23.07.2002 Deutsch English

Nachtrag zur Fußball-WM

David Beckham und ich tragen dieselben Fußballschuhe
David Beckham und ich tragen dieselben Fußballschuhe

(Michael) Im Fernsehen halte ich ja nur selten ein Fußballspiel durch. Während ich auf dem Fußballplatz stundenlang herumtoben kann, fehlt mir vor dem Fernseher einfach die Geduld, dem üblichen Klein-Klein im Mittelfeld zuzusehen. Da denke ich mir immer: Mei oh mei, die Zeit, die Zeit! Ich könnte schon wieder drei Perlprogramme schreiben!

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Personalisierte Strafzettel

Ein Strafzettel für PERL MAN
Ein Strafzettel für PERL MAN

(Michael) Neulich dachte ich mir: Es wäre doch schön, wenn wir als Andenken an unsere Zeit in San Francisco einen Strafzettel bekämen, auf dem "PERL MAN" steht -- das personalisierte polizeiliche Kennzeichen unseres Autos ( Rundbrief 03/2000 ). Am Sonntag Nachmittag war es dann soweit: Ich kam vom Supermarkt heim und stellte den treuen "PERL MAN" dreist auf den Gehsteig, um ihn auszuladen. Oben in der Wohnung signalisierte mir Angelika, dass sie mit Oldenburg am Telefon sei und wir in zwei Minuten zu einer Unternehmung aufbrechen könnten. Ausgelassen schaltete ich den Fernseher an. Eine Stunde später war's dann soweit und wir hatten einen Strafzettel am Auto, hurra! Für $25 zwar nicht ganz billig, aber ein einmaliges Souvenir, wie ihr in Abbildung 1 seht!

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Der rasende PERL MAN

(Michael) In der Woche um den amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli hatten viele Firmen im Silicon Valley wegen der gerade vorherrschenden Wirtschaftskrise geschlossen und die Straßen waren ungewöhnlich leer, also fuhr ich morgens mal zügig mit dem Auto ins Büro, das 60km südlich von San Francisco in Mountain View liegt. Auf der Autobahn 101, wie immer in der linkesten von vier Spuren, kurz vor der Abfahrt Mountain View sah ich plötzlich im Rückspiegel einen Polizeiwagen auftauchen und bremste routinemäßig auf die vorgeschriebenen 65 Meilen pro Stunde (etwa 100 km/h) ab.

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Das Rundbrief-Top-Produkt

Ein bisschen Obstabfall vom Juicer in den Ausguss gekippt ...
Ein bisschen Obstabfall vom Juicer in den Ausguss gekippt ...

(Michael) Heute: Der Garbage-Disposer E20 von Emerson. Schon mal habe ich geschrieben, dass es in amerikanischen Küchen üblich ist, dass unter der Spüle ein sogenannter Garbage-Disposer hängt. Zwischen Abfluss und Abflussrohr ist ein kleines Häckselwerk, das auf Knopfdruck anspringt und rohrverstopfende Abfälle so klein verkleinert, dass sie durch das Abflussrohr passen. Was man in der Küche so schnetzelt, kippt man einfach in die Spüle, stellt das Wasser an und das Schnetzelwerk -- und schwupps, rauscht es ins Abwasser!

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Die CD des Monats

Die Platte "Is this it?" von den Strokes
Die Platte "Is this it?" von den Strokes

(Michael) Mit Spannung erwartet, doch in letzter Zeit absent: Es gab einfach keine überzeugenden neuen Platten. Doch heute ist's passiert: Ich habe mir die Scheibe "This Is It" von "The Strokes" gekauft, die schon vor einem halben Jahr erschienen ist! Das Lied "Last Nite" kannte ich schon aus dem Radio, aber ich hatte keine Ahnung, dass "Hard to explain" und "SOMA" auch drauf sind -- zu beiden Songs fährt man am besten an einem heißen Tag in San Francisco in einem 11 Jahre alten Acura Integra ohne Klimaanlage mit heruntergekurbeltem Fenster mit kurzen Hosen und barfuß mit Vollgas das Hügel-Dreierset auf der Church Street zwischen 17ter und 22ster Straße hoch. Dann klingt's, als wäre die Musik in Kalifornien erfunden, dabei kommt sie aus New York City! Sofort kaufen und pausenlos anhören! Bis wir im nächsten Rundbrief die neue von den "Red Hot Chili Peppers", meiner Lieblingsgruppe, besprechen.

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The Osbournes im Fernsehkasten

Im Wohnzimmer der Osbournes
Im Wohnzimmer der Osbournes

(Michael) Die zur Zeit populärste Sendung im amerikanischen Fernsehen heißt "The Osbournes". Der Fernsehsender MTV hatte die Idee, im Haus von Ozzy Osbourne, dem ehemaligen Sänger der Gruppe "Black Sabbath", ein Kamerateam abzustellen, das Ozzy, seine Frau Sharon und ihre beiden rabiaten Teenager-Kinder auf Schritt und Tritt verfolgt und den Alltag in diesem ungewöhnlichen Haushalt aufnimmt.

