Der deutsche Akzent wenn man Englisch spricht
Das mit dem deutschen Akzent ist eine Sache, an der ich zwar konstant arbeite, in der allerdings kein Land in Sicht ist: Wer sein Leben lang Deutsch gesprochen hat, kann wohl nie 100%ig tönen wie ein Amerikaner oder Engländer. Das ist wie wenn ein Amerikaner zwar fließend Deutsch spricht, aber an den "r"s und "w"s merkt man doch, dass die angloamerikanische Welt Buchstaben leicht anders ausspricht als die deutschsprachige. Damit da keine Missverständnisse aufkommen: Ich spreche weder wie Helmut Kohl oder grammatikalisch falsches Englisch und auch die Wörter, um das auszudrücken, was ich meine, wähle ich, soweit ich das draufhabe, entsprechend den lokalen Gegebenheiten, so sagt man in Amerika zum Beispiel oft Sachen, die man in keinem Englischkurs der Welt lernt wie "I'm gonna do this" für "Ich mach das" oder in Kalifornien "What's up, dude?" für "Wie geht's, Kumpel?" -- also am Slang liegt's nicht, das ist einfach zu kopieren. An was es tatsächlich hakt, ist, dass die Laute anders klingen. Da die Unterschiede minimal und für Nicht-Amerikaner kaum festzustellen sind, war mir das lange Zeit nicht bewusst, ich war immer der Auffassung, irgendwann würde das keiner mehr unterscheiden können, aber weit gefehlt: Je länger ich meinem Englisch zuhöre, desto klarer wird mir, wo die Unterschiede liegen. Aber natürlich gebe ich nicht auf, zur Zeit spiele ich bei AOL jeden Tag Pool-Billard mit einem Typen, der in einem schlechten Viertel von San Francisco aufgewachsen ist und mir die exakte Aussprache von Fachausdrücken aus den "Hoods" beibringt wie "Whyya sweaten me?" für "Ey, mach mich nicht an!", "Whaddup gee?" für "Hey, Kumpel!" und "Audi 5000" für "Tschüss". Mache ich dazu auch noch die Handbewegung, mit der schwarze Jugendliche in Straßen-Gangs eine Pistole symbolisieren, brechen die Jungs bei AOL endgültig vor Lachen zusammen. Mein alter Englischlehrer Haueisen dreht sich im Grabe herum.
Zurück zur Ostküste: Die Gegend, in der das Hauptquartier von AOL steht, besteht nur aus Autobahnen und Riesen-Supermärkten und ist wirklich schnarchlangweilig, da merkt man echt, was San Francisco mit seinem internationalen kunterbunten Durcheinander für eine Ausnahme an amerikanischen Städten ist. Wer wollte woanders wohnen!
29 Palms und der Joshua-Nationalpark
Die zweite Hälfte des Jahresurlaubs (1 Woche) verbrachten wir in den Wüsten unten bei San Diego. Innerhalb Kaliforniens kann man ja spottbillig umeinanderfliegen, so kostet der Flug von San Francisco ins rund 800 Kilometer weiter südlich gelegene San Diego und zurück pro Person nur etwa 100 Dollar. Dort ist das Wetter ein bisserl wärmer, in San Francisco regnet's ja gerne zur Winterzeit, und obwohl die Temperatur hier selten unter 5 Grad fällt, haben wir's doch lieber richtig sonnig. Nun kaufen wir ja regelmäßig jeden Freitag bei unserem "Pali" (wie Angelika immer zu dem palästinensischen Zeitungshändler um die Ecke sagt) die Süddeutsche Zeitung mitsamt dem "Magazin" und Angelika hatte dort gelesen, dass in einem kleinen Kaff in der Wüste namens "29 Palms" nicht nur 29 Palmen, sondern auch ein nettes Motel steht, das kleine Häuschen mit Kaminfeuer und so vermietet, in die auch gelegentlich illustre Gestalten vom nahegelegenen Palm Springs untertauchen, die dem ganzen Jet-Set dort müde geworden sind und in der billigen Absteige für ein paar Tage faul rumlümmeln wollen, um garantiert von niemandem erkannt zu werden -- denn den trüben Tassen, die in dieser Gegend am Ende der Welt wohnen, würde wahrscheinlich nicht einmal ein Licht aufgehen, falls Madonna und Dennis Rodman (für die älteren Herrschaften: Madonna ist eine Schlagersängerin und Dennis Rodman ein Basketballspieler mit grünen Haaren) Arm in Arm durch die Straßen ziehen würden. Leider wurden wir weder Cindy Crawfords im abgegabbelten Jogginganzug noch Steven Spielbergs in Badehose ansichtig, aber Angelika meinte bei einem tattrigen Herrn, der abends um die Bar herumschlich, das sei ein berühmter Regisseur, nur den Namen wisse sie gerade nicht. Na, wir hatten jedenfalls unseren Spaß daran, tagsüber die Wüsten in unseren legendären Bergschuhen zu erkunden, und die bemerkenswerte Luft einzuschnuppern, die jeder Feuchtigkeit mangelt und wie destilliert riecht -- die Berge rings um das Wüstengebiet riegeln jeden Regen ab, es scheint ungefähr 364 Tage im Jahr die Sonne. Trotzdem gedeihen dort allerlei Arten von dornigen Sträuchern und Kakteen, die schön anzusehen -- wenn auch nicht anzufassen -- sind. Klapperschlangen soll's auch zuhauf geben, wir haben zwar keine gesehen, aber einmal am Abend schien es uns, als hörten wir eine in der Ferne vor sich hinrasseln. Kssssrrr! Kssssrrr!