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  Rundbrief Nummer 36  
San Francisco, den 01.02.2002


Lage der Nation

Zur Lage der Nation: Viel Wirbel herrscht zur Zeit in San Francisco und Umgebung um den von den Medien zum amerikanischen Taliban-Kämpfer gekürten John Walker. Der 20-jährige Amerikaner wuchs im reichen "Marin County", dem Landkreis vor den Toren von San Francisco (nördlich der Golden Gate Bridge) auf und konvertierte im zarten Teenageralter zum Islam. Nach Zwischenstationen in verschiedenen arabischen Ländern endete er schließlich in Afghanistan und fiel dort Anfang Dezember US-Truppen in die Hände. Walker steht unter dem Verdacht, an der Seite des Taliban und der Al Qaida gekämpft zu haben und ist deshalb wegen Verschwörung und Ermordung von Amerikanern und wegen Beihilfe zum Terrorismus angeklagt, was bei einer Verurteilung lebenslange Haft bedeutet. In San Francisco hören wir zuweilen schon den ein oder anderen schadenfrohen Kommentar, dass der "Marin County" einen Taliban-Kämpfer hervorbrachte. Das liegt daran, dass San Francisco seit jeher die Nase über "Marin County" rümpft: "Zu weiß" und "zu reich" ist das einhellige Urteil. John Walker, der Sprössling eines wohlhabenden Rechtsanwaltes, passt da ins Bild. Auf nationaler Ebene entfachte "Johnny" eine hitzige Diskussion, über die Ehre, ein amerikanischer Staatsbürger zu sein. Viele erboste sein Verhalten so, dass sie ihm am liebsten gleich die Staatsbürgerschaft aberkennen würden: John Walker als Staatsfeind Nummer 1. Andere zeigten sich mildtätiger und betonten, dass es sich um einen ideologisch verwirrten jungen Mann handele, aber man dürfe bei allem nicht vergessen, dass er Amerikaner sei. Ich als neutraler Beobachter finde interessant, dass Walker nicht etwa wie die afghanischen Gefangenen auf die amerikanische Militärbasis nach Kuba gebracht wurde, sondern auf amerikanischen Boden. Auch erwartet ihn das Bundesgericht in Alexandria (Bundesstaat Virginia) und kein Militärgericht. Da kommt der Verdacht auf, dass die US-Regierung ihn doch mehr als verlorenen Sohn ansieht.

Apropos verwirrte junge Männer: Sicherlich kam euch auch in Deutschland zu Ohren, dass ein 15-Jähriger in Florida die Terroranschläge auf das World Trade Center nachahmte, um Selbstmord zu begehen. Er flog mit einem Kleinflugzeug ins Bank-of-America-Gebäude in Tampa. Angeblich drückte er in seinem Abschiedsbrief Bewunderung für Osama Bin Laden aus. Sofort diskutierte man die Sicherheitsbestimmungen auf Flughäfen mit Privatmaschinen und betrieb Ursachenforschung hinsichtlich des Selbstmordes. Sogar die Akne-Medizin des 15-Jährigen kam auf die Liste: Sie steht im Verdacht, schwere Depressionen auszulösen. Mit Erstaunen verfolgte ich, dass niemand in Frage stellte, dass es einem 15-Jährigen in diesem Land erlaubt ist, das Fliegen zu erlernen, wo er in den meisten Bundesstaaten noch nicht einmal Alkohol käuflich erwerben konnte, weil er unter 21 ist. Sicherlich durfte er nur mit einem Fluglehrer in die Lüfte steigen, aber man sieht ja, wie leicht es für den 15-Jährigen war, den Lehrer auszutricksen und alleine in die Cessna zu springen.

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