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  Rundbrief Nummer 148  
San Francisco, den 18.04.2023


Abbildung [1]: Stein des Anstoßes: Irische Butter in Alufolie.

04/2023
Michael Ihr wisst ja bestimmt, dass die Rechtslage in den verschiedenen Bundesstaaten der USA zum Teil sehr unterschiedliche Formen annimmt. Unser Bundesstaat Kalifornien ist zum Beispiel sehr schnell dabei, Gesetze zu erlassen, die (angeblich) dem Schutz der Allgemeinheit dienen, weswegen konservative Stimmen ihm das Etikett "Nanny State" (Ammenstaat) geben.

Ein Beispiel aus letzter Zeit: Als alter Sparfuchs kaufe ich Milchprodukte fast immer im Aldi-ähnlichen Supermarkt "Trader Joes", und Butter, die in Amerika extrem teuer ist (Pfund etwa $10), kostete dort immer nur $3.50 pro halbes Pfund. Die Marke "Kerrygold" aus Irland kam als Import an und schmeckte hervorragend, und wurde auch ungesalzen verkauft, während sonst amerikanische Supermärkte hauptsächlich gesalzene Butter anbieten.

Nun war von einem Tag auf den anderen die Kerrygold-Butter aus dem Kühlregal verschwunden. Gut, dergleichen kommt hin und wieder wegen Lieferengpässen vor, kürzlich gab's mal keine Eier, oder Toilettenpapier während der Pandemie-Krise, und so kaufte ich halt zähneknirschend das etwas teurere amerikanische Produkt. Aber als auch nach Wochen die Kerrygold-Butter nicht nur im Trader Joes, sondern auch beim Ökosupermarkt Rainbow, Whole Foods und selbst dem Megamarkt Costco fehlte, beschloss ich, der Sache auf den Grund zu gehen.

Wie sich herausstellte, war in Kalifornien am 1.1.2023 ein neues Gesetz ("Assembly Bill 1200") in Kraft getreten, das die chemische Verbindung PFAS ("Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen") im Einwickelpapier essbarer Waren verbot. Die Kerrygold-Iren hatten das Teufelszeug in ihre silbernen und goldenen Verpackungen gemischt gehabt, und wegen des neuen Gesetzes kurzerhand die Lieferung ihrer Butter gestoppt. Laut Nachrichten soll die Butter im neuen Papiermantel aber bald wieder zum Verkauf ausliegen.

Abbildung [2]: Altmodische Glühlampen sind in Kalifornien streng verboten.

Ähnliches gilt für altmodische Glühlampen: Wie ihr in Abbildung 2 seht, liefert Amazon diese zwar gerne nach weniger restriktiven Bundesstaaten wie Kentucky aus, aber eben nicht nach Kalifornien.

Abbildung [3]: Amazon weigert sich, Feuerzeugbenzin nach Kalifornien zu schicken.

Ein weiteres Aha-Erlebnis ist der Verkauf von Feuerzeugbenzin, sogenanntem Butan. Vor vier Jahren kam der übereifrige Politiker Grayson auf die Idee, ein Gesetz zu entwerfen, nach dem der Verkauf dieses Brennstoffs in Kalfornien zu regulieren sei -- angeblich nutzten viele Haschölproduzenten ihn zur illegalen Fabrikation ihrer Hippieprodukte. Das Gesetz wurde prompt mit einigen Änderungen (Grayson wollte auch noch eine Datenbank mit allen verkauften Butan-Fläschchen anlegen, das wurde aber abgelehnt) vom kalifornischen Senat angenommen und Gouverneur Newsom setzte seinen Fidibus darunter. Zwar schließt der Gesetzestext Nachfülldosen für Feuerzeuge und meinem Crème-brûlée-Brenner explizit von den Restriktionen aus, aber Amazon weigert sich (Abbildung 3) beharrlich, Nachfülldosen an unsere Adresse in San Francisco zu liefern. Auch muss man extrem lange suchen, bis man mal ein Flascherl im Supermarkt findet.

Abbildung [4]: Kein Butan mehr für meinen Crème-Brûlée-Brenner!

Abbildung [5]: Drogenfabrikanten kaufen Butan industriellen Größen.

Als Mitte Februar in einem relativ ruhigen Wohnbezirk San Franciscos, dem sogenannten "Sunset" mit hauptsächlich asiatischer Bevölkerung, aus heiterem Himmel eine Wohnung explodierte, stellte sich heraus, dass der Mieter dort ein Drogenlabor betrieben hatte. Zum Vorschein kamen dicke Fässer mit Chemikalien sowie großtechnische Riesengasflaschen mit Butan. Verantwortliche der Nanny-State-Verordnungen namen verblüfft zur Kenntnis, dass kriminelle Drogenfabrikanten keine Fläschchen mit Feuerzeugbenzin ordern, sondern sich die Rohstoffe auf effizienteren Wegen besorgen. Man lernt nie aus!

Grüße aus der Zentrale des Irrenhauses:

Angelika und Michael

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