Angelika Neben Marsch- und Sumpflandschaften warten die Bundesstaaten Georgia und South Carolina auch mit diversen Inseln auf, die langgestreckt parallel zum Festland liegen und somit eine Barriere zwischen Atlantischem Ozean und eben diesem Festland bilden. Sie heißen deswegen schlicht "Barrier Islands". Einige sind durch Brücken angekoppelt und auch recht dicht besiedelt, andere, wie Cumberland Island, sind nur per Fähre zu erreichen und praktisch unbewohnt.
Treue Rundbriefleser hatten uns Jekyll Island in Georgia empfohlen. So mieteten wir uns ein Airbnb in dem nicht weit von Jekyll Island entfernten kleinen Städtchen Brunswick. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich so gewisse Bilder im Kopf hatte, wie ich mir die Marschlandschaften vorstellte. Als ich dann ein Haus auf Airbnb in Brunswick ein bisschen außerhalb vom Stadtzentrum fand, das genau diesen Bildern entsprach, gab es kein Halten mehr. Das Haus war nicht nur riesig, sondern auch zu einem vernünftigen Preis zu mieten. Das Beste war die Veranda, die gleich an die Küche anschloss und einen Wahnsinnsausblick auf die dem Garten vorgelagerte Marschlandschaft hatte.
Wir aßen jede Mahlzeit auf der Veranda und genossen die fantastischen Sonnenuntergänge. Michael kam gleich ins Schwärmen, dass er auf der Veranda sitzend ein Buch schreiben könnte. Allerdings musste er diese Pläne zunächst aufschieben, da wir uns ja die Gegend anschauen wollten. Die Insel Jekyll Island gehört dem Bundesstaat Georgia. Fährt man auf die mit einer Brücke verbundenen Insel auf, muss man jedes Mal $10 Eintritt zahlen. Aber es lohnt sich.
Uns faszinierten vor allen Dingen die Strände, an denen wir stundenlang spazieren gingen und nur wenige Menschen sahen, dafür aber Fischreiher, kleine Schildkröten und riesige Muscheln fanden. Unsere beiden Favoriten waren: St. Andrews Beach an der Südspitze der Insel und der Driftwood Beach (also Treibholzstrand) in der nördlichen Ecke. An dem Strand liegen und stehen Hunderte von entwurzelten Bäumen und Baumstämmen, die wie Skulpturen aussehen und dem Strand eine surreale Note verleihen und das Herz eines jeden Fotografen höherschlagen lassen.
Der Name des Strandes ist etwas missverständlich, denn bei den Bäumen handelt es sich nicht um an den Strand geschwemmtes Treibholz. Im Gegenteil, die über Jahrzehnte stattfindende Erosion hat Bäume entwurzelt, die Teil eines Waldes waren. Da die Tide nicht hoch genug ist an dem Strand, um die Bäume aufs Meer hinaus zu tragen, blieben sie einfach am Strand stehen oder eben liegen. Sonne, Salz und Wind blichen und schmirgelten die Bäume ab, sodass der skulpturenartige Eindruck entsteht.
Jekyll Island ist natürlich auch eine Ferieninsel. Es gibt Restaurants, Hotels, Ferienwohnungen und Geschäfte und einen alten historischen Teil mit geräumigen alten Villen, der mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Wie kamen die Villen auf die Insel? Reiche und berühmte amerikanische Familien wie J.P. Morgan, Joseph Pulitzer, William K. Vanderbilt und Marshall Field wollten Jekyll Island als Winterzufluchtsort nutzen und traten dem exklusiven Jekyll Island Club bei, der 1886 die Insel für diesen Zweck kaufte. Das imposante Clubhaus ist mittlerweile ein Hotel. Durch die wirtschaftlichen und weltpolitischen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs bedingt schloss der Jekyll Island Club aber 1942 seine Tore. 1947 kaufte dann der Bundesstaat Georgia die Insel, um sicherzustellen, dass auch heute noch jeder Jekyll Island genießen kann.