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Angelika/Mike Schilli |
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Angelika Durch meinen Jobwechsel bedingt, unterrichte ich jeden Tag in meiner zweiten Klasse das Fach "Soziales Emotionales Lernen" ("Social Emotional Learning"), eine 40-minütige Schulstunde über positives Sozialverhalten. Wir haben dabei Kernthemen, die wir in einem Schuljahr abdecken müssen, wie zum Beispiel friedliche Konfliktlösung, Förderung von Klassengemeinschaft und Freundschaften, Strategien zum Abbau von Aggressionen, Lernen zu verlieren usw., aber auch viel Freiheiten, wie wir die einzelnen Themen angehen und was wir für Materialien benutzen wollen.
Durch meinen vorherigen Job mit den autistischen Kindern und durch das Leiten der sozialen Gruppen für diese Kinder, sowie die von mir entworfenen Sommercamps habe ich schon viele Materialien und Aktivitäten in petto, die ich auch in meiner zweiten Klasse verwenden kann. Aber als im Februar meine Kollegin, die den Grundschulstoff unterrichtete, kurzerhand kündigte, übernahm ich für einige Wochen auch noch Sozialkunde, Naturwissenschaften und Kunst, bis wir eine Springkraft bis zum Ende des Schuljahrs fanden. Da ich ja keine ausgebildete Grundschulleherin bin, musste ich mich in die ganze Materie etwas einarbeiten. Auch in den USA gibt es so etwas wie einen Lehrplan ("Common Core Standards") in den einzelnen Bundesstaaten, in dem steht, was in den einzelnen Fächern unterrichtet werden muss und was die Kinder bis zum Ende des Schuljahres gelernt haben müssen. Ich konnte das auch nur übernehmen, weil wir eine private Schule sind und keine öffentliche, denn an öffentlichen Schulen kann man nur unterrichten, wenn man eine kalifornische Lehrerlaubnis besitzt ("California Teaching Credential"). Übrigens gibt es das Fach "Social Emotional Learning" in der Regel nicht als offizielles Fach an Schulen. Das ist etwas ganz besonderes an unserer Schule.
Also stöberte ich in den Unterrichtsmaterialien, die wir in unserer Schule haben, aber befragte natürlich auch das Internet, um die Schulstunden für meine Schüler interessant zu gestalten. Das Internetportal "Teachers Pay Teachers" ("Lehrer zahlen Lehrer") ist mein absoluter Favorit. Auf der Webseite finden Lehrer Materialien und ganze ausgearbeitete Schulstunden, die sie für ein geringes Entgelt erwerben können. Die Idee ist genial, denn Materialien zu erstellen ist mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden. Außerdem profitiert jeder von den Ideen anderer. Ich kaufe zum Beispiel oft Materialien auf der Seite, die ich als Grundlage hernehme, aber dann für meine Zwecke und meine Schüler abändere.
Die Idee dazu stammt von Paul Edelman, einem Lehrer aus New York, der im Jahr 2006 "Teachers Pay Teachers" gegründet hat. Mitterweile stehen drei Millionen ausgearbeitete Schulstunden oder andere Materialien auf dem Portal zum Verkauf. Fünf Millionen Lehrer nutzen den Service. Die Materialien sind nach Themen/Fächern und Altersstufe geordnet. Um Materialien auf der Seite zu erwerben, braucht sich der Käufer nur anzumelden, was nichts kostet, und kann dann per Kreditkarte oder PayPal einkaufen. Die meisten Materialien werden einfach im PDF-Format heruntergeladen und sind fertig zum Ausdrucken. Je nach Umfang der angebotenen Materialien kosten sie oft zwischen $2.50 und $5. Das ist in der Regel, was ich ausgebe. Es gibt auch ganze Lerneinheiten zu kaufen, die dann schon einmal $15 oder auch bis zu $30 kosten.
Um etwas auf der Seite zu verkaufen, muss sich der Interessierte als Käufer registrieren. Dabei gibt es zwei Modelle. Das eine kostet nichts, das andere für den Verkäufer $59.95 im Jahr. Wählt der Lehrer, der seine Produkte auf der Seite anbieten will, die Gratisvariante, nimmt "Teachers Pay Teachers" als Gebühr 30 Cents per Transaktion und der Lehrer erhält 55% des Verkaufspreises. Die zweite Variante mit dem jährlichen Mitgliedsbeitrag erhöht den Anteil, den der Verkäufer erhält, auf 80%, und die Transaktionsgebühr sinkt auf 15 Cents für Bestellungen unter $3. Es gibt dann noch andere Regeln, an die sich die Verkäufer halten müssen, wie zum Beispiel dass die Materialien, die sie "Teachers Pay Teachers" verkaufen, nicht anderswo im Internet von ihnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Übrigens bieten viele auch Dinge auf dem Portal an, die nichts kosten.
Es gibt einige Lehrer, die mittlerweile das Unterrichten in der Klasse aufgegeben haben und "Teachers Pay Teachers" als ihre Haupteinnahmequelle nutzen, weil es sich für sie mehr rentiert, wobei dies doch wohl eher die Ausnahme ist. Die meisten verdienen sich aber ein ganz gutes Taschengeld dazu. Es gibt übrigens kritische Stimmen, die sagen, dass der Austausch von Materilien zwischen Kollegen nichts kosten dürfe. Ich sehe das nicht so verkniffen. Wieso soll man nicht für etwas entlohnt werden, an dem man stundenlang gesessen hat?
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