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  Rundbrief Nummer 121  
San Francisco, den 20.08.2017


Abbildung [1]: Michael fährt das Mietfahrrad Probe.

Michael Seit San Franciscos kriminelle Gehwegcamper in unsere Garage eingebrochen sind und mein Fahrrad geklaut haben (Rundbrief 12/2014, Rundbrief 02/2016), habe ich dem Fahrradbesitz abgeschworen. Hin und wieder juckt's mich allerdings schon, eine kleine Spritztour zu unternehmen, mal schnell runter in den Stadtteil Mission zu brausen, um mexikanisches Essen zu holen oder nur mal so am Abend kurz vor Sonnenuntergang zum Vergnügen herzumzudüsen und Fotos von ulkigen Menschen in peinlichen Situationen zu schießen.

Abbildung [2]: Einige Stellplätze sind immer leer, damit ankommende Kunden ihren Drahtesel einstellen können.

Das GoBike-Programm war mir ein Begriff aus San Franciscos Finanzdistrikt, wo hier und da ein Dutzend bekorbter Omafahrräder vor Abschließeinrichtungen ähnlich dem Kofferkuliautomat am Flughafen stehen, die man angeblich nach dem Bezahlen eines Jahresmitgliedbeitrages freisetzen und damit herumfahren kann. Ausprobiert hatte ich das Angebot nie.

Letzte Woche rollten dann direkt vor unserem Mietshaus mir-nichts dir-nichts plötzlich Bauarbeiter an, stellten Parkverbotsschilder auf, und fingen an, einen infernalen Lärm zu erzeugen. Bevor die Nachbarn erraten konnten, was dann da wohl gebaut wurde, war die Installation fertig, und siehe da: Eine große Litfassleinwand pries ein sogenanntes "Bike Sharing" an, und ein halbes Dutzend Fahrräder standen bereits zur sofortigen Nutzung bereit.

Abbildung [3]: Mit der Smartphone-App bezahlt der Kunde und entriegelt sein Leihfahrrad.

Der Fahrradkuli steht ohne Schmarrn 10 Meter von unserer Haustür entfernt und frisst drei Parkplätze auf, worüber die Nachbarn im Nachbarschaftsforum "Nextdoor" (Rundbrief 09/2014) voll ausflippten, wohl auch weil die Stadt den Deal mit der vom Autobauer "Ford" geponserten Verleihfirma "Motivate LLC" heimlich still und leise abgewickelt und die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt hatte. Egal, unsere beiden Autos stehen ja in der Garage, und ich dachte mir, dieses neumodische Ding muss ich jetzt gleich mal ausprobieren. Also installierte ich die Telefon-App, bezahlte 3 Dollar für eine Einzelfahrt, wählte ein Omafahrrad aus und drückte den App-Knopf zum Entriegeln. Die App zeigte nun einen 5-ziffrigen Code aus den Zahlen 1-3 an ("31131" glaube ich), den ich über die drei Zifferntasten am Dock (Abbildung 4) eingab, worauf das schwere Schloss schnackelte und das Fahrrad heraussprang. Ich düste etwa 20 Minuten damit herum, runter in den Stadtteil Mission und dann ächzend wieder den Berg hoch. Alles in allem ein gelungener Start.

Abbildung [4]: Am Fahrrad-Dock muss der Kunde den Code eingeben, damit dieses das Fahrrad entsperrt.

Insgesamt wird "Ford GoBike" in den nächsten Monaten 2.000 Fahrräder in der Stadt San Francisco installieren und nochmal 1.500 in der East Bay. Eine Einzelfahrt von einer Station zur nächsten darf höchstens 30 Minuten dauern, dann kostet sie 3 Dollar. Behält der Radler das Fahrrad länger, kostet jede weitere Viertel(!)-Stunde nochmal 3 Dollar. Der Trick, mit dem die Firma trotz niedrigen Preisen (wahrscheinlich) dennoch schwarze Zahlen schreibt, ist, dass die Fahrräder nie länger als 30 Minuten auf der Straße sind, anschließend stehen sie wieder in einer Station und neuen Kunden zur Verfügung.

Ein Tagespass kostet 10 Dollar, ein 3-Tages-Pass 20 Dollar, berechtigt aber jeweils nur zu einer unbegrenzten Anzahl von 30-Minuten-Kurzfahrten. Wichtig: Alle halbe Stunde muss das Fahrrad also wieder an einer der etwa 100 über die Stadt verstreuten Parkstationen eingestellt werden. Und man kann nicht irgendwo in ein Museum oder einen Laden gehen, um dort einzukaufen, denn man kann das Fahrrad ja nicht absichern, und das Absperren mit einem mitgebrachten Schloss ist explizit in den Nutzungsbedingungen nicht erlaubt. Das Programm hilft also nur Leuten, die schnell mal 1 oder 2 Kilometer von A nach B radeln wollen, wobei sowohl bei A als auch B eine Fahrradstation in der Nähe ist. Da man auch jährlich 149 Dollar zahlen kann, bietet sich das vielleicht für Pendler an, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer Haltestelle mit Fahradstation fahren, dort ein Fahrrad entriegeln und zu einer Fahrradstation fahren, die einen Straßenblock vom Zielort entfernt ist. Vorausgesetzt, es führt eine Straße mit Radweg dorthin, denn als Radfahrer in San Francisco muss man höllisch aufpassen, dass man nicht über den Haufen gefahren oder von der aufschwingenden Tür eines geparkten Autos erfasst wird. Also: Helm mitbringen und auch aufsetzen!

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Letzte Änderung: 19-Nov-2017