01.05.2001 Deutsch English

Fotos im Rathaus von San Francisco

Die City Hall -- das Rathaus von San Francisco
Die City Hall -- das Rathaus von San Francisco

(Angelika) Hurra! Heute fange ich an und gebe gleich mit meiner Fotoausstellung im Rathaus von San Francisco an. Bürgermeister Willie Brown hat damit allerdings nichts zu tun. Vielmehr schmücken derzeit drei meiner Fotos die heiligen Hallen der "City Hall" (so heißt Rathaus auf Englisch), und zwar im Rahmen einer Gruppenausstellung meiner Fotogruppe, in der ich seit eineinhalb Jahren Mitglied bin. Wir nennen uns "Bay Area Photographers Collective" und bestehen aus etwa 30 Leuten. Kollektiv bzw. "collective" klingt in euren Ohren jetzt vielleicht etwas kommunistisch, aber in Amerika ist das ein ganz normaler Ausdruck und ihr müsst zugeben, dass er sich eleganter als "Verein" anhört. Folgende Idee steht hinter unserem Zusammenschluss: Wir unterstützen uns in unseren fotografischen Ambitionen.

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Wirtschaftskrise

Gibt's wegen der Wirtschaftskrise günstig zu kaufen: Gebrauchte italienische Luxusautos
Gibt's wegen der Wirtschaftskrise günstig zu kaufen: Gebrauchte italienische Luxusautos

(Angelika) Sicher habt ihr schon in diversen Zeitungen gelesen, dass sich der amerikanische Wirtschaftsboom deutlich verlangsamt hat. Nun ist es ja eine Sache, davon in der Zeitung zu lesen oder vor den Toren des Silicon Valleys zu sitzen und live dabei zu sein. Michael und mich hat doch sehr überrascht, wie schnell sich das Ganze verändert hat. Noch Ende 2000 suchten die High-Tech-Firmen Leute wie blöd und drei Monate später hagelte es Entlassungen und gerade gegründete und hochgepriesene Dot-Com-Firmen schlossen ihre Tore. Nun war ja abzusehen, dass das nicht immer so weitergehen konnte, denn schließlich weiß jeder, dass auf fette Jahre magere folgen. Hinzu kam, dass viele der jungen Dot-Com-Firmen ("Dot" bedeutet Punkt und "Com" Commercial, beides bezieht sich auf Bestandteile in der E-Mail-Adresse) zwar Investorengeld in Millionenhöhe bekamen, aber absolut keinen Profit machten. Und auch Millionen gehen irgendwann zur Neige.

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Neuerungen im Einwanderungsgesetz

(Angelika) Neulich berichtete das Fernsehen darüber, dass viele entlassene H-1B-Inhaber keinen neuen Arbeitgeber finden, der auch bereit ist, die erneuten Visumsformalitäten auszusitzen, und somit eigentlich das Land verlassen müssten. Einer war dabei, der sich schon fast im Besitz einer Green Card befand, entlassen wurde, und nun seinen Green-Card-Antrag in den Mülleimer werfen kann. Da wurde uns dann doch etwas mulmig, denn auch wir warten ja auf unsere Green Card. Dabei hatten wir uns noch vor kurzem auf der sicheren Seite gefühlt, denn Clinton schenkte uns, kurz bevor er abdankte, einen neues Gesetz mit dem wohlklingenden Namen "American Competitiveness in the Twenty-first Century Act of 2000" ("Amerikanische Wettbewerbsfähigkeit im 21. Jahrhundert, Tatbestand 2000"). Interessanterweise findet sich im Titel nichts von "Green Card" oder "Einwanderung" -- absichtlich, denn auch im Einwanderungsland Amerika steht man Einwanderern nicht uneingeschränkt positiv gegenüber.

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Pink-Slip Parties

Pink-Slip-Parties für arbeitslose Dotcommer
Pink-Slip-Parties für arbeitslose Dotcommer

(Angelika) Kalifornier sind ja bekannt dafür, dass sie einen unerschöpflichen Optimismus und Erfindungsreichtum an den Tag legen. So gibt es jetzt in San Francisco und anderen Städten des Silicon Valleys so genannte "Pink-Slip-Partys". Das sind Partys, die keinen anderen Zweck als den der informellen Stellensuche haben. "Pink Slip" heißt das Ganze deshalb, weil die Kündigung dem Arbeitnehmer in der Regel auf einem "Pink Slip" (rosa Formblatt) präsentiert wird. Bei diesen Feten tauschen sich also Jobsuchende und Stellenanbieter über einer Flasche Bier oder einem Glas Wein zwanglos in einer Diskothek aus. Ziel ist es, in angenehmer Atmosphäre Kontakte zu knüpfen und hoffentlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Keine schlechte Idee!

