26.05.2000 Deutsch English

Die Geschichte Kaliforniens

Die Missionen entlang der kalifornischen Küste
Die Missionen entlang der kalifornischen Küste

(Michael) Und das kam alles um 1600, als die Spanier sich in Schiffe setzten, um die Welt zu erobern. Sie segelten herum und kamen auf die Idee, sich auf dem amerikanischen Kontinent niederzulassen. Um 1700 hatte es ihnen Mexiko angetan, den Westküstenstreifen dort nannten sie "Baja California" ("Bacha Kalifornia" gesprochen), das "Untere Kalifornien". Dann, etwa um 1770, kamen die nördlicheren Gebiete dran, unter anderem das heutige Kalifornien, das die Damen und Herren Spanier "Alta California" (oberes Kalifornien) nannten. Von San Diego bis hoch nach San Francisco errichteten sie an jeder Ecke Missionen, um die Indianer zu konvertieren. Glaubt es oder nicht: Wo wir heute in San Francisco wohnen, waren vor 250 Jahren noch die Ohlone-Indianer zuhause. Sie ernährten sich von Beeren, Seetang und Fischen, wenn ich dem Geschichtsbuch, das ich neulich gekauft habe, glauben darf. Ein gescheiter Hamburger wäre mir ehrlich gesagt lieber. Und hin und wieder gab es bei ihnen Gänse, die, wie wiederum das Buch behauptet, in der Ohlone-Sprache "Laklak" hießen.

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Santa Barbara

Missionskirche mit Malerei in Santa Barbara
Missionskirche mit Malerei in Santa Barbara

(Michael) Warum ich das erzähle? Im März haben wir die Gelegenheit genutzt, um mal wieder ein verlängertes Wochenende einzulegen, diesmal ging's runter nach Santa Barbara, fast bei Los Angeles. In Richtung Süden brausten wir auf dem Highway 1 an der Küste entlang, vorbei am Big Sur und über San Luis Obispo (wo es übrigens eine hervorragende Gaststätte gibt, die ihr eigenes Bier braut und ein Gericht namens "Braumeister" anbietet, das aus zwei Rindsbratwürsten mit Sauerkraut besteht, jambo!) spulten wir mit einem Mietauto die 500 Kilometer runter. Dummerweise regnete es in Santa Barbara wie aus Eimern und alles Wesentliche, was es von dort zu berichten gibt, ist, dass wir ein lustiges Erlebnis in einem Restaurant hatten.

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Mindestlohn und Sweatshops

Proteste gegen GAP (1)
Proteste gegen GAP (1)

(Michael) In Santa Barbara begab es sich auch, dass wir von Demonstranten einen Zettel in die Hand gedrückt bekamen: Der Klamottenladen GAP, eine sehr bekannte Kleiderkette in den USA, wurde beschuldigt, Leute unter unzumutbaren Bedingungen zu beschäftigen. Der Titel des Flugblatts war "GAP behandelt Arbeiter wie Sklaven". Die Demonstranten sagten, der GAP beschäftige auf einer Insel im Pazifik namens "Saipan", die angeblich zu den USA gehört, asiatische Frauen, die unter harschen Bedingungen (12 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche) die Kleider des Klamottenriesen zusammennähen. Ich habe keine Ahnung, ob das wahr ist, ich fand's nur interessant, weil in den USA die Gewerkschaften keinerlei Macht haben. Wenn die Gewerkschaft in dem Paketversanddienst UPS einmal in 10 Jahren einen Streik organisiert (wie vor ein paar Jahren passiert), gilt das schon als Sensation. Ein Gesetz schreibt allerdings vor, dass der Arbeitgeber mindestens einen Lohn von $5.15 pro Stunde zahlen muss. So ziemlich alles andere ist aber freiwillig: Zur Krankenversicherung schießen die meisten Arbeitgeber nur bei den besseren Jobs Geld zu. Angelika kannte mal einen, der arbeitete bei einer der großen Autovermietungen. Er berichtete, dass die Leute, die die zurückkommenden Wagen entgegennehmen oder waschen, keine Krankenversicherung von der Firma spendiert kriegen. Steigt man aber auf der Karriereleiter weiter nach oben und bedient Kunden am Schalter, zahlt die Firma dem Angestellten als besonderen Bonus die Beiträge. Die Geschichte mit dem Flugblatt wollte ich nur loswerden, weil man sich im GAP in San Francisco immer vorkommt wie in München am Stachus: Lauter deutsche Touristen. Würde mich nicht wundern, wenn die bald deutschsprechende Verkäufer einstellen würden. Die müssten dann aber einen extra Kurs im Unfreundlichsein absolvieren, sich den ganzen Tag mit Kollegen unterhalten und genervt reagieren, falls man ihre Konversation unterbricht, weil man seine Hosengröße nicht findet. Man muss den Leuten ihre gewohnte Umgebung bieten!

