Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 52  
San Francisco, den 29.11.2004

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Wie man den Job wechselt

Nach sieben Jahren bei AOL dachte ich mir: Wenn ich jetzt nicht kündige, muss ich in dem Laden bis zur Rente bleiben. Nun ist die Auswahl an erfolgreichen Firmen im Silicon Valley ziemlich groß und der Arbeitsmarkt wieder kurz vor dem Boomen, und so ergab es sich, dass die Firma Yahoo! (korrekt, mit Ausrufezeichen!) mit mir ein Telefon-Interview führte, Interesse zeigte und dann zu einem Vorstellungsgespräch einlud. Dort lief alles wie am Schnürchen, man kannte meine Perl-Module aus dem Internet und das Team und der Manager dort machten mir einen sehr kompetenten Eindruck. Kurz, wir wurden uns handelseinig, kurze Zeit später unterschrieb ich den Vertrag.

Doch wie kündigt man in einer amerikanischen Firma? Böse Zungen behaupten ja, dass ich nur so lange bei AOL geblieben bin, weil ich das Formular zum Kündigen nicht gefunden habe, aber das stimmt natürlich nicht. Man sagt einfach seinem Manager: "Ich bin nur noch zwei Wochen da." Das ist die so genannte "Notice" und man schickt sicherheitshalber noch eine Email mit folgendem Wortlaut an die Personalabteilung:

"The purpose of this email is to inform you of my resignation from my current position as [position] at [company]. My last day of work will be [mm/dd/yyyy]. I have accepted another position."

Das ist alles, zwei Wochen später ist man weg! Es gab natürlich noch viel zu organisieren, die Projekte mussten übergeben, ein "Brain Dump" für die Kollegen durchgeführt und allerlei Bürokram erledigt werden. Aber, man glaubt es kaum, es geht schon irgendwie. Es war natürlich nicht einfach, nach so langer Zeit, aber irgendwann muss man den Schlussstrich ziehen.

Bewirbt man sich bei einer Firma in Amerika, geht das am einfachsten, wenn man jemanden kennt, der schon dort arbeitet. Durch die massiven Entlassungen bei AOL in den letzten Jahren sitzen jetzt ex-AOLer überall im Silicon Valley: Bei Ebay, Paypal, Yahoo!, Amazon, Google, Adobe und vielen kleineren Firmen kann man sich zur Zeit recht einfach bewerben, wenn man seine Kontakte über die letzten Jahre gut gepflegt hat. Zum Teil sind so richtige Freundschaften entstanden, und wir treffen uns immer noch in recht regelmäßigen Abständen. Eigentlich sehr ungewöhnlich in Amerika, wo Arbeitskontakte sehr oberflächlich sind und sich kaum Leute finden, die wenigstens zusammen abends in die Kneipe gehen. Aber wir ex-AOLer sind zusammen durch dick und dünn marschiert, das schweißt zusammen.

Diplom- und Arbeitszeugnisse sind in Amerika viel weniger wert als in Deutschland. Klar, für einen Software-Entwickler-Job braucht man schon zumindest ein Diplomzeugnis (Bachelor oder Master) in Informatik oder einem anderen technischen Zweig. Die Details sind aber uninteressant, wichtig ist allein die Berufserfahrung und der persönliche Eindruck, den der Kandidat macht.

Aus diesem Grund legt man einem Bewerbungsschreiben niemals ein Zeugnis bei. Und auch kein Passbild oder Geburtsdatum, um Alters- und Rassendiskriminierung vorzubeugen. Statt dessen schickt man einen "Resume" wie in perlmeister.com/resume.html und bereitet sich dann auf einen Telefonanruf vor, der typischerweise eine Stunde dauert und vom einstellenden Manager geführt wird, der abklopft, was der Kandidat drauf hat. Klappt das, wird man eingeladen und spricht in der ersten Runde mit etwa 4-5 Leuten, jeweils etwa 30-45 Minuten lang. Darauf können noch weitere Runden folgen (bei Google habe ich gehört, sind's mehr als fünf).

Es gibt übrigens strenge Vorschriften, was der Einstellende in einem Job-Interview fragen darf und was nicht. Man darf nicht nach Alter, Religion, Ehestand oder Herkunftsland fragen. Nur "Sind Sie berechtigt, legal in den USA zu arbeiten?" ist erlaubt.

Am einfachsten klappt die Bewerbung, wenn jemand, der schon dort arbeitet, eine Empfehlung ausspricht. In Amerika wird sehr viel Wert auf persönliche Referenzen gelegt. So zahlen viele Firmen $1000, $2000 und sogar noch mehr, wenn ein Angestellter einen Kandidaten vorschlägt, der dann auch eingestellt wird.

Bei der Bewerbung gibt man dann auch etwa drei "Referenzen" an, Leute, die ein gutes Wort für einen einlegen. Und glaubt es oder nicht: Die einstellenden Manager rufen diese Leute meist tatsächlich an und fragen, ob der Kandidat ihrer Meinung nach etwas taugt.

Kurz vor dem Unterschreiben des Vertrags beauftragt die Firma dann einen Spezialisten für "Background Checks", der nicht etwa die Echtheit eines Diplomzeugnisses prüft, sondern einfach bei der Universität anruft und fragt, ob der Kandidat tatsächlich dort studiert hat. Und auch bei den angegebenen früheren Arbeitgebern ruft er an und prüft, ob der Kandidat auch wirklich dort gearbeitet hat.

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Letzte Änderung: 06-Jul-2008