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Steuererklärung

(Angelika) Am 15. April gaben wir wieder einmal pflichtgemäß unsere amerikanische Steuererklärung ab. Ich musste mich wochenlang durch einen Berg von skurrilen Formularen quälen, fand es aber interessant, in den Nachrichten zu erfahren, dass der amerikanische Präsident und Vizepräsident ihre Steuererklärung offenlegen. Beide sind dazu zwar nicht gesetzlich verpflichtet, aber seit der Steueraffäre Nixons ist das üblich (Jimmy Carter ging dabei mit leuchtendem Beispiel voran). So erfuhren wir, dass Bush $894.880 verdiente und $240.342 Steuern zahlte, was einem Steuersatz von 26,9 % entspricht. Vizepräsident Dick Cheney brachte es auf über 36 Millionen Dollar und zahlte darauf ca. 14,3 Millionen Dollar Steuern (39,6%). Bushs Einkommen besteht größtenteils aus Investmenteinkommen und aus dem Verkauf seines Anteils am Baseball-Team "Texas Rangers". Wer jetzt über die vermeintlich niedrigen Steuersätze für Spitzenverdiener schreit, irrt sich. Denn die Prozentsätze beziehen sich nur auf die Bundessteuer ("federal tax") und berücksichtigen nicht lokale Steuern (state/city tax), die in den meisten Bundesstaaten noch anfallen (allerdings nicht in Texas, wo Bush ja bis jetzt gelebt hat). Und natürlich reduziert sich der Prozentsatz, je mehr abgesetzt wird. So spendete Bush z.B. 16 Prozent seines Einkommens, was absetzbar ist. Außerdem werden Gewinne aus Aktiengeschäften in der Regel nur mit 20% versteuert. Cheney hingegen zahlte den Spitzensteuersatz für die Bundessteuer, weil es sich größenteils um reguläres Einkommen handelte. Und nun erteile ich Michael das Wort.

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Konto/Schecks/Geldautomaten in den USA

Prima Geschäftsidee: Die Verknüpfung von Bank- und Spielautomat
Prima Geschäftsidee: Die Verknüpfung von Bank- und Spielautomat

(Michael) Danke! Hin und wieder taucht etwas Neues auf, da denke ich mir: Die Idee hätte auch von mir sein können. Neulich flatterte mit der Kontoabrechnung ein Prospekt ins Haus, der verhieß, dass man beim Bedienen des Geldautomaten der Bank Geld gewinnen könne. Diese Idee hatte ich bereits 1970! Aber ich muss für die deutschen Leser wohl etwas weiter ausholen und mache deswegen gleich ein Rundbrief-Schwerpunktthema draus: Geldgeschäfte in den USA!

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Gung Ho

(Michael) Ich wäre "gung ho", sozusagen! Denn schon sind wir wieder bei unserer Rubrik "Lerne amerikanisch sprechen mit den Profis". "Gung ho" (gesprochen Gang ho) ist ein Ausdruck, der von einigen während des zweiten Weltkriegs in Asien stationierten US-Truppen stammt: Er leitet sich vom Mandarin-Chinesischen 'gonghe' ab und meint, dass man entusiastisch einstimmt mit dem, was alle anderen machen. "I am gung ho with ..." heißt, dass man freudig zustimmt. Ohne Schmarr'n, das ist ein recht gebräuchlicher Ausdruck!

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Marathon-Planung

Marathon in SF
Marathon in SF

(Michael) Am 8. Juli werde ich den San-Francisco-Marathon mitlaufen. Jawohl, ihr habt richtig gehört: Der rasende Rundbriefreporter wird sich seine Laufschuhe umschnallen und mit ein paar tausend Verrückten 42,195 km weit quer durch San Francisco rennen. Nun bin ich zwar recht gut in Form, aber für so eine Tortur muss ein spezielles Training ran: Seit 8. März trainiere ich schon viermal pro Woche nach einem erprobten Spezialprogramm. Angefangen habe ich mit 5-Kilometer-Läufen, und steigere die Strecke wöchentlich, so dass sich die Muskeln langsam aufbauen können und keine Gefahr für Verletzungen besteht. Der längste Trainingslauf ist übrigens eine Woche vor dem San-Francisco-Marathon und 29 Kilometer lang. Die ganzen 42 läuft man also nur am Marathontag selbst und dann wahrscheinlich eine Woche lang überhaupt nicht mehr.

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Wein des Monats

Charles Krug, Napa Valley Cabernet Sauvignon, 1998
Charles Krug, Napa Valley Cabernet Sauvignon, 1998

(Michael) Und hier wieder die beliebte Rubrik: Jetzt-trink'-mer-no-ein-Fla-scherl-Wein! Diesmal ein delikates Weinderl, das für 13 Dollar beim Riesensupermarkt Costco im Regal stand und anscheinend nur dem rasenden Rundbriefreporter ins Auge fiel. Hält man seinen Zinken ins Glas, strömt einem etwas entgegen, was der amerikanische Weinkenner als 'liquorish' bezeichnen würde, also eine fast Brandy-ähnliche Note. Auch dem Duft von Mon-Cheri nicht unähnlich. Sehr lecker. Auf dem Gaumen schön ausgewogen, feine, unaufdringliche Tannine, ein wunderbar schwerer Rotwein, der sich am besten dazu eignet, sich am Abend in einen schweren italienischen Ledersessel zu kuscheln und ein hervorragendes Perl-Buch zu lesen. Aaah ....

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Top-Produkt: Der TiVo-Kasten

Kabelbox, Video-Rekorder und TiVo-Kasten
Kabelbox, Video-Rekorder und TiVo-Kasten

(Michael) Und hier das Rundbrief-Top-Produkt: Der TiVo-Kasten. Ihr in Deutschland habt ja mittlerweile auch das Problem, dass nur noch Kacke im Fernsehkasten kommt, die auch noch laufend von Werbung unterbrochen wird. In Amerika ist das noch viel schlimmer und deswegen hat sich die Firma TiVo einen Kasten ausgedacht, der einen kleinen Computer enthält, der das Fernsehprogramm laufend auf eine Festplatte aufzeichnet, während man fernsieht.

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Letzte Änderung: 25-May-2024