Michael Nach vier Tagen rollten wir unser Gepäck auf eisigen aber teilweise gesalzenen Gehwegen zum etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Bahnhof "Gare Central" in Montreal, um ins etwa 250km entfernte Quebec zu fahren. Die Stadt Quebec nennt der Kanadier übrigens "Quebec City", denn sowohl Montreal als auch Quebec City liegen im kanadischen Bundesstaat Quebec. In den vorgebuchten Großraumwagen durfte man keine schweren Koffer mitnehmen, und so gaben wir diese wie am Flughafen vorher bei der Gepäckstelle ab. Allerdings wollte niemand unsere Ausweise sehen oder uns durch irgendwelche Bodyscanner jagen, und der Gepäckmann erlaubte sich sogar einen Scherz, als er sich unsere Pässe schnappte und kurz hinter seinem Rücken versteckte. Schon eine halbe Stunde vor der Abfahrt bestiegen die meisten Fahrgäste den Zug, der zwar nicht sehr schnell fuhr (etwa 100 km/h) aber immerhin eine relativ zügige Internetverbindung per Wifi bot.
In Quebec angekommen, stellten wir fest, dass die Temperatur von "frostig" auf "brutal kalt" gefallen war. Während unseres Aufenthalts lag sie teilweise bei -26 Grad, und wenn einem dann noch der kalte Wind ins Gesicht pustet hat der Spaß ein Loch.
Quebec ist richtig alt (zumindest wenn man aus Amerika kommt) und seine Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Eine Steinmauer umrundet die auf einem Berg gelegene Altstadt "Haute-Ville", vor der aus man eine ebenfalls alte aber tiefer gelegene Altstadt namens "Basse-Ville" entweder über eine Art Zahnradaufzug oder die Straße erreicht.
Es stehen alte Kanonen herum und es lohnt sich, allerhand altes Gemäuer zu besichtigen. Während sich die Stadt in den Sommermonaten in eine möglicherweise abartige Touristenhochburg mit Festivals und Shops und Restaurants verwandelt, ist sie im Winter charmant verschlafen. In den Restaurants freuen sich die Besitzer auf die wenigen Gäste und übersetzen einem erfreut die gesamte französische Speisekarte auf Englisch.
Wer gernt fotografiert und gutes Licht zu schätzen weiß, kommt hier voll auf seine Kosten, denn das waagrecht einfallende Sonnenlicht erzeugt eine bombastische Stimmung. Die Luft ist wegen der extremen Kälte glasklar, das einzige Problem ist es, den Auslöser zu treffen, ohne die Fäustlinge abzustreifen! Damit man an der Fußgängerampel ohne großen Aufwand den Druckknopf betätigen kann, wurden diese in Quebec durch Sensoren ersetzt, an die man einfach den Handschuh hinhalten muss, damit er durchschaltet (Abbildung 5).
Insgesamt ist der französisch sprechende Teil Kanadas viel interessanter als die Westküste. Dort sind die Städte eher ein Abklatsch amerikanischer Vorbilder (Vancouver oder Toronto sind San Franciscos für Arme), aber im Osten herrscht wirklich eine erfreulich eigenständige Kultur. Wir haben unsere Französischkenntnisse aufpoliert und eine Menge guter Gerichte verzehrt. In Montreal habe ich zum Beispiel mal ein Filet Mignon gegessen, das ich noch nirgendwo auf der Welt so zart serviert bekam. Der Französisch-Kanadier kocht allerdings viel mit Butter, so dass sich nach einiger Zeit ein leichtes Völlegefühl einstellt. Die Leute sind äußerst freundlich -- man darf nur nicht vergessen, auf französisch zu reden anzufangen, und wenn's nur der erste Satz nach einem Tisch für zwei im Restaurant ist. Danach ist das Eis gebrochen.
Wer noch mehr Urlaubsbilder aus Montreal und Quebec sehen möchte, kann dies auf Flickr tun.