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  Rundbrief Nummer 153  
San Francisco, den 29.04.2024


Abbildung [1]: Aus Malta flattern seltsame Mahnungen von Amazon.de ins Haus.

04/2024
Angelika Im November 2023 flatterten mir zwei dubiose Briefe von amazon.de ins Haus mit einem Poststempel aus Malta und einem Kopfbogen mit dem Logo von Amazon, das nicht einmal farbig war. Angeblich hatte ich etwas bei Amazon bestellt, aber die Lastschrift konnte nicht eingelöst werden und ich schuldete Amazon jetzt jeweils 101 Euro, die ich doch bitte umgehend and das Kreditinstitut HSBC Trinkhaus und Burkhardt überweisen sollte.

Es war nicht aufgelistet, was ich eigentlich bestellt haben sollte. Auch war merkwürdig, dass ich gleich zwei Briefe mit der genau gleichen Forderung und dann noch an meine amerikanische Adresse erhielt. Heutzutage werden Betrüger ja immer ausgefuchster. Mittlerweile hat sich aber herumgesprochen, dass man nicht auf irgendwelche Zahlungsaufforderungen per E-Mail oder SMS reagieren soll. Und so dachte ich mir, dass das Ganze dann ja einmal eine ganz neue Masche ist, um Leute abzuzocken.

Und da ich gar keinen deutschen Amazon Account sondern nur einen amerikanischen besitze, und es dort keine merkwürdigen Bestellungen gab, ignorierte ich die Sache zunächst einmal, weil Michael und ich glaubten, dass es sich um einen frechen Betrugsversuch handelte. Ich recherchierte zwar etwas im Internet und stellte fest, dass es anderen Kunden bei Amazon schon genauso ergangen war. Dabei gab es zwei Erklärungen für diese Briefe: Einmal die, dass die Briefe nicht echt waren. Als zweite, mehr besorgniserregende Variante wurde aufgeführt, dass jemand meine Daten benutzte, um damit in meinem Namen einen Account bei Amazon einzurichten, aber mit falschen Bankeinzugsdaten zum Beispiel. Mir ist zwar immer noch nicht ganz klar, wie das funktionieren soll, aber es sei hier einmal die Absurdität hervorgehoben, dass Amazon in Deutschland erlaubt, dass der Kunde sowohl per Rechnung einkaufen kann als auch per Bankeinzug und scheinbar wenig daran interessiert ist, die sich dadurch öffnende Betrugsmöglichkeiten zu schließen.

Abbildung [2]: Amazon.de erinnert an eine nie erfolgte Bestellung.

Ihr ahnt es schon, die Geschichte geht noch weiter. Im Februar kam dann per Post, wieder aus Malta, ein Brief vom Inkassobüro Riverty. Auch hier war nicht ersichtlich, ob es sich um eine sehr gute Fälschung handelte oder eine echte Forderung. Amazon arbeitet laut Internet tatsächlich mit diesem Inkassobüro zusammen. Bei Inkassofirmen hat man ja eh immer gleich den Eindruck, dass sie eigentlich ein Arm der Mafia sind. Auch der Brief strotzte nur so von Dingen, bei denen alle Alarmglocken bei mir losgingen, zum Beispiel die Aufforderung, dass ich ein SEPA-Einzugsmandat einrichten könnte und dann würde sich die Inkassofirma um alles kümmern, und ich hätte null Aufwand.

Nun soll man ja auch nicht wahllos irgendwelche Telefonnummern, die auf solchen Briefen aufgelistet sind, anrufen, da die unter Umständen auch zu Betrügern verlinken. So dachte ich mir, dann nehme ich doch erst einmal Kontakt mit amazon.de auf und schaue, ob die mir weiterhelfen können, denn eine Internetbefragung ergab, dass man solche Briefe nicht völlig ignorieren soll wegen der Möglichkeit des Identitätsbetrugs.

Gesagt, getan. Ich loggte mich also mit meinen amerikanischen Amazon-Account-Zugangsdaten auf der deutschen Amazonseite ein, und begann einen Chatverlauf, da ich gerne etwas schriftlich in der Hand haben wollte. Ich hatte mit dem amerikanischen Kundenservice von Amazon bis jetzt nur positive Erfahrungen gemacht, die sind auf zack und lösen Probleme immer umgehend. In meiner Naivität dachte ich, dass das bei Amazon Deutschland genauso wäre.

Abbildung [3]: Das Inkasso-Unternehmen Riverty nimmt die Hatz auf.

Es kostete mich zunächst einmal drei Versuche, bis überhaupt einer kapiert hatte, was mein Problem war und bereit war, mir zu helfen. Zunächst war ich mir nicht einmal sicher, ob ich mit einer Machine sprach oder einem Menschen. Die erste Info, die ich bekam, war, dass ich die Mahnung wegen eines technischen Problems erhielt und die E-Mail ignorieren sollte.

Halt, stopp, ihr aufmerksamen Leser habt es gemerkt. Ich hatte ja keine E-Mail erhalten sondern zwei Briefe mit der Post. Dann wurde mir versprochen, dass meine Anfrage an die entsprechende Abteilung weitergeleitet würde und ich sowohl eine Kopie dieser Anfrage erhalten würde und in 2-3 Stunden eine Rückmeldung erwarten könnte. Beides passierte nicht.

Beim nächsten Versuch wurde mir lapidar mitgeteilt, dass ich schließlich ein sogenanntes Amazon-Kids-Abo nicht bezahlt hätte und deshalb die Mahnungen erhielt. Es versteht sich von selbst, dass ich der Dame mit dem Namen "Meri" vorher schon erklärt hatte, dass ich nichts bestellt hatte und gar keinen deutschen Amazon-Account habe. Als ich die Dame dann fragte, ob sie mir wenigstens sagen könnte, ob jemand in meinem Namen einen Account angelegt hätte, schrieb sie im Chat, dass sie mir das aus Datenschutzgründen nicht sagen könnte. Da kann man doch nur noch schreien.

Auch versprach sie mir, mein Anliegen an die Sicherheitsabteilung weiterzuleiten, und die würden sich dann bei mir melden. Darauf warte ich immer noch. Beim dritten Versuch geriet ihn an den Bearbeiter Kirtiman Singh Rajavat und der machte endlich Nägel mit Köpfen. Er wies mich an, die Mahnungen und das Schreiben von der Inkassofirma an eine spezielle E-Mail-Adresse bei Amazon zu schicken, was ich dann tat. Nicht gerade vertrauenserweckend war, dass die Anforderung voller Fehler war, aber ich bekam dann eine Nachricht, dass erst einmal kein weiterer Handlungsbedarf mehr besteht von meiner Seite aus.

Es wurde mir zwar wieder angekündigt, dass ich noch eine Rückmeldung erhalten würde, aber diese lässt bis heute auf sich warten. Der Wahnsinn! Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob die Sache jetzt abgeschlossen ist oder mir demnächst dann ein Brief von einem deutschen Gericht ins Haus flattert. Manchmal sehne ich mich sehr nach den Zeiten zurück, wo man in richtigen Läden nur bar zahlen konnte.

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Letzte Änderung: 29-Apr-2024