24.03.2002 Deutsch English

Reisetagebuch: Vichy Springs

Alter Mann auf Kur
Alter Mann auf Kur

(Angelika) Heute öffne ich wieder unser Reisetagebuch: Dieses Mal fuhren wir mit dem "PERL MAN" (Nummernschild unseres Autos) zwei Stunden auf dem Highway 101 (Autobahn mit der Nummer 101) in den Norden Kaliforniens nach Ukiah ins "Vichy Springs Resort". Dort gibt es eine natürliche Heilquelle, aus den Tiefen der Erde kommt das warme, kohlensäurenhaltige und mit Mineralien reich bestückte Wasser, das sowohl getrunken werden kann, aber auch allerlei Gutes verspricht, wenn man in ihm badet. Es hilft nicht nur bei Magengeschwüren, Gicht, Rheumatismus und Arthritis sondern lindert auch Sonnenbrand. Verbrennungen und Verletzungen der Haut heilen schneller ab. Und wer noch nicht über die diversen beschriebenen Zipperlein verfügt, nutzt das wohltuende Wasser einfach, um sich zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen. "Vichy Springs" heißt der Ort übrigens, weil das kalifornische Wasser dem französischen Original verblüffend ähnelt -- da zeigt sich der Amerikaner pragmatisch.

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Zur Heilerin nach Chinatown

Chinesische Heilkräuter mit Rezeptur
Chinesische Heilkräuter mit Rezeptur

(Angelika) Und hier eine weitere Geschichte bezüglich unkonventioneller Heilmethoden. In Amerika setzen sich erst langsam alternative Ideen wie die der Homöopathie durch. Ärzte teilen immer noch freizügig Antibiotika bei Schnupfen aus. Medikamente wie Aspirin kauft man in der Großpackung im Supermarkt. In San Francisco sind Methoden wie Akupunktur, Akupressur oder ganzheitliche Medizin allerdings kein Fremdwort. Die Einwanderer aus den verschiedensten Kulturkreisen bereichern San Francisco eben nicht nur kulinarisch. Darüber hinaus zeichnet sich San Francisco seit eh und je als Sammelbecken alternativer Strömungen aus. Für den Enthusiasten der Naturmedizin bietet der Stadtteil "Chinatown" eine wahre Fundgrube, denn die traditionelle chinesische Medizin begegnet einem hier auf Schritt und Tritt.

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Bayrische Einflüsse in den kalifornischen Bergen

Auf der Hütte der Naturfreunde von San Francisco
Auf der Hütte der Naturfreunde von San Francisco

(Angelika) Eine Besonderheit ganz anderer Art suchten wir neulich während einer unserer Wochendwanderungen im Mount-Tamalpais-Gebiet auf. Die Mount-Tamalpais-Region ist etwa 45 Autominuten nördlich von San Francisco und bietet tolle Wanderungen in hügeliger Landschaft mit schönen Ausblicken auf den Ozean. Schon länger wussten wir, dass sich dort im Wald eine Berghütte versteckt, auf deren Terrasse man picknicken und Bier trinken kann. Leider gelang es uns bis jetzt nicht, diese ausfindig zu machen. Doch da ich immer alle mögliche Reiseliteratur lese, fand ich in einem Wanderführer eine Beschreibung, wie man zur Hütte gelangt. Also machten wir uns eines Sonntags auf den Weg. Nun kommt euch das vielleicht als nichts Besonderes vor. Deshalb sei gesagt, dass sich das Konzept der Berghütten in Amerika noch nicht durchgesetzt hat. Kein Mensch kraxelt hier in den Bergen herum und erwartet am Ende des Weges eine Berghütte zu finden, um Hunger und Durst zu stillen.

