09.03.2000 Deutsch English

Personalisierte Nummernschilder

Nochmal von nah: Das Nummernschild des PERL MAN
Nochmal von nah: Das Nummernschild des PERL MAN

(Michael) Sicher ist euch schon mal aufgefallen, dass es in den USA Autos gibt, die mit seltsamen Nummernschildern rumfahren. Normalerweise ist's ja eine Zahl, drei Buchstaben und nochmal drei Zahlen (z.B. "2ZAP438") und daraus geht nicht, wie in deutschen Landen, hervor, aus welcher Stadt das Auto kommt, sondern nur das Design und die Farbe des Nummernschildes zeigt an, in welchem Bundesstaat das Auto angemeldet wurde. In Kalifornien steht "California" drauf, in Oregon sind Wälder abgebildet. Außerdem hat jeder Staat einen Slogan: Arizona -- Sunshine State. Hawaii -- Aloha State. Oregon -- where it rains all year long. Haha. Kleiner Scherz. Aber: Einige Nummernschilder weisen nicht die üblichen Zahlen-Buchstaben-Kombinationen auf, sondern lauten einfach "CLINTON" oder "ARNOLD" oder "YEAH". Das geht folgendermaßen: Ganz wie man in Deutschland in München das Nummernschild "M-AX 1964" bekommt, indem man eine Gebühr an die KFZ-Meldestelle entrichtet, kann man in Amerika beliebige (ich betone: beliebige!) Nummernschilder für sein Auto bekommen. Das kostet, je nach Design, zwischen 20 und 30 Dollar im Jahr, die an einen wohltätigen Zweck gehen. Nun wollte ich ja schon immer der "PERL MAN" sein, ja, in der Tat hat mir Angelika mal ein nachgemachtes Nummernschild mit diesem Aufdruck geschenkt -- da fragte ich mich: Warum nicht in echt?

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Terminkalender

Der Franklin-Kalender im Einsatz
Der Franklin-Kalender im Einsatz

(Michael) Bei Netscape lief neulich ein Ganztageskurs über Time-Management, für den ich mich einschrieb. Die Firma "Franklin/Covey" bietet Kurse an, in denen man lernt, wie man das von ihnen angebotene Kalendersystem bedient. Wie man seine Zeit sinnvoll einteilt, Aufgaben priorisiert und Wichtiges von Unwichtigem trennt, um in weniger Zeit mehr zu schaffen. Es war eine eindrucksvolle Vorstellung. Typisch amerikanisch war der Kurs nicht irgendein langweiliger Vortrag, sondern gespickt mit, ja, ich würde sogar sagen, bewegenden Momenten. So etwa, als die Kursleiterin uns aufforderte, anonym auf kleine Kärtchen zu schreiben, was wir denn tun würden, wenn wir mehr Zeit hätten. Später, wir hatten die eingesammelten Kärtchen schon fast vergessen, ließ sie ein Video laufen, in dem dargestellt wurde, wie kurz das Leben sei und wie wichtig es wäre, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Als das Video endete, wurde der Bildschirm dunkel, aber die Musik lief weiter und sie begann, den Inhalt der Kärtchen vorzulesen. Da standen dann Dinge wie "Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich den Half-Dome im Yosemite-Park erklimmen". "Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich die meistbesuchte Website der Welt konstruieren". "Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mit meiner Familie ganz Europa bereisen". "Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich einen Science-Fiction-Roman schreiben". Eines der Kärtchen war natürlich von mir und ihr dürft raten, welches. Jedenfalls -- ich war bewegt. Und der Kalender gefiel mir so gut, so dass ich seitdem nur noch mit einem mehr als DIN-A-5 großen Terminplaner herumrenne und alles, ja, alles hineinschreibe. Echt raffiniert, das Teil, ich schaffe mittlerweile wirklich mehr und vergesse nichts mehr, da alles im Kalender steht. Der wesentliche Punkt ist, dass man private Ereignisse nicht von geschäftlichen trennt, der Hochzeitstag oder ein Geburtstagsgeschenk sind also genauso wichtig wie berufliche Vorgänge. Wen's interessiert: Unter http://www.franklincovey.com kann man das Zeug bestellen, ist zwar nicht ganz billig, aber sehr gut gemacht. Natürlich nur geeignet für Leute mit Selbstdisziplin, die sich nicht scheuen, sich nachts um zwölf noch hinzusetzen, um die Taskliste des vergangenen Tages abzuhaken und die Aufgaben für den nächsten Tag durchzugehen, sowie einmal pro Woche einen Wochenplan mit den wichtigsten Zielen zu erstellen. Angelika ist auch gleich auf den Zug aufgesprungen, und fordert den gleichen Kalender, den es nur in einem bestimmten Laden in San Francisco zu kaufen gibt. Leider hat sie diese Aufgabe mangels Kalendersystems noch nicht in eine entsprechende Liste eingetragen, so dass dieses Projekt immer noch seiner Erledigung entgegenharrt, aber sie arbeitet daran ... (Anmerkung der Rundbrief-Redaktion: Zu Angelikas Geburtstag am 2. März lag ein kleines Kalenderlein auf dem Gabentisch ...).

