02.05.2008 Deutsch English

Amerikanischer Häusermarkt in der Krise

Abbildung [1]: Der Häusermarkt in den USA bricht zusammen.

Angelika Schon seit geraumer Zeit hat Michael prophezeit, dass der amerikanische Häusermarkt irgendwann zusammenbrechen würde. Regelmäßig schickte er an die Hausbesitzer in seinem Kollegenkreis Zeitungsartikel, die seine Hypothese unterstützten. Denn wir gelten ja ein wenig als Exoten, da wir immer noch zur Miete wohnen. In überteuerten Städten wie San Francisco und New York, wo Häuser- und Grundstückspreise plus der zu berappenden Grundsteuern schon lange surreale Züge angenommen haben, ist das allerdings finanziell gesehen durchaus die vernünftigere Lösung.

Aber ein Haus zu besitzen gehört zum amerikanischen Traum. Wer in den Kreis der Hausbesitzer aufsteigt, so die gängige Meinung, hat es in die Mittelschicht geschafft. Amerikanische Wahlkampfparolen enthalten dann auch stets Versprechungen, den Prozentsatz der Hausbesitzer, vor allen Dingen unter den Minderheiten, zu erhöhen.

Abbildung [2]: Hausangebote locken keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

Nun ist nach der Internetblase im Jahr 2001 vor kurzem tatsächlich auch die Häuserblase geplatzt und ließ auch noch gleich die internationalen Börsen wackeln. Das Jammern ist groß, wobei uns wunderte, dass das Ganze überhaupt solange gut ging. Dass die Häuserpreise nicht in dem irrwitzigen Tempo weiter steigen konnten, war eigentlich klar, allein schon wegen den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Aber der ungebrochene Optimismus vieler Amerikaner, niedrige Zinsen, gierige Makler und skrupellose Bankfuzzis, die das große Geld witterten und windige Kredite vergaben, führten blind in die Misere. Möchtegern-Hausbesitzer lockte man mit Fantasiekonditionen.

Viele Käufer zahlten beim Hauskauf nichts an und entschieden sich für Hypotheken mit variablem Zinssatz. Dabei ist der Zinssatz in den ersten ein oder zwei Jahren oft zunächst unschlagbar niedrig ist und steigt dann rapide an. Auch gab es Modelle, bei denen der Kreditnehmer zunächst nur die Zinsen auf die aufgenommene Summe abzutragen hatte, aber nichts von der Kreditsumme selbst. Aber warum ließen sich die Kreditinstitute auf solche riskanten Manöver ein? Solange die Hauspreise stiegen, war alles in Butter, denn selbst wenn der Hausbesitzer seinen Abtrag nicht mehr zahlen konnte, rieb sich die Bank die Hände, denn das Haus ging an die Bank zurück und die verscherbelte es dann zu einem weit höheren Preis.

Abbildung [3]: Selbst diesen Yuppie-Bunker will keiner haben.

Zusätzlich erfreuten sich die sogenannten "Home Equity Loans" größter Beliebtheit. Das sind Kredite, die Hausbesitzer auf den Wertzuwachs ihres Hauses aufnahmen. Ursprünglich dienten diese zum Beispiel dazu, Verschönerungsmaßnahmen am eigenen Haus zu finanzieren. In der Euphorie der Boomjahre gaben aber viele das Geld für andere Konsumgüter aus oder einfach, um sich einen höheren Lebenstandard zu leisten. Da die Häuserpreise aber immer weiter in den Keller gehen, sodass die Hypotheken bei Millionen von Amerikanern mittlerweile höher sind als der eigentliche Wert ihres Hauses, geht die Rechnung leider nicht mehr auf. Kreditkartenfirmen sorgen sich nun, dass ihre Kunden ihre Ausgaben mangels "Home Equity" nun stattdessen auf ihre Kreditkarten packen und diese dann irgendwann nicht mehr abbezahlen können. Vorsichtshalber haben sie deswegen den Zinssatz bei Leuten kräftig erhöht, die ihre Rechnungen nicht pünktlich zahlen und deswegen als risikoreich gelten.