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Ein Faux-Pas der Einwanderungsbehörde

(Angelika) Auch heute bleibt es mir nicht erspart, über die amerikanische Einwanderungsbehörde, mit der wir ja bekanntlich auf du und du stehen, zu berichten. Die Presse meldete, dass eine Flugschule in Florida letzte Woche ein Schreiben vom Immigration Office hinsichtlich Mohammed Atta und Marwan al-Shehhi erhielt: Die Umänderung ihrer Touristenvisa zum Studentenvisa wurde genehmigt. Nur um eure Erinnerung aufzufrischen: Bei den genannten Personen handelt es sich um zwei der Terroristen, die vor sechs Monaten die Flugzeuge ins World Trade Center in New York flogen. Die Pressemeldung, die sich als wahr herausstellte, führte zu tumultartigen Zuständen. Bush und Konsorten zeigten sich tief bestürzt, wie so etwas nur passieren konnte. Es rollten Köpfe bei der Einwanderungsbehörde. Nun muss ich zur Ehrenrettung der Einwanderungsbehörde erwähnen, dass diese die Studentenvisa schon im Sommer 2001 (also vor den Anschlägen) genehmigte und dies Mohammed Atta und Marwan al-Shehhi schriftlich mitteilte. Leider dauerte es aber weitere sechs bis sieben Monate, um die Schulen zu informieren, da die Daten per Hand in das Computersystem der Einwanderungsbehörde eingegeben werden. Uns überraschte dieser Fauxpas nicht, denn wir wissen um das antiquierte Computersystem und erlebten selbst schon allerlei Haarsträubendes mit der Einwanderungsbehörde. Lachen könnte man über diese absurde Geschichte, wenn da nicht das Warten auf unsere eigene Greencard wäre. Denn wenn man jetzt der Einwanderungsbehörde verstärkt auf die Finger sieht und irgendwelche Umstrukturierungen vornimmt, verlangsamt sich alles noch mehr.

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Fundraising in den USA

So sammeln Kinder Geld für wohltätige Zwecke
So sammeln Kinder Geld für wohltätige Zwecke

(Angelika) Szenenwechsel: Neulich schlenderte ich einmal wieder die 24te Straße in unserem Viertel hoch und rannte an jeder Straßenecke in ein paar Schulkinder, die Kekse oder Schokolade verkauften. Früher habe ich nie verstanden, was es damit auf sich hat. Aber nachdem unsere Nachbarskinder auch schon an unsere Tür klopften, um ihre Schokolade loszuschlagen, weiß ich Bescheid. Die Kinder versuchen nicht etwa, der Schokoladenindustrie zu helfen, nein, sie sammeln Geld für ihre Schule, indem sie Riegel für 60 Cents mit einem Aufdruck versehen, $2.00 dafür verlangen und das Geld für einen guten Zweck weitergeben. Das nennt man in Amerika "fund raising". Die Schule unserer Nachbarskinder braucht z.B. neue Computer. Nun sammeln die Kinder nicht etwa, weil es ihrer Schule so schlecht geht. Das "Fund Raising" ist ein uramerikanisches Prinzip. Es zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben eines jeden Amerikaners. Da der amerikanische Staat nur dann hilft, wenn es gar nicht mehr anders geht, sind amerikanische gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen auf Spenden angewiesen. Amerikaner sind nicht nur Weltmeister im Spenden sondern auch aüßerst kreativ, wenn es darum geht, wie man das Geld eintreibt. Es gibt Marathons und Bälle, deren Teilnehmer Sponsoren zusammentrommeln, um die hohen Eintrittsgelder (teilweise in Höhe mehrerer Tausend Dollar) zu bezahlen, die dann an den guten Zweck gehen. Man fährt Fahrrad von San Francisco nach Los Angeles und Kinder verkaufen auf dem Gehsteig Limonade. Am Wochenende sehen wir häufig Jugendliche, die mit Schildern wedeln, um Autos in einen Parkplatz zu lotsen. Dort waschen sie dann das Auto gegen Entgeld, das dann an die gemeinnützige Einrichtung geht. Gespendet wird im großen Stil: Ganze Museen und Universitäten wurden so geschaffen. In solchen Einrichtungen findet man in der Regel mindestens einen Mitarbeiter, dessen einzige Aufgabe es ist, Spenden von der Industrie und wohlhabenden Mitbürgern einzutreiben.

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Aktuell im Fernsehkasten

Das Fernsehprogramm eines einzigen Abends!
Das Fernsehprogramm eines einzigen Abends!