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Turnschuhwahn

Michaels Turnschuhe
Michaels Turnschuhe

(Michael) Ich ziehe ja bekanntermaßen nur noch Turnschuhe an. Natürlich nicht irgendwelche Billig-Botten vom Supermarkt, sondern Top-High-Tech-Treter von Mizuno. Vergesst Addidas. Vergesst Nike. Vergesst Rebook. Ich erkläre hiermit "Mizuno Waverider" zum Schuh der Saison. Des Jahres. Des Jahrzehnts vielleicht sogar. Zum Turnschuh-Fimmel muss ich etwas weiter ausholen. Hier in Amerika trägt jeder Turnschuhe, vom Teenager bis zum Tattergreis, das ist ganz normal. Und, wenn man in der Software-Branche arbeitet, ist der Turnschuh mehr als nur eine Fußbekleidung. Wer Programmierer ist, trägt Turnschuhe. Punkt. Wer im Verkauf oder Marketing arbeitet, nicht. Genau wie man in Deutschland Schlips- und Nichtschlipsträger unterscheidet. Das neueste Insiderwort ist übrigens "Marketroid" für die Marketingmenschen, eine Mischung aus Marketing-Mensch und "Android", also Roboter. Das nur nebenbei. Zurück zu den Turnschuhen: Vor mehr als einem Jahr kaufte ich mir ein Paar "Mizuno Waverider" und war hellauf begeistert. Turnschuhe haben bei mir einen Lebenszyklus von etwa zwölf Monaten, also machte ich mich neulich auf, ein Paar neue einzukaufen, da die alten sich langsam dem Vergammelungs-Stadium näherten. Doch, oh weh! Die vermaledeite Turnschuh-Kette "Footlocker", die sonst eine recht gute Auswahl bietet, führte das Modell einfach nicht mehr. So versuchte ich mich krampfhaft daran zurückzuerinnern, in welcher Filiale des Schuh-Giganten ich denn das Paar damals gekauft hatte. Und wie Schuppen fiel es mir aus den Haaren: Im Valley-Fair-Shopping-Center bei San Jose, wo wir uns damals mit Sylvia und Richard trafen. Eines Wochenendes, als wir uns wieder einmal in der South-Bay herumtrieben, fuhren wir an diesem Shopping-Center vorbei und ich überredete Angelika, mal dort reinzuschauen -- und siehe da: dort war immer noch ein kleiner "Footlocker", der auch noch ein Paar "Waveriders" da hatte. Gebannt fragte ich den Verkäufer, ob er denn auch ein Paar in meiner Größe 10 1/2 da hätte (nach deutschen Maßstäben 44) und dieser verschwand im Lager, um kurz darauf mit einem ebensolchen Paar zurückzukehren. Obwohl ich in "Mizuno Waverider"-Turnschuhen derselben Größe angereist war, probierte ich kurz die neuen, und, siehe da, sie passten genau wie die alten. Ich war begeistert. Vorsichtig fragte ich den jungen Verkäufer, ob er denn auch noch auch noch ein zweites Paar derselben Größe da hätte. Wieder verschwand er kurz im Lager und brachte ein zweites Paar daher. Ich jubelte. Er fragte, ob das das beste Turnschuhmodell meines Lebens wäre und ich sagte "ja". Die Freude war jedenfalls groß, und ich denke, der Verkäufer durfte sich für den Rest des Nachmittages freinehmen. Ich glaubte, Sektkorken im Lager knallen zu hören, als wir den Laden verließen. Auf meinem neuen Perlbuch wird übrigens auf der Titelseite ein kleines Logo von Mizuno stehen mit dem Vermerk "Written in Mizuno Shoes". Jaha. Na, ihr glaubt aber auch alles.