Abbildung [4]: Diese heruntergekommene Butze geht wohl in einem kaputten Häusermarkt nicht so schnell weg.

Das Börsenbeben enstand nun wiederum, da die Kreditinstitute die Hypotheken an den Finanzmärkten weiter verkauften. Sie bündelten die Einzelkredite zu handelbaren Wertpapieren, die dann die Fachwelt auch noch als sicher einstufte. Als dann aber reihenweise die Hypothekenkredite wegen der fallenden Häuserpreise platzen, herrschte plötzlich Unruhe unter den Investoren. Kreditinstitute, die besonders eifrig in das Geschäft mit diesen eigentlich hochriskanten Wertpapieren investiert hatten, fuhren auf einmal hohe Verluste ein. Mittlerweile ist Vorsicht wieder die Mutter der Porzellankiste und die Banken vergeben Kredite nicht mehr so nach Lust und Laune. Deswegen allerdings erlahmt momentan die Wirtschaft. Auch der ewig konsumierende Amerikaner hat einen Dämpfer bekommen und hält scheinbar das Geld mehr zusammen. Zumindest trinkt er weniger Lattes und Frappucinos, denn die Kaffeehauskette "Starbucks" gab diese Woche Gewinneinbußen bis zu 28 Prozent bekannt.

Abbildung [5]: Der finanziell gebeutelte Kunde spart als erstes an kleinen Vergnügungen, wie einer Tasse Kaffee bei Starbucks.

Aber Rettung ist in Sicht. Ab dieser Woche verschickt das Finanzamt auf Anordnung von Präsident Bush und dem amerikanischen Kongress Schecks an die Bürger, damit sie wieder fleißig konsumieren. Jeder, der 2007 eine Steuererklärung abgegeben hat, ein Einkommen von mindestens $3.000 hatte und eine Sozialversicherungsnummer besitzt, erhält von Vater Staat bis zu $600 ($1.200 für Verheiratete mit gemeinsamer Steuererklärung). Für jedes Kind unter 17 werden nochmal $300 drauf gepackt. Besserverdienende müssen sich allerdings mit weniger zufrieden geben. Dass die geschenkten Sümmchen das Ruder rumreißen, bezweifeln allerdings die meisten Wirtschaftsexperten.

Abbildung [6]: Aber der Präsi schickt uns Geld ...
Abbildung [7]: ... damit die Wirtschaft angekurbelt wird!

Laut neusten Statistiken, die Anfang der Woche herauskamen, hat Kalifornien neben Florida, Arizona und Nevada den höchsten Anteil an zwangsversteigerten Häusern ("foreclosure"). Interessanterweise sieht die Statistik für San Francisco anders aus. Zwar gehen die Häuser in den umliegenden Orten wie San Leandro, Daly City, Fremont reihenweise in den Besitz der Banken über, aber nicht in San Francisco. Hier stiegen die Häuserpreise nicht nur um 0.4 Prozent im März, sondern der Anteil der Zwangsversteigerungen lag darüber hinaus bei niedrigen 2.4 Prozent. Es gibt eben einen Haufen reicher Leute in San Francisco, die der wirtschaftliche Abschwung wenig tangiert oder auch Leute, die ihre Häuser schon seit Jahrzehnten besitzen. Außerdem zog es viele Ersthauserwerber in die umliegenden Städte, da die Häuser dort etwas erschwinglicher als in San Francisco selbst sind.

Dass die Mieten in einer Häuserkrise steigen, ist ja irgendwie logisch, denn mehr Leute drängen wieder auf diesen Markt. Auch da ist San Francisco Spitzenreiter, trotz niedriger Zwangsversteigerungen. Mieten sind in San Francisco im Vergleich zum letzten Jahr um 14.4 Prozent angestiegen. Irgendwie scheint es uns magisch in Städte zu verschlagen, die hohe Mieten mit sich bringen!


 
 
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Letzte Änderung: 26-Nov-2012