(Michael) Beim Fernsehen in den USA stellt sich die Frage: Kabel oder Schüssel? Nachdem AT&T (denen das Kabel gehört) in der Fernsehwerbung lustige Geschichten bringt, nach denen Schüsselbesitzer geistig unterbelichtet sind, haben wir uns Kabel zugelegt. Damit kriegt man etwa 60 verschiedene Kanäle rein. Das ist allerdings so viel, dass der TV-Guide, die wöchentliche Fernsehzeitschrift in den USA, so dick wie das Telefonbuch einer deutschen Kleinstadt ist! In dem Buch "Understanding USA" habe ich gelesen, dass der TV-Guide, diese völlig nutzlose Zeitschrift, Woche für Woche 12.5 Millionen Exemplare auflegt und dafür im Jahr mit Werbung 1,17 Milliarden Dollar einnimmt! Übrigens ein sehr interessantes Buch, dieses "Understanding USA". Dort erfährt man zum Beispiel, dass in Florida hauptsächlich Leute über 60 wohnen und von den Döspaddeln in Süd-Texas kaum jemand auf eine Uni geht. Oder dass weiße Männer über 50 etwa 10% der Bevölkerung ausmachen, aber 33% aller Selbstmörder. Oder dass zwischen 1990 und 1998 die Kosten für Universitäten in den USA um 54.2% gestiegen sind, während im gleichen Zeitraum die Preise für Fernseher um 52.2% fielen. Oder dass 30% aller männlichen Schwarzen zwischen 20 und 30 Jahren in den USA mal im Gefängnis waren. Oder 43 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung haben. Oder New Orleans mit 37% Übergewichtigen den nationalen Rekord hält. Aber ich weiche ab.

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Die Rundbriefredaktion

Die knallharten Arbeitsbedingungen in der Rundbriefredaktion
Die knallharten Arbeitsbedingungen in der Rundbriefredaktion

(Michael) Immer wieder fragen die Rundbrief-Fans: "Wie kommen nur diese absurden Rundbrief-Themen zustande? Stellt ihr extra Wahnsinnige ein, die sich die ausdenken?" Heute wollen wir einmal hinter die Kulissen der Rundbrief-Redaktion blicken: Abbildung 1 zeigt Michael bei der Rundbriefproduktion. Natürlich steckt Alkohol (Humpen Rotwein aufm Tisch) und laute Fun-Punk-Musik dahinter (in der Hand halte ich das Album "Drop your Pants and Jacket" von Blink 182). Weiter inspiriert die Skyline von San San Francisco, die sich am offenen Fenster zeigt. Wenn ihr das Bild vergrößert, seht ihr in der Ferne ein helles Rechteck, das sind die Scheinwerfer tausender Autos, die von Oakland über die Bay-Bridge nach San-Francisco reinfahren. Wer wollte woanders wohnen!

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Blutgruppen

(Michael) Neben der Sprache lernen wir im Japanischkurs auch so manche kulturelle Eigenheit kennen. Erstaunt stellten wir fest, dass es in Japan üblich ist, seinen Gegenüber sofort ziemlich direkt nach seiner Blutgruppe zu fragen. Die Zugehörigkeit zu A, B, O, AB ist etwa ähnlich wichtig wie die Sternzeichen in der westlichen Welt. Wie man auf http://www.geocities.com/~castleinthesky/blood.htm schön nachlesen kann, sind Leute mit der Blutgruppe A angeblich sehr ernst, zielstrebig, zuverlässig, aber auch dickköpfig. Träger der Blutgruppe B hingegen zeigen vielfältige Interessen, so viele, dass sie manchmal zu schnell von einem Thema zum nächsten springen. Sie sind oft geistig abwesend und suchen nicht direkt den Kontakt zu anderen Menschen, tendieren aber dazu, außerordentliche Leistungen zu zeigen und sind üblicherweise große Spaßvögel. Träger der Blutgruppe 0 bringen Harmonie in jede Gruppe, sind gutmütig, friedfertig, werden von jedem geliebt, erscheinen auf den ersten Blick pflegeleicht, können aber eine erstaunliche Dickköpfigkeit an den Tag legen. Und Leute mit der Blutgruppe AB schließlich sorgen sich rührend um andere und haben viele Freunde. Sie sind streng gegen sich selbst und die Menschen, die ihnen nahe stehen, bringen aber eine gehörige Portion Sentimentalität für Außenstehende auf. Übrigens herrscht in Amerika die Blutgruppe 0 vor, während in Japan die Blutgruppe A am häufigsten vertreten ist. Nun dürft ihr raten, welche Blutgruppe(n) Angelika und ich haben -- die erste richtige Einsendung wird mit einer selbstgepressten Rundbrief-CD belohnt, mit der ihr auf dem Computer alle Rundbriefe von 1996 bis 2002 lesen könnt, ohne euch ins Internet einzuwählen!

