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  Rundbrief Nummer 153  
San Francisco, den 29.04.2024


Abbildung [1]: Schon die Anfahrt stimmt auf die Wüstenlandschaft ein

04/2024
Angelika Wer wie ich an einer Schule arbeitet, kommt in den Genuss der vielen Ferien, und das ist ein echtes Luxusgut in den USA. Und da Michael nun seit neustem freischaffender Programmierer und Surfer ist und deshalb zeitlich sehr flexibel, können wir meine Ferien zum gemeinsamen Reisen nutzen.

Um Weihnachten hatte ich gleich mehr als zwei Wochen Ferien, und eine Woche davon fuhren wir runter in die Anza-Borrego-Wüste, die sich circa 85 Kilometer nordöstlich von San Diego befindet. Dort waren wir vor vielen, vielen Jahren schon einmal gewesen, und wir hatten uns schon lange vorgenommen, dort mal wieder hinzufahren. Wir packten unseren Honda Fit, von uns liebevoll Brummi genannt, voll und düsten runter in den Süden, mit einem Zwischenstopp in Santa Barbara. Dort waren wir auch schon ewig nicht mehr gewesen.

Abbildung [2]: Verrostete Metallskulpturen mitten in der Wüste

Die "Anza-Borrego Desert" ist übrigens der größte State Park in Kalifornien. Touristen zieht es oft in die bekannteren Nationalparks wie zum Beispiel Joshua Tree in Südkalifornien, aber mir sind mittlerweile die State Parks fast lieber, weil sie meist nicht so überlaufen sind. State Parks sind Naturschutzgebiete, die von den einzelnen Bundesstaaten verwaltet und finanziert werden, wohingegen für Nationalparks die US-Regierung zuständig ist beziehungsweise der National Park Service, also eine Bundesbehörde.

Abbildung [3]: Angelika radelt auf der Landstraße durch die Wüste.

Bevor wir in die USA zogen, hatte ich eine etwas einseitige Vorstellung von Wüstenlandschaften, frei nach dem Motto: Dort ist es heiß, es gibt viel Sand, es regnet dort nie, und es wächst kaum etwas. Das stimmt natürlich so nicht ganz. Die Temperaturen sind natürlich schon brutal, vor allen Dingen in den Sommermonaten, aber die Pflanzenwelt ist reichhaltig und sehr faszinierend, weil es dort eben besonders robuste Pflanzen gibt, die der Trockenheit und den Witterungsbedingungen trotzen. Das gilt natürlich auch für die Tierwelt: In der Anza-Borrego-Wüste leben zum Beispiel Eidechsen, Berglöwen, Kojoten, Dickhornschafe.

Abbildung [4]: Wohnhaus mitten in der Wüste.

Es stimmt zwar, dass es dort selten regnet, aber nichtsdestotrotz registrieren sie dort Niederschläge in den Wintermonaten, und zwar etwa 6 inches, also ca. 150 Millimeter, pro Jahr. An unserem Abfahrtstag nieselte es zum Beispiel. Die Anza-Borrego Desert könnt ihr euch am besten als gebirgiges Gelände mit versteckten Schluchten, aber auch grandiosen Weiten vorstellen, ein Paradies für jeden Wanderer und Naturliebhaber. Was mich in der Wüste immer am meisten fasziniert ist, wie leise es dort ist. Ein Genuss für Städter wie uns.

Abbildung [5]: Beim AirBnB war ein Pferd mit dabei.

Wir mieteten uns ein klasse Airbnb in dem Ort "Borrego Springs". Das Häuschen war nicht nur super ausgestattet, sondern für kalifornische Verhältnisse äußert preisgünstig, dass ich schon erst dachte, da müsste ein Haken dran sein. Dem war aber nicht so. Hinterm Haus lebte zwar ein Pferd. Dieses mussten wir aber nicht mit versorgen. Aber Apache Tears, so war der Name des Pferdes, freute sich immer über ein paar Streicheleinheiten und etwas Aufmerksamkeit und trug zur unserer Urlaubsidylle in der Wüste bei. Auch Fahrräder hatte unsere Unterkunft zur freien Benutzung. Da Michael, durch seine Meniskusoperation bedingt, noch nicht jeden Tag eine Mammutwanderung machen konnte, aber radeln kein Problem war, freuten wir uns über dieses Transportmittel.

Abbildung [6]: Eine gute Wirtschaft mitten in der Wüste.

Die Wüstenlandschaft hatte sich trotz der dazwischen liegenden vielen Jahre unseres letzten Besuches erfreulicher nicht verändert, und wir waren von der Anza-Borrego-Wüste genauso begeistert wie beim ersten Mal. Borrego Springs war kulinarisch etwas besser aufgestellt. Was aber wirklich ins Auge stach, waren die riesigen Metallskulpturen, die sich überall in Borrego Springs geradezu surreal gegen den blauen Himmel absetzten. Die waren bei unserem ersten Besuch noch nicht da gewesen. Rostige Dinosaurier, Adler, Pferde sowie prähistorische Tiere verteilten sich nun in der Wüstenlandschaft. 130 dieser Skulpturen gibt es. Wie kommen diese nun in die Wüste? Was steckt dahinter? Ricardo Breceda fertigt diese im Auftrag von Dennis Avery seit 2008 an. Dennis Avery war ein amerikanischer Philanthrop, dessen Vater die recht erfolgreiche Firma Avery aufgebaut hatte.

Abbildung [7]: Mit dem Radel durch endlose Weiten.

Die Marke "Avery" kennt in den USA jeder sowie in Deutschland "UHU". Avery entwickelte die ersten selbstklebenden Etiketten. Dennis Avery trat nun zwar nicht selbst in die Firma ein, verfügte aber als Erbe über einiges Geld. Da er lange mit seiner eigenen Familie in Borrego Springs gelebt hatte und die Wüstenlandschaft liebte und schützen wollte, erwarb er ziemlich viel Land dort. Dann traf er Ricardo Brecado und setzte mit ihm die Idee der Skulpturen in der Wüstenlandschaft um und stellte diese einfach auf sein privates Land, das aber für die Öffentlichkeit frei zugänglich ist.

Abbildung [8]: Angelika knipst ein Foto der Metallskulptur.

Nun kann man sich über den künstlerischen Wert dieser Metallskulpturen sicherlich streiten, aber Borrego Springs hat definitiv eine neue Touristenattraktion. Und wenn das Areal dadurch nicht mit Häusern vollgestellt wird, ist mir das recht. Dennis Avery starb übrigens schon im Jahr 2012 im Alter von 71 Jahren, aber die Skulpturen werden jetzt von einer Stiftung verwaltet. Wir klapperten die Skulpturen mit unsern Fahrrädern ab, da das Gebiet sehr weitläufig ist und kamen uns vor wie in einer Filmkulisse.

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Letzte Änderung: 29-Apr-2024