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Schafkopf im Valley

Acht Trümpfe auf der Hand -- das wohl einfachste Spiel beim Schafkopf.
Acht Trümpfe auf der Hand -- das wohl einfachste Spiel beim Schafkopf.

(Michael) Ich hatte euch ja schon von meinem Arbeitskollegen Dieter erzählt, der in Santa Cruz wohnt und auch bei Netscape arbeitet -- ihr wisst schon, der mit der Bayernfahne am Cubicle. Nun stellte sich heraus, dass der Dieter auch noch den Christian kennt, der aus Bayern mit Siemens nach USA kam und mittlerweile bei Netscape arbeitet. Unter zweitausend Angestellten bei Netscape gibt es also sage und schreibe drei Deutsche. Wir trafen uns alle mal zum Mittagessen in einem mexikanischen Burrito-Laden und es stellte sich heraus, dass der Christian auch an der TU München studiert hat und während seiner Studienzeit (er hat fast zur gleichen Zeit wie ich studiert) des öfteren in der Cafeteria Karten gespielt hat -- was euer lieber Erzähler, ahem, auch mit Vorliebe tat. So planten wir, noch einen vierten Bayern, den Ernst vom Siemens, aufzutun und zum Schafkopfspielen im Silicon Valley zu bewegen. Eine Kneipe wurde auch sofort ausgewählt: "Hardy's Bavaria" in Sunnyvale, wo ein Bayer der Wirt ist und, so ließen Insiderkreise verlauten, man Karten spielen darf -- möglicherweise die einzige Kneipe in ganz Amerika, in der das geht.

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Internetanschluss im Weltraumzeitalter

(Michael) Im Internetzeithalter gibt es natürlich kein Rasten oder Zaudern -- da muss man der Konkurrenz immer einen Schritt vorauseilen. Und aus Europa (genaugenommen von einem Herrn aus der Schweiz) vernahm ich leichten Spott, was meine Internetverbindung betraf. Weil ich immer noch ein normales Modem nutzte, wo man doch heutzutage (Grüße nach Oldenburg: Auch ISDN ist Steinzeittechnologie!) entweder Kabelmodem oder DSL hat. "Genug!", schrie ich und rief bei unserer Telefongesellschaft "Pacific Bell" an. Nachdem ich 20 Minuten in der Leitung gehangen hatte, nahm eine freundliche Dame meinen Auftrag für DSL entgegen. Als ich dann allerdings sagte, dass ich die Internetverbindung keineswegs unter Windows 98 sondern auf dem Mega-In-Betriebssystem Linux haben wolle, kam sie ein wenig ins Schleudern, fragte bei einem Spezialisten nach, der aber bestätigte, das sei kein Problem. Dazu muss man sagen, dass Linux derzeit als echte (und kostenlose!) Alternative zu Microsoft-Produkten wie Windows 95 oder 98 oder was auch immer im Gespräch ist. Kein Tag vergeht, ohne dass es in der Zeitung oder in den Fernsehnachrichten auftaucht. Das Phänomen: Dieses Teil wurde von Leuten auf dem Internet in ihrer Freizeit entwickelt und der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt -- noch hat es Ecken und Kanten, aber dieses Modell der Software-Entwicklung, dass man sich nämlich in seiner Freizeit hinsetzt und für die "Community" (die Gemeinschaft des Internet) seinen Beitrag leistet, dringt bis in die Presse vor. Nebenbei sei erwähnt, dass der Autor dieser Zeilen Linux seit ungefähr 8 Jahren nutzt und selbst in seiner Freizeit Sachen entwickelt, die er, ohne dafür Geld zu verlangen, an die "Community" rausgibt. Doch genug Hype! Jedenfalls ist Linux noch immer nicht so bekannt wie Windows -- aber die Frau von Pac Bell sagte, das ginge in Ordnung. In 14 Tagen käme jemand vorbei, ich durfte mich entscheiden, ob ich vormittags (8-12) oder nachmittags (12-5) auf den Mechaniker warten wollte. Dazu muss man sagen, dass "Pac Bell" hier in Kalifornien ungefähr denselben Klang hat, wie wenn man in Deutschland "Siemens" sagt. Huch, ich wollte natürlich sagen: "Deutsche Bundespost". Aber ich hörte, dass die auch privatisiert wurde. Egal, ihr wisst, was ich meine. Eine Woche später, an einem Freitag, hieß es dann plötzlich, am Montag schon käme jemand vorbei. Ich durfte am Montag von zu Hause aus arbeiten und konnte so auf den Servicemenschen warten. Der kam dann auch um 2 Uhr nachmittags und hatte zwar schon von "Linux" gehört, aber sagte, ihm fehle es an Erfahrung, darauf DSL zu installieren. Gut, sagte ich, dann eben auf Windows, das ich als zweites Betriebssystem auf meiner Maschine fahre. Das ging dann auch problemlos -- fast, denn er verletzte sich am Finger, als er ein Kabel abzwickte, zum Glück hatte ich Pflaster und Desinfektionsmittel im Haus, er wurde an Ort und Stelle verarztet. Ich bekam ein Modem, das aussieht, wie ein Warp-Generator aus dem Raumschiff Enterprise, und durch die normale Telefonleitung kommt nun sowohl ein Datensignal für den Computer neben dem normalen Telefonverkehr -- kurz: Man kann telefonieren, während der Computer Online ist. Da wir noch eine zweite Telefonleitung haben, könnten jetzt sogar zwei Leute gleichzeitig telefonieren und einer im Internet herumbrausen! Und man surft ungefähr 50 mal so schnell wie mit einem Modem durchs Internet. Das ist wirklich beeindruckend: Man klickt irgendwo hin und -- zack! -- ist die Seite da. Das liegt natürlich auch daran, dass die wichtigsten Teile des Internet hier in Kalifornien beheimatet sind und z.B. Yahoo nur ein paar Meilen um die Ecke liegt. Ach ja: Mit Hilfe des Internet konnte ich dann das Ganze auch noch auf Linux nachziehen, kein Problem. Natürlich weil mir Leute auf dem Internet geholfen haben. Kostenlos. Wenn es irgendwo eine Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gibt, dann hier. Im Cyberspace. Übrigens entsteht dieser Rundbrief auf Linux. Und auch alle meine Zeitschriftenbeiträge und Bücher. Zurück zum DSL-Anschluss: Ich musste einen Einjahresvertrag abschließen, 49 Dollar im Monat kostet der Spaß. Naja, ich kann's ja von der Steuer absetzen. Übrigens nicht von der normalen Einkommenssteuer, da dem Herrn Amerikaner die Werbungskosten für den Beruf fremd sind, sondern wegen meiner Autorentätigkeit, deren bescheidene Einnahmen ich auch hier in den USA versteuern muss, aber das nur nebenbei.

