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  Rundbrief Nummer 115  
San Francisco, den 29.02.2016


Abbildung [1]: Gesteinsmassiv in Sedona/Arizona im Abendlicht

Michael In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr flogen wir in den Bundesstaat Arizona, um uns in einer Ferienwohnung in dem Städtchen Sedona zu erholen. Die Gegend bietet dutzende schön anzuschauende rötliche Gesteinsmassive, die man alle auf Wanderwegen erkunden kann. In dem Wüstenklima dort war es etwas kälter als in San Francisco, teilweise unter null Grad, aber trocken. Wir hatten ein alleinstehendes Ferienhaus über VRBO ("Vacation Rentals by Owner") gebucht, und da das Preisniveau in Arizona noch weit vom Wahnsinn in der Bay Area entfernt ist, bezahlten wir pro Nacht etwa soviel wie in einem 0-18-15-Motel in der Gegend um San Francisco, bekamen dafür aber ein ganzes Haus mit drei geräumigen und modern eingerichteten Zimmern, in denen wir gut und gern zu sechst übernachten hätten können. Im üppig großen Wohnzimmer stand ein richtiger Kanonenofen, den ich jeden Abend gehörig einheizte.

Eines abends wollten wir ins vor dem Haus geparkte Auto einsteigen und mussten feststellen, dass es von einem Dutzend Wildschweinen umringt war. Todesmutig stieg ich ein, fand aber den Öffner für die Beifahrertür nicht gleich, sodass die kurzzeitig ausgesperrte Angelika wild zu fuchteln anfing, denn sie dachte, dass die Wildschweine gleich angreifen würden, aber das war natürlich völlig übertrieben.

Abbildung [2]: Schon bei der Einfahrt in den Ort Sedona in Arizona bietet sich diese majestätische Kulisse.

Das Städtchen Sedona selbst ist ein kleiner Touristenort, mit den üblichen nutzlosen Galleriegeschäften, auf dessen zwei Zufahrtsstraßen sich nachmittags um Vier ein gigantischer Verkehrsstau Richtung Zentrum bildet, wenn die ganzen Wanderer von ihren Tagestouren wieder in Richtung ihrer Feriendomizile düsen oder noch schnell einen Happen in einem der wenigen Restaurants essen möchten, in denen dann der Papst boxt. Und wir waren noch zur Nebensaison da, während der Sommerferien herrscht dort wahrscheinlich ein Tohuwabohu wie auf dem Oktoberfest. Eine interessante verkehrstechnische Besonderheit sind die vielen Kreisverkehre in Sedona. Die Wegbeschreibung zu unserem Feriendomizil führte durch fast ein Dutzend, und oft halten amerikanische Landeier, die keinen Kreisverkehr kennen, ihre Monsterkärren vor dem Kreisverkehr an, als wär's ein Stoppschild, wo man doch einfach zufahren kann, wenn man nicht gerade jemandem im Kreis die Vorfahrt nimmt. Ich habe immer gehupt, damit's weiter ging.

Abbildung [3]: Kakteen wachsen in Arizona einfach so am Straßenrand.

Am Tag vor Silvester fuhren wir wir zwei Stunden rauf nach Norden zum Grand Canyon. Da auf der gebirgigen Strecke teilweise minus zwanzig Grad herrschten, die Fenster beschlugen und das unterdimensionierte Gebläse des Billigmietautos der sich bildenden Eisschicht nicht mehr Herr wurde, mussten wir an einer Tankstelle anhalten, um einen Eiskratzer zu kaufen. Leider war das entsprechende Regal leer und der Kassierer bestätigte, dass alle Eiskratzer ausverkauft wären. Zum Glück fanden wir fünf Kilometer weiter an einer etwas abgelegeneren Tankstelle ein entsprechendes Werkzeug und setzten die Reise mit freigelegten Scheiben fort.

Abbildung [4]: Aus der gemieteten Butze sah man schön die umliegenden Berge.

In Grand Canyon Village angelangt, fragten wir im Visitor Center nach dem Zustand des sogenannten Bright Angel Trails, einem steilen Pfad, der hinunter zum Colorado River am Fuß des Grand Canyon führt. Wie langjährige Rundbriefleser wissen, haben wir uns vor vielen vielen Jahren in Las Vegas kennengelernt, fuhren zum Grand Canyon, und in meinem damals jugendlichen Alter waren mein Kumpel Huaba und ich damals vom Rand des Canyons runter zum Colorado und wieder raufgelatscht. Ein Engländer in unserer Gruppe brach damals ein paar Kilometer vor dem Ziel zusammen und wir mussten wieder runtersteigen, um ihn mit Snickers-Riegeln aufzupeppeln und dann nach oben zu bugsieren. Der Weg bis runter zum Fluss ist heutzutage von den Landkarten der Ranger-Station verschwunden. Im Kleingedruckten ist zu lesen, dass es sich um eine Mehrtagestour handelt. Haha!

Abbildung [5]: Der beeindruckende Grand Canyon in Arizona.

Abbildung [6]: Angelika auf dem vereisten Bright Angel Trail im Grand Canyon.

Was den Zustand des Trails anbetraf, bekamen wir nun im Dezember die Auskunft, dass der Weg recht vereist sei und es uns ernstlich nahegelegt werde, sogenannte "Crampons", umschnallbare Mini-Steigeisen, auszuleihen. Leider gab es aber keine mehr, und so liehen wir nur ein paar Trecking-Stöcke zum Schlagerpreis von $2 (pro Stock) aus und stolperten langsam aber stetig den steilen Eisweg hinunter. Nach drei Kilometern war das Eis weg, dann liefen wir noch weiter zu einem kleinen Hüttlein und drehten dann nach etwa fünf Kilometern wieder um und stiefelten wieder den Berg rauf zum Auto. Der Canyon ist schon einzigartig mit seinen stufenförmigen Mustern an den Felswänden, insgesamt geht's 2000 Höhenmeter runter und die breiteste Stelle misst 29 Kilometer.

Abbildung [7]: Angelika beim Queren eines Flüssleins auf dem Wanderweg "West Fork"

Auf einer weiteren Tour in der Nähe von Sedona, dem sogenannten West Fork Trail, schlängelte sich der Weg in einem kleineren Canyon etwa ein Dutzend mal über ein kleines Flüsschen. Brücken gab's dort nicht, und man musste jeweils über im Bach liegende Steine oder Baumstämme balancieren. Teilweise war der Bach auch mit einer dünnen Eisdecke überzogen, über die mutige Wanderer vorsichtig rutschten, während erstere listig knackte.

Abbildung [8]: Michael auf der Devil's Bridge.

Auch auf die Devil's Bridge stiefelten wir hinauf, das ist so eine natürliche Felsbrücke, über die ein schmaler Weg führt, auf dem es auf beiden Seiten ein paar hundert Meter runtergeht. Als schwindelfreier Wanderer latschte ich ein paarmal drüber, während es der auf der sicheren Seite ausharrenden Angelika so himmelangst wurde, dass sie die Belichtung der Fotos total vermurkste. Mei-oh-mei!

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Letzte Änderung: 17-Jun-2017