06.12.2002 Deutsch English

Wie wir so tolle Bilder machen

(Michael) Immer wieder fragen die Leute: Wie macht ihr so tolle Bilder? Antwort: Mit billigen Kameras und ein bisschen Erfahrung. Ich bekomme Anfälle, wenn ich höre, dass sich wieder irgendein Urlaubsfotografierer eine superteure Kamera kauft und damit natürlich genau gleichschlechte Bilder produziert. Teure Kameras sind unnütz. Wer für eine Spiegelreflex mehr als 250 Euro (Body) oder für eine Digitalkamera mehr als, sagen wir mal, 400 zahlt, wirft sein Geld zum Fenster raus. Wenn man nicht jeden Tag fünf Stunden lang fotografiert und seinen Lebensunterhalt damit verdient, bringen die zusätzlichen Funktionen überhaupt nichts. Ich bin ein ausgesprochener Fan von so genannten Point-and-Shoot-Kameras, die ein 35mm-Negativ produzieren und alles automatisch machen. Man kommt damit schon sehr weit, aber die Automatik versagt in Situationen mit schwierigem Licht. Wer Bescheid weiß, kann sie überlisten und korrigieren. Die heutigen Digitalkameras im oben genannten Preisbereich sind etwa auf diesem Stand.

Abbildung [1]: Schöne Farben dank parallel einfallendem Abendlicht

Wer bessere Papierbilder will, braucht eine Spiegelreflex und ein paar Objektive zum Wechseln. Es genügt eine einfache Belichtungsautomatik, die zu vorgewählter Blende die richtige Belichtungszeit auswählt. Programmautomatik ist Quatsch. Winder (automatische Aufzieher) können ganz praktisch, aber wegen dem Lärm, den sie produzieren, auch sehr störend sein. Spotmessung, okay, brauchbar für Fortgeschrittene. Autofocus ist Quatsch. Wer seine Bilder nicht von Hand scharfstellen kann, braucht eine Brille. Wer zu langsam ist, muss üben.

Wer die Qualität seiner Bilder steigern will, muss lernen, wie die Blende mit der Verschlusszeit und der Tiefenschärfe zusammenhängt, sonst ist Hopfen und Malz verloren. Man muss wissen, dass zu gutem Licht Sonne gehört, die möglichst parallel einfällt -- es ist kein Zufall, dass Profis nur in den frühen Morgenstunden arbeiten und den ganzen restlichen Tag faul rumlungern. Bei schlechtem Licht bleibt die Kamera eben in der Tasche, so einfach ist das.

Und man muss begreifen, dass es auf einem Foto immer nur eine Belichtung gibt. Umfasst der Bildausschnitt mehrere unterschiedlich helle Zonen, gibt's Probleme. Das Auge kann auf einen hellen Strand blicken und gleichzeitig noch im Schatten eines Sonnenschirms Details auflösen. Bannt man eine solche Szene hingegen auf Filmmaterial, gibt's zwei Möglichkeiten: Entweder man belichtet den Strand richtig, dann wird aber der Schatten so fatzendunkel, dass man keine Details mehr erkennt. Oder man misst auf den Schatten an, dann sieht man dort die Details, aber der Strand wird so granatenweiß, dass man beim Anblick des Fotos sofort erblindet. Man muss lernen, solche Problemzonen zu umgehen oder auch bei Tageslicht einen Blitz einzusetzen, um die Diskrepanz zu verkleinern.

Abbildung [2]: Mittelmäßige Lichtverhältnisse verhunzen die Farben

Am schnellsten lernt man, wenn man geschossene Fotos sofort nach dem Knipsen analysiert -- Digitalkameras sind dazu ideal. Es kostet nichts, mehrere Bilder vom gleichen Objekt mit unterschiedlichen Einstellungen zu knipsen und nur das beste nicht auf der Stelle zu löschen. Auch bei Papierbildern zahlt es sich aus, viele davon zu schießen. Von einem 36-er Film werden bei uns immer nur ein oder zwei Bilder wirklich gut.

Wer Papierbilder macht, sollte einen teuren Film verwenden und den teuersten Entwicklungsservice beanspruchen. Die Qualität eines Bildes setzt sich zu 90% aus fotografischem Können bei der Belichtung und dem Entwicklungsprozess zusammen. Die Fotoausrüstung spielt nur mit 10% hinein. Ein Profi kann auch mit einer Lochkamera (Pappkarton mit Loch) hervorragende Bilder produzieren. Ein Amateur produziert auch mit einer Nikon F5 nur Müll.


 
 
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Letzte Änderung: 14-Aug-2024