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  Rundbrief Nummer 151  
San Francisco, den 20.12.2023


Abbildung [1]: Zur APEC-Konferenz wurden die Straßen San Franciscos mit Zäunen abgeriegelt.

Angelika Selbst deutsche Zeitungen haben dieses Jahr viel über den Niedergang von San Francisco geschrieben, und besonders Downtown San Francisco als apokalyptischen Ort charakterisiert, wo nur noch Obdachlose und Drogenabhängige durch die Straßenschluchten taumeln. Ganz so schlimm ist es noch nicht, obwohl es richtig ist, dass gerade San Franciscos Innenstadt mit horrenden Problemen zu kämpfen hat, die sich in der Pandemie verstärkten und verselbstständigten.

Seit der Pandemie stehen über 30% der Bürogebäude in San Franciscos Innenstadt leer, da der neue Arbeitstrend mit Homeoffice sich durchgesetzt hat, zumindest für drei Tage in der Woche. Viele Firmen haben ihre Büros verkleinert, was in Downtown San Francisco dazu führt, dass weniger Menschen die Geschäfte der Innenstadt frequentieren, oder ihren Kaffee und ihr Mittagessen dort kaufen und verzehren, was dann wieder zu Schließungen von Geschäften führt, weil die Kundschaft weggebrochen ist. Ein Teufelskreis.

Schon vor der Pandemie kämpften Städte weltweit allgemein mit dem Konzept Innenstadt als Einkaufsparadies, hauptsächlich durch den Boom des Onlinehandels. San Francisco kompensierte das vor Corona und dem Lockdown ganz gut durch Touristen und Konferenzen, die Hotels in Downtown füllten und die Läden am Laufen hielten. Und solange der Stadt die Steuereinnahmen nicht wegbrachen, ignorierten die Politiker der Stadt geflissentlich, dass Firmen, die große Konferenzen regelmäßig im Moscone Center abhielten, damit drohten, ihre Konferenzen woanders abzuhalten, falls San Francisco nicht aufräumen würde. Schließlich sollten Konferenzteilnehmer nicht um Zelte auf Bürgersteigen navigieren, oder mit extremer Vorsicht schreiten müssen, um nicht in gebrauchte Spritzen zu treten.

Jetzt ist die Lage so, dass zwar Touristen langsam wieder in die Stadt zurückkehren. Allerdings hat der Leerstand der Büros sich nicht eklatant verbessert. Die Fentanyl-Krise, die auch in Downtown San Francisco tobt, besonders im angrenzenden Viertel Tenderloin, hat die jahrzehntelange Obdachlosenkrise noch einmal verschärft. Es wird sicher Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis sich strukturell etwas verändern wird. Und so setzt die Stadt jetzt auf oberflächliche Verschönerungen und Verbesserungen wie den weiter unten erwähnten Skatepark.

Abbildung [2]: Rundbriefreporter erkunden die Lage hinter dem Zaun.

Für die APEC-Konferenz (Asia-Pacific Economic Cooperation), die Mitte November im Moscone Center in Downtown San Francisco stattfand, lief diese Maschinerie auf Hochtouren und nahm schon fast groteske Formen an. San Francisco erwartete nicht nur hochrangige Diplomaten sondern auch US-Präsident Biden und das Staatsoberhaupt Chinas, Xi Jinping, in der Stadt. Wie bei uns zu Hause, wenn Besuch sich angekündigt hat, wurde aufgeräumt und gewienert, was das Zeug hält. Dabei kehrte man auch einiges unter den Teppich, Hauptsache der Dreck war weg. Das erinnert mich an meine Teenagerjahre, wo ich des öfteren einmal alles in den Schrank stopfte, damit mein Zimmer aufgeräumt aussah.

Abbildung [3]: Im abgeriegelten Moscone-Center fand die Konferenz statt.

Die Verantwortlichen in San Francisco sorgten nicht nur dafür, dass Biden und Xi Jinping keine Zelte mit Obdachlosen zu Gesicht bekamen. Auch das Graffiti verschwand über Nacht, kein Müll lag mehr auf der Straße herum und selbst die Laternenpfähle erhielten einen neuen Anstrich. Wegen der aufwändigen Sicherheitsbestimmungen zäunte man dann kurzerhand noch den ganzen Bereich um das Moscone Center ein. San Franciscos Bevölkerung fragte verwirrt nach, wie es denn sein könne, dass die Stadt so plötzlich aufgeräumt wird, falls hochrangige Politiker in die Stadt kommen, aber sich sonst niemand darum schert.

Lustigerweiser gab unserer Gouverneur Gavin Newsom diese Charade bei einer Pressekonferenz zu, allerdings bedingt durch eine freudsche Fehlleistung: "Oh they're just cleaning up this place because all those fancy leaders are coming to town. That's true, because it's true" ("Oh, sie räumen die Stadt nur auf, weil hochtrabende Staatsoberhäupter zu Besuch kommen. Das ist wahr ... weil es wahr ist.") Um gleich darauf zurück zu rudern: Denn angeblich ging es schon vor Konferenz ums Aufräumen in San Francisco. Was haben wir gelacht.

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Letzte Änderung: 08-Feb-2024