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  Rundbrief Nummer 139  
San Francisco, den 26.07.2021


Abbildung [1]: Ein kompliziertes Brezelvideo in Final Cut Pro.

Bild und Ton liegen also getrennt vor, und euer Hauptdarsteller braucht mangels professioneller Fernsehausbildung oft mehrere Anläufe, bis ein Satz flüssig ohne allzu viele "äh"s im Kasten ist, also lohnt sich die Anschaffung einer Schneidesoftware. Hierzu legte ich mir das sauteure und saukomplizierte Apple-Programm "Final Cut Pro" zu, natürlich, äh, vergünstigt direkt aus dem Fabrikverkauf. Das Programm ist schwer ausgefuchst, aber gleichzeitig so umständlich zu bedienen, dass kein normaler Mensch, den man davorsetzt, auch nur ein 10-Sekunden-Video damit anfertigen könnte. Zum Glück stehen auf Youtube, ohne Schmarrn, tausende von Videos darüber, wie man das Höllenprogramm bedient.

Abbildung [2]: Ein erfolgreiches Video mit 3000 Views.

Dabei ist es erstaunlich, und im Voraus kaum abzuschätzen, wie gut selbstgemachte Videos auf Youtube ankommen. Die Präsentation meiner Backkünste dümpelt trotz aufwändigster Produktion leider noch immer im zweistelligen Bereich herum, wie zum Beispiel mein Brezelvideo oder das Video zum Anfertigen eines Sauerteigbrots.

Viel erfolgreicher bin ich auf Youtube mit meinem Autobastlerfilm, in dem ich die Mittelkonsole unseres Honda Fit auseinander schraube, um Angelikas dort hineingeschlüpften Ohrring wieder herauszufieseln: Interessierte Autoschrauber haben es schon dreitausendmal abgerufen! (Abbildung 2).

Abbildung [3]: Klappe, die Erste!

Ich habe im Rahmen meines Schnellkurses zum selbsternannten Videofritzen übrigens auch gelernt, warum bei Filmproduktionen am Anfang jeder Szene immer so ein Assistent mit einer Schiefertafel ins Bild kommt, lautstark einen abgespreizten Balken draufschnackeln lässt und "Szene die Erste!" ruft. Bild und Ton eines Films werden nämlich meist getrennt aufgenommen und hinterher zusammengeflickt. Bei meinen Produktionen nehme ich oft das Bild der Handy-Kamera oder einer Spiegelreflex auf, deren Mikros dürren Sound produzieren. Gleichzeitig nimmt ein Studio-Mikrofon den guten Ton auf und der Laptop schneidet diese Aufnahme mit.

Anschließend muss dann ein Schneidemensch den Film so zusammenflicken, dass der Schauspieler genau zu dem Zeitpunkt die Lippen schürzt, an dem auf der guten Tonspur "o" zu hören ist und keine Verschiebung auftritt, wie bei einer schlechten Raubkopie. Das ist eine unglaublich nervige Fitzelei, die man nie ganz genau hinbekommt, aber genau hier kommt die Tafel zum Einsatz: Am Anfang der Filmszene klappt der Balken auf die Tafel, und auf der Tonspur hört man das zugehörige Schnackelgeräusch, in der Schneidesoftware auch grafisch als Spitze dargestellt - und zack!, kann man beide Spuren so verschieben, dass die Tonspitze mit dem Bild des zuschnappenden Balkens übereinstimmt. Alles Folgende stimmt dann ebenso wie bei einer oscarreifen Hollywood-Produktion. Ich hab mir natürlich auch sofort auf Amazon so eine Schnackeltafel gekauft, kostete ja nur 10 Dollar. Lustigerweise fand ich erst viel später heraus, dass die Schneidesoftware "Final Cut Pro" einen Video-Track mit schlechtem Audio automatisch mit einem separaten per Mikro aufgenommenen Audiotrack synchronisieren kann. Was heutzutage alles geht!

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Letzte Änderung: 20-Sep-2021