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  Rundbrief Nummer 115  
San Francisco, den 29.02.2016


Abbildung [1]: Perly Perlman steht nun beim Schrotthändler.

Michael Im letzten Rundbrief hatte ich noch scherzhaft rumgetönt, dass ich wohl bald live aus der Schrottpresse berichten würde (Rundbrief 11/2015), nachdem mir ein Programm des Bundesstaates Kalifornien tausend Dollar dafür geboten hatte, unser altes Auto Perly Perlman Jahrgang 1991 von der Straße zu nehmen. Damals hatte ich freilich noch keine Ahnung davon, dass es so schnell gehen würde! Aber als Angelika neulich berichtete, dass ihr das Kupplungspedal unseres Zweitautos im Stau auf der Bay-Bridge steckengeblieben war und sie es von Hand wieder hochziehen musste, handelte ich schnell und kaufte ihr ein neues Pendler-Muli, einen Honda Fit Sport Baujahr 2011. Der Trend zum Drittauto ist zwar in Amerika heutzutage unaufhaltbar, aber da wir nur zwei Stellplätze in der Garage haben, auf der Straße laufend Autos gestohlen werden oder in sie eingebrochen wird, und die laufende Umparkerei wegen Straßenreinigung und Anliegerparkzonen ein Vollzeitjob ist, musste Perly Perlman nach 17 treuen Jahren in unseren Diensten (und im zarten Alter von 24 Jahren) schließlich gehen. Buhu!

Abbildung [2]: Hier lagern alte Autos zum Ausschlachten.

Ich rief also die auf dem Schrieb von der Umweltschutzbehörde angegebene Nummer an, bekam sofort ein menschliches Wesen an den Apparat, und man erklärte mir das Verfahren: Ich sollte Kopien vom Kraftfahrzeugschein des Autos anfertigen (auf amerikanisch "Title" genannt), sowie von den letzten drei jährlichen Registrierungen, und das Ganze zurückfaxen. Wer in Amerika außer Angelika drei Jahre alte Registrierungsbelege säuberlich abheftet, ist mir zwar nicht klar, aber jedenfalls hatte ich somit alles zusammen, und faxte die Dokumente an die angegebene Nummer. Zwei Tage drauf schellte das Telefon, und jemand forderte uns auf, einen Termin zur Verschrottung des Autos anzuberaumen. Der früheste verfügbare Termin war zwar erst drei Wochen später, aber ich stimmte zu, an einem Montag um acht Uhr morgens bei einem etwa nur drei Kilometer von unserer Wohnung entfernt liegenden Schrotthändler vorzufahren.

Abbildung [3]: Der luxuriös ausgestaltete Warteraum beim Schrotthändler.

In der Zwischenzeit rotierten wir noch drei Wochen lang das jeweils auf der Straße stehende Auto durch, da San Franciscos 72-Stunden-Regel es untersagt, ein Auto länger als drei Tage im selben Straßenblock stehen zu lassen (Rundbrief 03/2009), auch wenn Straßenreinigungszeiten und Anliegerparkzonen dies erlauben würden. Also fanden wir einen der wenigen noch nicht von der Pest des Anliegerparkens infizierten Straßenzüge in unserer Nachbarschaft, parkten dort außerhalb der Stoßzeiten, während derer es völlig aussichtslos ist, einen Parkplatz zu finden, und schnallten den großen gelben Stahlbügel der Lenkradsperre an, damit jugendliche Sozialfälle aus den Niedrigverdienervierteln des Nachts nicht damit spazierenfahren konnten. Alle drei Tage fuhren wir dann mit einem der anderen Autos hin, und tauschten beide Fahrzeuge im Tag-Team-Verfahren blitzschnell aus, um der 72-Stunden-Regel zu genügen.

Abbildung [4]: Auf dem Schreibtisch des Schrotthändlers labt sich eine gewampte Katze am Inhalt ihres Fressnapfs.

Beim Schrotthändler lief dann alles sehr professionell ab. Er inspizierte Perly Perlman kurz, fuhr ein paar Meter vor- und zurück und akzeptierte ihn ohne Murren. Ich musste ein halbes Dutzend Formulare ausfüllen, den Kraftfahrzeugschein und die drei letzten Registrierungsbelege abgeben und bekam dann die Zusicherung, dass innerhalb von ein paar Tagen ein Scheck per Post bei uns zuhause eintrudeln würde. Zurück nach Hause fuhr ich vom Schrottplatz an diesem denkwürdigen Tag mangels eines fahrbaren Untersatzes dann mit einem Internettaxi der Firma Lyft zum Schlagerpreis von fünf Dollar plus Trinkgeld. Drei Tage später lag ein Scheck über 1000 Dollar im Briefkasten.

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Letzte Änderung: 25-May-2017