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Elektrische Zahnbürste

Die neue Zahnbürste
Die neue Zahnbürste

(Michael) Und noch eine aufregende Neuigkeit. Darauf habt ihr alle gewartet. Setzt euch hin. Jetzt kommt's: Wir haben uns eine neue elektrische Zahnbürste gekauft. "Oh mei, oh mei", sagt ihr jetzt sicher, aber es ist wirklich aufregend: Die Firma "Sonicare" fabriziert eine elektrische Zahnbürste, die ihren Bürstenkopf so schnell bewegt, dass Ultraschallwellen entstehen. Habe ich gleich beim Costco gekauft, nur hundert Dollar! Zwei Minuten damit die Zähne geputzt und ihr fühlt euch, als kämt ihr frisch vom Zahnarzt, der euch mit diesem Ding, das immer "iiiihh-iihh-iiiiih" macht, traktiert hätte. Ich schlecke mir den ganzen Tag über die Zähne, so gut ist das. Sofort kaufen! Unter http://www.sonicare.com stehen mehr Informationen.

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Neujahr

Jahr-2000-Feuerwerk in San Francisco ...
Jahr-2000-Feuerwerk in San Francisco ...

(Angelika) Genug mit dem Kommerzgefasel! Hier kommt Angelika: Sicher habt ihr schon mitbekommen, dass auch San Francisco von den vorausgesagten Katastrophen verschont blieb und gut ins neue Jahrtausend gekommen ist (die Erzähler inbegriffen). Wegen der astronomischen Preise überall und der angekündigten Menschenmassen, waren Michael und ich ja bei unserem schon traditionellen Fondue in trauter Zweisamkeit zu Hause geblieben. Schön war es! Um Mitternacht konnten wir das gigantische Feuerwerk von unserem Fenster aus beobachten (im Hintergrund lief natürlich die Musik "I lost my heart in San Francisco"). Die ganze Stadt hat geleuchtet.

