29.11.2025 Deutsch English

Low-Rider-Parade im Mission-District

Abbildung [1]: Low Riders hüpfen auf Knopfdruck seitlich hoch.

Michael Eines der aufregendsten Details unserer mittlerweile fast 30-jährigen Residenz in der Stadt San Francisco ist für mich immer noch die Tatsache, dass ich von unserem Viertel Noe Valley nur 500m den Berg runter laufen/radeln muss, und schon befinde ich mich im Stadtteil "Mission", oder anders ausgedrückt im Tohuwabohu von Mexico City.

Abbildung [2]: Hurra, die Parade beginnt!

Anno 1997, als wir hier hergezogen sind, war das nicht ganz ungefährlich, denn es gab dort schon hin und wieder Schießereien zwischen rivalisierenden Gangs, aber das hat mich auch damals nicht davon abgehalten, mit einem Kumpel den Stadtteil auch nach Einbruch der Dunkelheit zu erkunden, wenn auch mit schlotternden Knien.

Abbildung [3]: Die Statik der Konstruktionen ist teilweise spektakulär.

Heutzutage droht keine Gefahr mehr, aber das Fremdländische bleibt: das rummelhafte Gesteiggetümmel, das Geplapper auf Spanisch überall, die etwas legere Einstellung zu Recht und Gesetz. Da verkaufen schon mal Leute gestohlene Waren auf dem Gehsteig oder grillen Wurstwaren ohne Genehmigung von der Stadt, das geht dort unten alles nicht so genau.

Abbildung [4]: Mitglied des Oldtimer-Clubs genießt sichtlich die Paraden-Fahrt.

Die lateinamerikanischen Bewohner des Stadtteils pflegen auch ihre eigenen Traditionen, also zum Beispiel den Feiertag am 5. Mai (Cinco de Mayo) oder den "Carnival" (dem deutschen Fasching nicht unähnlich), aber eben auch im September die Parade der sogenannten "Low Riders", aufgemotzten, meist tiefergelegten Oldtimerkärren, die oft mittels abenteuerlicher Hydraulikkonstruktionen auf Knopfdruck hüpfen können.

Abbildung [5]: Wer schräg fährt, macht auf sich aufmerksam.

Die meist von Liebhabern jenseits der 50 liebevoll gepflegten und in Automobilclubs gehegten Modelle klassischer amerikanischer Marken dürfen während der sogenannten "Low Rider Parade" vom Publikum am Straßenrand bestaunt werden, wenn ihre Eigentümer mit stolzgeschwellter Brust langsam die "Mission Street" herunterfahren.

Abbildung [6]: Harte Burschen, fast wie in Breaking Bad.

Die Teilnehmer sehen ihre abenteuerlichen Autokonstrukte als Kunstwerke in ehrwürdiger Latino-Tradition. Vor vielen Jahren hatte die Stadt San Francisco zeitweise sogar das sogenannte "Cruisen" auf der Mission Street verboten, aber aus Protest formten die Autonarren im Jahr 1981 das "San Francisco Lowrider Council", um das Vorführen der Kunstwerke zu legalisieren und zu fördern. Und 2024 unterschrieb unser Gouverneur Gavin Newsom sogar ein Dekret mit dem Inhalt, dass der Staat Kalifornien das Cruisen nie wieder verbieten dürfe.

Abbildung [7]: Sogar Pickup Trucks sind tiefergelegt.

Ein deutscher TÜV-Mitarbeiter bekäme bei derart modifizierten Kraftfahrzeugen natürlich sofort Schnappatmung, aber solche Fahrzeuguntersuchungen kennt der Kalifornier nicht, nur das Abgas wird regelmäßig überprüft, und auch davon sind Oldtimer befreit. Die Veranstaltung habe ich als rasender Fotoreporter für diese Ausgabe besucht und sie lief wie auch in den vorhergehenden Jahren friedlich ab. Sie wurde sogar live auf Youtube übertragen, unglaublich, in was für Zeiten wir leben!


 
 
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Letzte Änderung: 01-Jul-2026