. Die Wahrheit ist, dass in Bernal Heights zwar viele Leute ihre Gärten nicht pflegen und zum Teil uralte Autos auf den Straßen parken, aber die Häuser- und Mietpreise letztendlich auch schwindelerregende Höhen erreicht haben. Wenn ihr die Fotos genau anschaut, werdet ihr feststellen, dass ich sie alle mit einem Filter bearbeitet habe, der sie etwas träumerisch und verschwommen macht. So seht ihr die Gegend in den Augen der Althippies, die darin wohnen!

In Bernal Heights fällt auf, dass es kaum Geschäfte gibt. Kaum jemand ist auf der Straße, alle sitzen in ihren teuren Hippiehäusern und zählen ihr Geld. Um es auszugeben, müssten sie, da es keine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gibt, zwei Kilometer mit dem Auto nach Noe Valley fahren, aber das wäre ja spießig. Dabei ist die Gegend wirklich schön, sehr gebirgig (der rasende Rundbriefreporter musste den ersten Gang seines Moutainbikes einlegen und einmal sogar schieben) und bietet atemraubende Ausblicke auf die umliegenden Stadtviertel Mission, Downtown, die San Francisco Bay und diverse Autobahnkreuze. An klaren Tagen kann man bis Oakland und Berkeley am anderen Ufer sehen.

Abbildung [4]: Bernal Heights: Viktorianische Häuser
Abbildung [5]: Bernal Heights: Blick auf das Stadviertel "Mission"

Das Satellitenbild von Bernal Heights zeigt den leicht zu lokalisierenden, im Sommer hellbraunen Grashügel, auf dessen Spitze ein Funkturm steht. Wenn man von Bernal Heights in Richtung Osten fährt, gelangt man in ein Viertel, das wir wohl nie in der Reihe "San Francisco Ansichten" bringen werden: Hunter's Point, eines der letzten wirklich gewalttätigen Viertel, in das sich kein Hippie hineinwagt.

Abbildung [6]: GPS-Navigationssystem am Fahrrad in Bernal Heights

Was an Bernal Heights auffällt, ist seine enorme Sackgassendichte. Straßen enden entweder an steilen Hügeln oder an der angrenzenden 280er-Autobahn. Gäbe es eine Statistik über US-amerikanische Stadtviertel mit den meisten Sackgassen, würde es mich nicht wundern, Bernal Heights an der Spitze zu finden. Wer den Fehler macht, ohne Navigationssystem in das Labyrinth einzureisen, findet nie wieder raus. Der rasende Rundbriefreporter hatte natürlich sein neues GPS-System dabei (siehe Abbildung 6) und entkam den alten Hippienarren nach vollendeter Arbeit mit nur wenigen kräftigen Pedalstößen.


 
 
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Letzte Änderung: 24-Jun-2017