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Endlich die Greencard

(Angelika) Hurra! Hurra! Die Greencard ist da! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Wir sind jetzt "Permanent Resident Aliens", wie es im schönsten Beamtenamerikanisch heißt. Wir fassen es immer noch nicht. Das Wort "Alien" amüsiert uns dabei immer köstlich, denn kein Mensch bezeichnet einen Ausländer im normalen Sprachgebrauch als "Alien", das riefe Stirnrunzeln hervor und wäre politisch unkorrekt. Es heißt "Foreigner". Bei "Alien" denkt hier jeder an Außerirdische und den Film "ET", aber das "INS" (INS = Immigration and Naturalization Services = amerikanische Einwanderungsbehörde) schert dies wenig. Huch, ich schweife ab.

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Priority Date (Vorzugsdatum)

(Angelika) Bevor wir überhaupt den dritten Schritt beginnen konnten, musste unser so genanntes "Priority Date" aktuell sein. Stellt euch das am besten wie den Platz in der Warteschlange der Greencards vor; ganz so, wie man in einigen Lebensmittelgeschäften und Behörden Nummern zieht. Da die meisten Greencards in den unterschiedlichen Kategorien einer jährlichen Quote unterliegen, kommt es zu Engpässen, wenn die Quote in dem entsprechenden Jahr erreicht ist - die Warteschlange wächst und wächst. Die Anzahl der Greencards, die die Einwanderungsbehörde pro Jahr ausgibt, wird dann auch noch gleichmäßig auf die einzelnen Länder verteilt. Leute aus Indien warten zum Beispiel in der Regel länger, da die USA viele Anträge von indischen Staatsbürgern erhält - die jährlich zur Verfügung gestellten Greencards sind logischerweise schneller weg. Kommt man aus deutschen Landen, zählt man zu den Glücklichen, die ohne Wartezeit sozusagen gleich an den Tresen hervorpreschen, denn es gibt nicht so viele Deutsche, die Greencard-Anträge stellen.

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Die medizinische Untersuchung

Die Arztpraxis des philippinischen Greencard-Arztes in der Mission
Die Arztpraxis des philippinischen Greencard-Arztes in der Mission

(Angelika) Ich habe schon erwähnt, dass es das INS gar nicht mag, wenn Einwanderer mit ansteckenden Krankheiten wie Tuberkolose Amerika bevölkern. Deshalb hieß es auch für uns, ab zum Arzt im Schritt Nummer drei, um dieses auszuschließen. Die ganze Geschichte stellt ihr euch am besten so ähnlich wie eine amtsärztliche Untersuchung vor. Wir durften nicht etwa zu unserem Hausarzt, sondern mussten aus einer vom INS herausgegebenen Liste einen aussuchen, der die Untersuchung nach den INS-Bestimmungen ausführen und auch noch das entsprechende Formular richtig ausfüllen konnte. Diese Ärzte arbeiten nicht nur für die Einwanderungsbehörde, üblicherweise führen sie eine ganz normale freie Praxis. Allerdings springt bei der Untersuchung für sie nicht viel Geld heraus, deshalb finden sich auf der Liste hauptsächlich "Armenärzte" aus typischen Einwanderungsländern.

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Lichtbilder

(Angelika) Kein Greencard-Antrag ohne Lichtbilder. Und die Greencard-Fotos unterliegen den strengen Vorschriften der Einwanderungsbehörde. Der Rechtsanwalt gab uns ein maschinengetipptes DIN-A-4-Merkblatt mit Anweisungen samt einer Liste der Fotogeschäfte, die um die 100 und eins Bestimmungen wissen und Erfahrung mit deren Umsetzung haben. Hier einige Auszüge aus dem Merkblatt zu eurer Erheiterung: Brille, Ohrringe und Haarspangen sind tabu. Das Foto sollte 30 mm (1 3/16 inches) - vom Haar bis unterhalb des Kinns - lang und 26 mm (1 inch) - vom rechten Ohr zur linken Wange - breit sein. Der Hintergrund muss weiß sein. Das Foto darf keine Schatten haben oder retouchiert sein. Polaroid-Film #5 ist akzeptabel, SX-70-Film hingegen nicht. Das Foto muss das gesamte Gesicht der Person zeigen (3/4 Pose). Das rechte Ohr und linke Auge müssen zu sehen sein.

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Affidavit of Support

(Angelika) Und es falle niemand dem amerikanischen Staat auf die Tasche: die "Affidavit of Support" (lässt sich am ehesten mit "eidesstattlicher Versicherung über finanzielle Unterstützung" übersetzen) eines meiner Lieblingsformulare in unserem Greencard-Prozess. Ihr erinnert euch: Ich bekam die Greencard aufgrund der Tatsache, dass ich mit Michael verheiratet bin. Michael musste nun nicht nur versichern, dass er mich aushält, so dass ich dem amerikanischen Staat nicht zur Last falle, sondern auch dass er über genügend finanzielle Mittel verfügt, um uns beide durchzubringen: eine hochoffizielle Angelegenheit mit Notar und Schwur.