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Fotonews

Die Zeitungsanzeige der Fotoausstellung
Die Zeitungsanzeige der Fotoausstellung

(Angelika) Im Rahmen einer meiner Kurse an der Uni Berkeley lief im Januar und Februar wieder eine Ausstellung: Zwei meiner Fotos hingen an der Wand. Dieses Mal waren es geschickt arrangierte schwarz-weiße Selbstportraits, die etwas Haut zeigten, ohne zuviel preiszugeben. Mich hat das köstlich amüsiert und natürlich werde ich euch nicht die Freude machen und Fotos mitliefern. So weit kommt es noch!

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Bürgermeisterwahlen und Homo-Ehe

Werbung für die Proposition 22 im Vorgarten eines Amerikaners
Werbung für die Proposition 22 im Vorgarten eines Amerikaners

(Angelika) Denn besonders den politischen Themen will ich mich heute widmen: Der Bürgermeister von San Francisco heißt auch weiterhin Willie Brown -- der Kandidat Tom Ammiano verlor die Stichwahl am 14. Dezember (siehe November-Rundbrief). Ich finde das sehr schade. Tom Ammanio als Bürgermeister hätte mir besser gefallen. Es ist eben ein Elend, wenn man selber nicht wählen darf. Da merkt man erst, was wählen zu dürfen für ein Privileg ist. Ich bin ja schon lange dafür, dass Ausländer, die für längere Zeit in einem bestimmten Land leben, zumindestens auf lokaler Ebene wählen dürfen. Und das meine ich jetzt nicht nur auf die USA bezogen, sondern ganz generell. Auch bin ich der festen Überzeugung, dass Wahlen in den USA völlig anders ausgehen würden, wenn alle Greencard-Besitzer (amerikanische dauerhafte Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung) wählen dürften (nur noch einmal schnell zur Erinnerung: auch in den USA dürfen nur amerikanische Staatsbürger wählen).

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Präsidentenwahlen

(Angelika) Dann habt ihr vielleicht in Deutschland auch mitbekommen, dass Bill Clinton seine letzte Rede zur Lage der Nation ("State of the Union") gehalten hat, da ja seine Amtsperiode schon bald zu Ende geht. In Amerika sind, wie oben schon erwähnt, Präsidentschaftswahlen. Dieser Bericht zur Lage der Nation findet alljährlich statt und, wie der Name schon sagt, geht es darum, wie es denn so steht um Amerika. Natürlich nutzt der Präsident die Rede auch, um vorzustellen, was er zukünftig zu tun gedenkt. Clinton muss bald abdanken, da ein Präsident in Amerika nur zweimal hintereinander gewählt werden darf und dann einen Neuen ranlassen muss. Er schmiss dennoch nur so mit den Reformideen um sich -- was absolut nichts heißt, da Clinton schon manches Mal seine Pläne nicht durchsetzen konnte, denn der amerikanische Kongress hat ja bekanntlich eine republikanische Mehrheit, die etwas andere Vorstellungen hat als der demokratische Präsident. Wie ihr vielleicht merkt, habe ich die Rede aufmerksam im Fernsehen verfolgt. Genauer gesagt habe ich gebannt auf den Bildschirm gestarrt und verfolgte fasziniert, wie anders eine derartige Rede im Vergleich zum deutschen Bundestag abläuft. Zunächst ist mir wieder einmal unangenehm aufgefallen, dass es in den USA völlig normal und sogar ein Muss ist, patriotisch zu sein. Frei nach dem Motto: Amerika, das gelobte Land, die Supernation, die alle bewundern. Natürlich hat Clinton allen Grund, ein wenig anzugeben, schließlich ist die Bilanz nicht schlecht: Der Staatshaushalt wirft Überschüsse ab, das Land befindet sich im längsten Wirtschaftsboom seiner Geschichte. Die Kriminalität ist zurückgegangen, die Arbeitslosenrate ist extrem niedrig, viel niedrigerer als in Deutschland. Millionen neuer Jobs wurden geschaffen. Nur hat das Ganze auch einen Preis und vieles liegt extrem im Argen. Unter anderem das Gesundheits- und Schulwesen (besonders beschämend, wenn man über Haushaltsüberschüsse verfügt). Und viele der neugeschaffenen Jobs bieten nur extrem schlechte Bezahlung und keine Sozialabsicherung. Interessant war auch, dass Clinton sich ganz emotional gab. So sah man des öfteren Tränen in seinen Augen, sowohl vor Rührung als auch vor Trauer. Natürlich dankte er auch seiner Frau Hillary für ihre unermüdliche Unterstützung, was dann doch etwas seltsam anmutete, denn schließlich ist seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky noch nicht vergessen. Böse Stimmen vermuten ja auch, dass Hillary Clinton sich sofort scheiden lässt, sobald Clintons Amtszeit vorbei ist. Man darf gespannt sein.