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WebVan -- der Lebensmittellieferdienst

Der WebVan in Aktion
Der WebVan in Aktion

(Michael) Und wieder was Neues vom Internet gibt's: Da Lebensmittel einkaufen nicht gerade zu den interessantesten Tätigkeiten gehört, auch wenn die Läden Tag und Nacht und werktags und am Wochenende aufhaben, gibt's jetzt einen neuen Service, damit der Kühlschrank nicht leer wird: Der WebVan, der Internet-Lieferwagen bringt einem die Lebensmittel direkt in die Wohnung. Das geht so: Auf der Internetseite webvan.com kann man die Sachen auswählen, da gibt's mehr Auswahl als selbst im größten Supermarkt. Ich persönlich messe ja die Größe eines Supermarktes hier immer über den von mir erfundenen Milch-Index: Wieviele verschiedene Sorten Milch gibt es? Nicht etwa Milchprodukte wie Joghurt und Hüttenkäse, sondern ganz normale Milch in Flaschen oder Milchtüten. In Deutschland gibt's vielleicht 5. Hier in den USA sind's immer 10-15. Und beim WebVan, ich hab's nachgezählt: 28.

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Volkszählung

Der Fragebogen zur Volkszählung 2000
Der Fragebogen zur Volkszählung 2000

(Michael) Und eine Volkszählung gab's neulich: Dem Amerikaner ist ja das Einwohnermeldeamt fremd wie dem Deutschen das Freundlichsein. Deswegen hat zum Beispiel die Stadt San Francisco keine Ahnung, wieviele Leute gerade in ihr wohnen. Zieht man um, meldet man sich nirgendwo an oder um -- man zieht einfach um, woher und wohin, das geht niemanden etwas an. Nun will die Stadt natürlich wissen, wieviele Schulen sie bauen muss und welche Straßenbahnlinien und wieviel Geld deshalb in die einzelnen Stadtteile fließen muss -- und hierzu ist sie auf Bevölkerungsdaten angewiesen. Deshalb verteilt die Regierung alle 10 Jahre Fragebögen, die man ausfüllen muss, und nicht nur in San Francisco: Bis zu den Eskimos im hohen Norden Alaskas dringen die Volkszähler vor und registrieren jedes Iglu, wie neulich in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war.

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Friseure in den USA

(Michael) Und noch eine Geschichte, die so wirr ist, dass sie kaum zu glauben ist: Jeder, der schon mal in Amerika war, weiß, dass es sehr schwierig ist, einen Frisör zu finden, der auch wirklich in der Lage ist, Haare zu schneiden. In Amerika gibt es ja kein direktes "Handwerk", hier kann sich jeder Frisör nennen, dem es danach beliebt. Nicht so wie in München, wo in der Friedenheimer Straße ein Meister seines Fachs die Schere schwang: Meister "Pablo" bei "Design in Hair" -- wohl auf der ganzen Welt -- jawohl, Welt! -- unerreicht. Ich war erst ein paar Wochen in San Francisco, da lechzte mein Kopf nach einem Haarschnitt und ich ging nichtsahnend in einen x-beliebigen Frisörladen in der 24sten Straße bei uns um die Ecke. Nach den ersten 10 Sekunden auf dem Stuhl wurde mir klar, dass der Kerl, der mir die Haare schnitt, keine Ahnung davon hatte. Es kostete mich fast ein halbes Jahr an Enttäuschungen, bis ich, von Frisörsalon zu Frisörsalon irrend, schließlich durch Zufall im italienischen Viertel von San Francisco einen Herrn fand, der die Kunst des Haareschneidens beherrschte. Da ich damals im italienischen Viertel (genannt: North Beach) arbeitete, war das sehr praktisch, ich ging einfach in der Mittagspause kurz zum Haareschneiden. Dann arbeitete ich plötzlich in San Mateo und schließlich in Mountain View, wollte aber weiterhin in den Genuss eines guten Haarschnitts kommen -- so fuhr ich halt alle sechs Wochen samstags eine halbe Stunde quer durch die Stadt nach North Beach, um mein Haar dort gekonnt kürzen zu lassen. Aber, oh weh -- eines Samstags hing in dem Laden ein Schild, das mitteilte, dass der Herr am Wochenende an einem Ort namens "SF Hairport" arbeitete. Grummelnd fuhr ich heim.

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Vornamen und deren Abkürzungen