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Fingerabdrücke

(Angelika) Bevor man die Greencard erhält, möchte die amerikanische Einwanderungsbehörde sicherstellen, dass der Antragsteller keine Straftaten begangen hat oder gar als gesuchter Terrorist auf einer Liste steht. So wie man in Deutschland ein Führungszeugnis beantragt, werden einem in Amerika die Fingerabdrücke abgenommen. Für die Greencard prüft das FBI mit Hilfe der Fingerabdrücke, ob man ein gesetzestreuer Bürger war und ist. In der Praxis läuft das wie folgt: Nachdem unser Rechtsanwalt die oben aufgeführten benötigten Papiere (und noch einige mehr) an das Immigration Office eingeschickt hatte, warteten wir geduldig auf die Eingangsbestätigung. Wir bissen diesbezüglich allerdings wieder in den sauren Apfel, denn unzählige Anträge überfluteten die zuständige Einwanderungsbehörde in Kalifornien, so dass sich das Öffnen der Eingangspost um Wochen verzögerte und so auch das Aussenden der Eingangsbestätigung. Nur damit ihr mir auch glaubt: Unsere Unterlagen für den dritten Schritt gingen bei der Einwanderungsbehörde am 23. Juli 2001 ein, die Bestätigung des Eingangs schickte die Behörde am 6. September 2001 raus. Wieder Wochen später erhielten wir einen Brief mit dem Termin (30. November 2001) für das Abnehmen unserer Fingerabdrücke. Jeder wartet sehnsüchtig auf diesen Brief, denn dadurch weiß man, dass die eigene Akte nicht auf einem großen Stapel verstaubt, sondern sich etwas tut. Die Fingerabdrücke nimmt das FBI übrigens nicht direkt ab, sondern die Einwanderungsbehörde schickt die Antragsteller zu einem designierten Zentrum vor Ort. Das Abnehmen der Fingerabdrücke erfolgt digital: keine lästige Tinte an den Fingern. Die Fingerabdrücke erscheinen gleich auf dem Bildschirm und werden postwendend zum FBI gezoomt. Das FBI arbeitet diesbezüglich recht effizient und schickt die Ergebnisse relativ schnell zurück an die Einwanderungsbehörde.

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Der Zuschlag und ein Stempel im Pass

Die Schlange am INS-Gebäude in San Francisco
Die Schlange am INS-Gebäude in San Francisco

(Angelika) Wer glaubt, dass uns die Einwanderungsbehörde gleich die eigentliche Greencard zusandte, täuscht sich schwer. Das wäre ja viel zu einfach. Zunächst flattert einem ein Bescheid ins Haus, dass der Antrag genehmigt wurde. Im April 2002 beglückte uns unser Briefträger mit dem besagten Bescheid. Neben der freudigen Nachricht forderte uns der Brief auf, uns bei der Einwanderungsbehörde in San Francisco mit zwei brandneuen Passbildern, unserem Pass etc. einzufinden. Ziel war es, einen Stempel in den Pass zu bekommen, der als vorläufige Greencard gilt und zum Arbeiten und Reisen berechtigt:

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In der gleichen Schlange mit dem Herrn Amerikaner

(Angelika) Unseren begehrten Stempel testeten wir das erste Mal, als wir aus Japan kommend wieder in die USA einreisten. Bei der Einwanderungsbehörde am Flughafen gibt es in der Regel zwei Schlangen: eine für amerikanische Staatsbürger und Greencard-Besitzer und die andere für Visa-Inhaber und Touristen, also eine kurze und eine ellenlange. Dieses Mal reihten wir uns also mit den Amerikanern ein und waren in Windeseile durch die "Immigration". Michael zweifelte zunächst an unserem "Kartoffeldruckstempel", aber alles klappte wie am Schnürchen. Der Herr von der Einwanderungsbehörde grummelte nur, wo wir den Stempel herhätten. Wir antworteten brav: "Aus San Francisco!" Und ich hielt mich mit meiner Bemerkung zurück, dass das doch aus dem Stempel hervorgeht, denn Michael hatte mich aufs Schärfste instruiert, nicht mit dem Diskutieren anzufangen.

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Ende gut - alles gut

(Angelika) Am 8. Juli war es endlich soweit: Gedankenverloren öffnete ich unseren Briefkasten und zwei Briefe der Einwanderungsbehörde strahlten mir entgegen. Ich ahnte es schon: Der mühevolle Weg des Greencard-Prozesses hatte sein endgültiges Ende gefunden. Und richtig, ich öffnete die Post und fand unsere nagelneuen Greencard-Plastikkarten. Hurra! Die werden übrigens mir der ganz normalen Post geschickt und nicht etwa per Einschreiben.

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Letzte Änderung: 26-May-2024