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Benetton und Todesstrafe

Todeskanditaten in der Benetton-Werbung
Todeskanditaten in der Benetton-Werbung

(Angelika) Dann ist hier zur Zeit die Werbekampagne der italienischen Textilfirma Benetton in aller Munde. Benetton ist ja dafür bekannt, mit außergewöhnlichen und provozierenden Werbekampagnen die Welt aufzuschrecken. Dieses Mal gehen Fotos von Todeskandidaten in US-Gefängnissen um den Globus. Benetton will damit auf das Problem der Todesstrafe in den USA hinweisen. Dabei geht es nicht darum, ob die Häftlinge eventuell unschuldig sind, sondern um die allgemeine Frage, ob ein Staat das Recht hat, den Tod als Form der Bestrafung anzuwenden. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Missouri hat bereits eine Klage gegen Benetton eingereicht und die amerikanische Kaufhauskette "Sears" will keine Benetton-Kleidung mehr in ihren Läden anbieten.

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Wer heiratet einen Millionär?

Frisch im Fernsehen verheiratet ...
Frisch im Fernsehen verheiratet ...

(Angelika) Und dann durften wir hier noch dem Gipfel der Geschmacklosigkeit im amerikanischen Fernsehen beiwohnen. Sicher wird das aber das deutsche Fernsehen nicht daran hindern, eine ähnliche Sendung für den deutschen Markt zu produzieren, denn schließlich wird ja schon seit eh und je jede amerikanische Show kopiert, egal wie schlecht sie auch sein mag. Die Sendung hatte den Titel "Who wants to marry a multi-millionaire?" (Wer will einen Multimillionär heiraten?) und wurde vom amerikanischen Sender Fox ausgestrahlt. 50 Frauen traten gegeneinander an. Der Preis war, den superreichen Junggesellen vor laufender Kamera zu heiraten. Dabei ist eine der Spielregeln, dass keine der Frauen diesen potentiellen Ehemann vorher kennen gelernt geschweige denn gesehen haben darf. Die Endrunde ist sozusagen der Höhepunkt der Show. Dann wird das erste Mal die Identität des Multimillionärs preisgegeben, indem er auf der Bühne auftaucht und um die Hand seiner Angebeteten anhält, nämlich die Frau der Endrundenkandidaten, die ihm am Besten gefallen hat. Und dann wird natürlich gleich an Ort und Stelle geheiratet. Gesetzlich abgesichert, denn die Show spielt im Bundesstaat Nevada (wo Las Vegas ist), wo solche Dinge möglich sind.

