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Zwei Deutsche in San Francisco und ihre Sicht der Welt. |
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Aktuelle Diskussion im Forum
Aus der guadn oidn Zeit im Silicon ValleyNachdem die legendäre Ära des Silicon Valley wohl langsam zu Ende geht, muss ich noch schnell einen rührseligen Bericht darüber schreiben, was für ein schlaues Leben wir Softwareentwickler hatten, als es noch hoch herging. Mittlerweile geht's ja nur noch bergab. Die Firmen werfen massenweise Leute raus, der Arbeitsmarkt ist wieder stark arbeitgeberlastig, es ist tatsächlich wieder mal schwierig, eine gute Position zu bekommen. Vorbei die Zeiten, in denen händeringend Leute gesucht wurden, und jeder, der "Java" buchstabieren konnte von der Straße aufgelesen, in der Limosine zur Firma gefahren und sofort eingestellt wurde. Jetzt ist es eher wieder wie in den frühen 90ern, als auf eine Zeitungsanzeige bis zu 900 Bewerbungen kamen. Ach ja, damals!
Am Eingang zum Netscape-Campus, auf dem rund 10 Gebäude stehen, steht, seitdem AOL Netscape gekauft hat, nicht nur das Netscape-N, sondern auch das AOL-Logo. Netscape hat die Gebäude übrigens nur gemietet und kürzlich einige davon aufgegeben. Vor etwa einem Jahr, auf dem Höhepunkt der Dot-Com-Seifenblase, erklärte sich die Firma Veritas bereit, sie zum Preis von 600 Millionen Dollar für 10 Jahre zu mieten. Nun ist natürlich der ganze Markt kollabiert und die Verhandlungen mit dem Vermieter wurden wieder aufgerollt. Man einigte sich darauf, dass Veritas die Gebäude nun für 280 Millionen Dollar kaufen darf. Zur Hälfte des ursprünglich verhandelten Mietpreises wechseln die Gebäude nun den Besitzer, das muss man sich mal vorstellen! Auch der Springbrunnen mit dem Netscape-Logo, vor dem Netscape-Gründer Marc Andreessen gerne für Zeitungen posierte, wurde verscherbelt: Ihn ziert nun das Logo der Firma "Verisign".
Aber genug der düsteren Prognosen. Lasst euren Silicon-Valley-Haudegen mal schwadronieren, bevor endgültig alles zusammenkracht: Zwischen den beigen Gebäuden stehen Parkbänke und Springbrunnen, damit man sich entspannen kann. Die jungen Leute! Der neue Chef von Netscape ist irgendwie 26 Jahre alt. Und ich komme mir immer uralt vor, wenn ich mir meine Kollegen ansehe, die gerade aus der Uni kommen. Ach ja, die Jugend muss noch viel lernen!
Die Kleiderordnung ist natürlich kalifornisch-leger, ich glaube ich habe in vier Jahren noch niemanden mit Krawatte gesehen. Im Sommer sind kurze Hosen und T-Shirts angesagt, Baseball-Kappen sind auch beliebt. In Lederschuhen laufe ich mir neuerdings wüste Blasen, da ich seit fünf Jahren nur Turnschuhe oder Birkenstöcker trage. Zuhause im Schrank hängt in einer Plastikhülle verschweißt ein Jackett, ein Hemd, eine Krawatte und eine "schöne" Hose -- falls mal der Supergau eintritt und ich mich irgendwo vorstellen muss. Bis dahin bleibt das Plastik dran.
Auch gibt es Pool-Billard, Kicker-Automaten, eine Minigolf-Anlage, draußen ein Beach-Volleyball-Feld, Basketball-Courts, eine Rollerhockeyanlage, und ein Putting-Green für Golfspieler. Auch ein eigenes Fitnesscenter mit Tretmühlen, Muskelmaschinen, allerlei modernem Gerät und Duschen wurde gebaut. Der zugrundeliegende Gedankengang ist freilich der, dass fast jeder Preis gerechtfertigt ist, die Leute so lange wie möglich in der Firma zu halten. Neulich las ich einen Artikel, in dem stand, dass jeder Manager von Softwareentwicklern sich fragen muss, was er falsch macht, wenn die Leute schon um 6 Uhr abends heimgehen ( http://arsdigita.com/asj/managing-software-engineers).
Ich habe übrigens ein kleines Programm eingerichtet, das eine Tischtennis-Rangtabelle implementiert und sich steigender Beliebtheit erfreut. Die Leute in der Abteilung können sich gegenseitig herausfordern und ihren Rang verbessern, indem sie nach minutiös von mir festgelegten Regeln gegeneinander antreten.
Außerdem steht im Tischtennisraum eine kleine Web-Cam (Computer-Kamera), die jede Minute ein Bild vom Tischtennisraum aufnimmt, so dass man ihn vom Arbeitsplatz aus über einen normalen Webbrowser beobachten und damit sehen kann, ob die Tischtennisplatte gerade frei für ein Match ist. Aber wie gesagt, die Zeiten sind vorbei: Derlei Gerät kann man derzeit günstig auf Zwangsversteigerungen von pleite gegangenen sogenannten "DotCom"-Firmen erwerben. Das reißt natürlich auch die übrige Wirtschaft rein, denn wenn die Silicon-Jockeys keine Millionen mehr verdienen, schmeißen sie das Geld auch nicht mehr mit vollen Händen raus. So ging zum Beispiel die Firma, die einmal die Woche auf dem Netscape-Parkplatz die Autos von Hand wusch und wachste, kürzlich pleite. Auch für Partyveranstalter, T-Shirt-Bedrucker und Spielgerätehersteller brechen harte Zeiten heran.
In San Francisco machen die Luxusrestaurants, in denen die Angestellten der Internetfirmen vornehm ihr Mittagessen einnahmen, reihenweise die Schotten dicht. Die "$1000-Kommode-aber-die-Schubladen-gehen-nicht-richtig-zu"-Möbelläden ächzen unter der Wirtschaftskrise. Vermieter müssen "$2000-für-zwei-kleine-Zimmer-aber-der-Putz-fällt-von-den-Wänden"-Wohnungen leerstehen lassen. Wir sind bestürzt! |
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Letzte Änderung: 06-Jul-2008 |