Meine Visitenkarte bei AOL
Meine Visitenkarte bei AOL

(Michael) Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass der amerikanische Präsident "Bill" Clinton heißt. "Bill" ist die Abkürzung für "William". Der Mann hat also in seinem Pass "William Clinton" stehen, aber die ganze Welt nennt ihn "Bill". Gleiches gilt für Bill Gates. Der Gründer von Netscape, Jim Clark, heißt in Wirklichkeit "James". Oder nehmt den Chef von AOL, Steve Case -- der heißt in Wirklichkeit "Stephen". Oder den zweiten Mann, Bob Pittman. Der heißt richtig "Robert". Mein Kollege heißt "Chris", aber auf seinem Führerschein steht "Christopher". So ist das in Amerika. Jeder Name wird abgekürzt: Catherine wird zu "Cathy", aus Donald wird "Don", aus Joseph "Joe", aus Samantha "Sam", aus Pamela "Pam", aus Lawrence "Larry". Anders als in deutschen Landen, wo man schon mal in einer bierseligen Runde beim Spitznamen genannt wird, geht das hier viel weiter: Man unterscheidet zwischen dem Namen und dem "legalen" Namen (legal name). Der "legale" Name ist der Geburtsname. Der steht nur im Ausweis. Alle Welt kennt aber nur die Abkürzung. Aus "Michael" (auf Englisch Mei-kel ausgesprochen) kann so "Mike", "Mick", "Mikey" (sprich: "Meikie"), "Mickey" (sprich: "Mickie") werden -- ganz nach Belieben. So habe ich mir bei Netscape den Spaß erlaubt, mich "Mike" zu nennen -- und so reden mich die Leute jetzt auch an. Das Schild an meinem Cubicle lautet auf "Mike Schilli", genauso wie der Eintrag im Telefonbuch. Auch meine Visitenkarte (siehe Abbildung) kennt nur den "Mike", nicht den "Michael". Beim vollen Vornamen nennen sich nur Schnösel (Robert Redfort, nicht "Bob Redfort") oder Engländer (David Bowie, nicht "Dave Bowie").

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Amerikanisch sprechen mit den Profis

(Michael) Und ab diesem Rundbrief starten wir eine neue Reihe: Lerne amerikanisch sprechen mit den Profis! Mit jedem Rundbrief stellen wir drei Wörter oder Redewendungen vor, die typisch amerikanisch und sind und die garantiert an keiner Schule der Welt vermittelt werden. Exklusiv im Rundbrief. Und los geht's: Passiert etwas außergewöhnlich Bizarres, sagt man "That's a doozy!" (sprich: "Duhsie"). Das Wort soll übrigens von "Duesenberg" abstammen, einem Luxusauto aus den 20er und 30er Jahren. Ein Wort, das ich persönlich superwitzig finde, ist "Geezer" (sprich: "Gieser"). Das heißt soviel wie "komischer alter Kauz". Wenn ich am Tisch mit Leuten sitze, die alle 30 oder jünger sind, sage ich "Looks like I'm the geezer here!". Und Nummer drei: "I got ripped off! I got screwed!" steht für: Man hat mich über's Ohr gehauen. Soviel für heute aus dem amerikanischen Alltagslexikon. Ich brauche wohl nicht dazu zu sagen, dass ihr die Begriffe sehr sorgfältig verwenden müsst, da das sehr saloppes Englisch ist, das man z.B. nicht in Vorstellungsgesprächen verwenden sollte. Viel Spaß damit! So, nun wird's aber Zeit für Angelika, die einmal aufgeschlüsselt hat, wie das so geht mit dem Visum und der Green Card in Amerika!

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Visa für die USA

(Angelika) Sollte ich doch tatsächlich noch zum Zug kommen? Na dann schnell in die Tasten gehauen, bevor Michael doch noch etwas einfällt. Nachdem ja plötzlich auch in Deutschland über ein Einwanderungsgesetz nach amerikanischen Modell diskutiert wird, kommt hier die Fortsetzung über "Immigration", wie der Amerikaner zu sagen pflegt. Bevor ich jetzt aber darauf eingehe, wie man es in den USA schafft, eine dauerhafte Arbeits-und Aufenthaltsgenehmigung, die so genannte Green Card zu erhalten, möchte ich, da wir immer wieder gefragt werden, was es denn für verschiedene Visatypen in den USA gibt, sie spaßeshalber einmal auflisten und ein wenig erklären, was es damit auf sich hat. Nun mag das für den einen oder anderen völlig langweilig erscheinen, schließlich handelt es sich um Bürokratismus pur, auf der anderen Seite werden allein aus so einer Auflistung Dinge erkennbar, über die man sich sonst gar keine Gedanken machen würde. Und ich meine jetzt nicht die offensichtliche Tatsache, dass das Ganze höllenkompliziert ist, sondern dass erstens auch hinter den amerikanischen Einwanderungsgesetzen purer Egoismus steckt, nämlich Arbeitskräfte ins Land zu bekommen, die man dringend braucht, damit die eigene Wirtschaft nicht brachliegt oder auch schlaue Köpfe jeglicher Art zu rekrutieren, die Amerika voran bringen. Zweitens wird der unerschütterliche Glaube des Amerikaners an Familie sichtbar, denn es ist selbstverständlich, dass es fast jede Visakategorie erlaubt, dass man minderjährige Kinder und den Ehepartner mitbringt, obwohl in den meisten Fällen die begleitenden Familenangehörigen keine Arbeitsgenehmigung erhalten. Auch bei der Green Card zeigt sich die Tendenz der Familienzusammenführung.

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Warten auf die Greencard

Die begehrte amerikanische Greencard
Die begehrte amerikanische Greencard

(Angelika) Die amerikanische Green Card ist im Gespräch, seit Bundeskanzler Gerhard Schröder angekündigt hat, ausländische Computerexperten ins Land zu holen. Doch auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gilt es, viele Hürden zu überwinden, bevor man das begehrte Papier in seinen Händen hält.

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Letzte Änderung: 25-May-2024