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Zu Visum und Greencard

(Angelika) Nun aber zu etwas ganz anderem: Wie wir ja schon mehrmals erwähnt haben, läuft unser Visum Ende Juli diesen Jahres aus. Da wir noch gerne etwas bleiben möchten, haben wir eine Verlängerung beantragt, die allerdings immer noch nicht durch ist, denn die amerikanische Einwanderungsbehörde ist nicht gerade der schnellsten einer. Nun hat ja in den letzten Wochen wieder alles nach Amerika geschielt, als Bundeskanzler Schröder ankündigte, ausländische Computerexperten ins Land zu holen. Was haben wir uns totgelacht als plötzlich der Name "Green Card" in deutschen Munden war. Es scheint wohl besonders schick zu sein, amerikanische Begriffe zu verwenden, egal ob man diese nun richtig oder falsch verwendet. Als Green Card bezeichnet man in Amerika die dauerhafte Arbeits-und Aufenthaltsgenehmigung. Gerhard Schröder hat aber nur befristete Genehmigungen im Sinn. Das ist genau das, was Michael hier hat und wird H-1B-Visum genannt. Gar nicht witzig fanden wir allerdings, dass die deutsche Presse so tat, als ob man in Amerika die Green Card auf einem silbernen Tablett serviert bekommt. Besonders wenn man gerade selbst durch den hochkomplizierten, langwierigen Green-Card-Prozess geht und zusätzlich noch zitternd auf seine Visumsverlängerung wartet, kommt gewaltige Wut hoch über so viel Missinformation. Deshalb will ich ein wenig Aufklärungsarbeit leisten. Wie man in Amerika eine Green Card bekommt, spare ich mir für den nächsten Rundbrief auf. Heute also die Episode, wie das mit dem H-1B-Visum geht. Das H-1B-Visum wird an hochqualifizierte Ausländer ausgegeben. Man bekommt es zunächst für drei Jahre, mit der Möglichkeit der Verlängerung auf weitere drei Jahre. Insgesamt kann man also für sechs Jahre auf einem H-1B-Visum in den USA arbeiten. Danach hilft kein Betteln und Flehen, eine weitere Verlängerung gibt es nicht. Hat man nach sechs Jahren keine Green Card in der Hand, muss man das Land verlassen. Im Jahr 1990 wurde dieses Visaprogramm eingeführt, um kurzfristig Stellen zu besetzen, für die man keine Amerikaner finden kann, d.h. man hat nur dann eine Chance, auf einem H-1B-Visum zu arbeiten, wenn man über einen Beruf verfügt, der in Amerika Mangelware ist (z.B. Software-Ingenieur). Eine der Voraussetzungen, um diese Art von Visum zu bekommen, ist es auch, über eine hohe Schulbildung (sprich abgeschlossenes Studium) zu verfügen und/oder entsprechende einschlägige Berufserfahrung zu haben. Wie gesagt, auch die Amerikaner wollen gerne hochqualifizierte Leute ins Land holen und keine ungelernten Kräfte. Leider hält sich das Vorurteil trotzdem immer noch, dass es in den USA einfach ist, die entsprechenden Papiere zu erhalten. Ganz falsch! Für das H-1B-Visum prüft zunächst das "Department of Labor" (amerikanische Arbeitsbehörde), ob sich auch wirklich kein Amerikaner für den ausgeschriebenen Job finden lässt. Der amerikanische Arbeitgeber, der das Visum für den ausländischen Arbeitnehmer beantragt, muss darlegen, dass er den branchenüblichen Lohn zahlt und das Stellenangebot sogar für zwei Wochen in der Firma aushängen, damit andere Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, Einspruch zu erheben. Gibt das Department of Labor sein Einverständnis, werden alle erforderlichen Unterlagen in einem zweiten Schritt bei der Einwanderungsbehörde eingereicht, die wiederum prüft, ob auch alles seine Richtigkeit hat. Bis der ganze Papierkram erledigt ist, vergehen mindestens sechs bis acht Wochen, in denen man noch nicht arbeiten darf. Auch gibt die Einwanderungsbehörde nur eine bestimmte Menge an H-1B-Visa pro Jahr aus, um den Zuzug an ausländischen Arbeitnehmern zu begrenzen. Zur Zeit werden 115.000 Visa pro Jahr ausgegeben. Ist die Menge aufgebraucht, was momentan schon nach einigen Monaten der Fall ist, hat man Pech gehabt. Man muss bis zum nächsten Jahr warten. Nun gibt es hier in der Computerbranche so viele offene Stellen, dass die Firmen gerne noch mehr ausländische Fachleute einstellten und sich dafür einsetzen, die Obergrenze der ausgegebenen Visa zu erhöhen. Das Thema ist mittlerweile so brisant, dass es sogar zum Wahlkampfthema gemacht wurde, denn die Firmen verlieren Geld, da Stellen nicht besetzt werden können. Noch etwas ist beim H-1B-Visum zu bedenken: Es kann erst dann beantragt werden, wenn man eine amerikanische Firma gefunden hat, die bereit ist, einen zu beschäftigen, denn die Firma stellt den Antrag. Das bedeutet aber, dass die Arbeitsgenehmigung nur für diese Firma und den ganz speziell ausgeschriebenen Job gilt. Verliert man seine Arbeit, muss man innerhalb von 10 Tagen das Land verlassen und die Firma ist verplichtet, den Flug zu bezahlen. Oder gefällt einem der Job nicht mehr und man sucht sich einen anderen, fängt die bürokratische Mühle wieder von vorne an, d.h. ein neues H-1B-Visum muss beantragt werden. Mein Visum heißt übrigens H-4 und berechtigt, wie ihr ja schon wisst, zum Aufenthalt in den USA -- aber nicht zum Arbeiten.

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Letzte Änderung: 25-May-2024