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Das Rundbrief-Top-Produkt

Das CD-Ordnungssystem von Discgear. Im Hintergrund die selbstgeschriebene Sortierungs-Software.
Das CD-Ordnungssystem von Discgear. Im Hintergrund die selbstgeschriebene Sortierungs-Software.

(Michael) Und schließlich zum heutigen Rundbrief-Top-Produkt: Die CD-Aufbewahrer von Discgear, den mir Angelika mal geschenkt hat. Weil ich ja bekanntlich lieber hungern als ohne Musik leben wollte, sammelt sich bei mir schon mal die ein oder andere CD an. Die kleinen Plexiglaskästen (sogenannte Jewel-Cases), in denen CDs heutzutage verkauft werden, schmeiße ich immer sofort weg, das ist die unnützeste Erfindung seit dem knickbaren Strohhalm. Hübe ich die alle auf, wäre meine CD-Sammlung höher als das Bank-of-America-Gebäude in San Francisco. Vielmehr nutze ich die futuristisch aussehende Boxen von der Firma Discgear, die nur etwa 30cm breit sind und in denen 80 CDs Platz finden (neuerdings gibt's sogar welche mit 100!). Ein wohltuende Alternative zu den 300-Mark-aber-es-gehen-nur-60-CDs-rein-Ständer aus den Yuppie-Läden. Damit man die CDs auch wieder rauskriegt, ist auf der Vorderseite der Box ein Schieber, den man auf eine Nummer zwischen 1 und 80 stellt. Öffnet man anschließend den Deckel, schnalzt genau die ausgewählte CD hoch und man kann sie mühelos mit den Fingern entnehmen und in den CD-Spieler einlegen. Andererseits klebt auf jeder CD ein kleiner Aufkleber, auf dem steht, in welchen Kasten und an welche Stelle das Scheiberl gehört, falls mal wieder 20 CDs in der Wohnung herumliegen, weil man zu faul war, sie zurück in den Kasten zustellen.

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Coupons

Eine Anzeige für Katzenfutter in der Zeitung. Kauft man zwei Dosen, kriegt man eine umsonst, wenn man den Coupon vorlegt!
Eine Anzeige für Katzenfutter in der Zeitung. Kauft man zwei Dosen, kriegt man eine umsonst, wenn man den Coupon vorlegt!

(Michael) Schon öfter habe ich geschrieben, dass es in den USA ganz wichtig ist, auf's Geld zu schauen. Es ist hier eine Art Volkssport, Waren immer dort zu kaufen, wo sie am billigsten sind, auch wenn's manchmal etwas umständlich ist. So senden zum Beispiel die Supermärkte hier laufend Werbung raus, an der sogenannte "Coupons" heften. Legt man den Coupon im Laden vor, kriegt man die Ware zum offerierten Preis, kauft man sie ohne Coupon, zahlt man mehr. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wieviele Leute tatsächlich die Coupons aus der Zeitung ausschneiden, im Supermarkt vorlegen und dann einen Dollar sparen, wenn sie 3 Packungen des angepriesenen Produkts kaufen. Das ist in den USA ganz normal und man wird keineswegs schief angesehen, wenn man an der Kasse 20 zusammengesammelte Coupons abgibt. Außer natürlich, derjenige hat das Pech, dass ich weiter hinten in der Schlange stehe -- ich bin der, der provozierend ausatmet und mit den Augen rollt. Auf den Coupons sind Barcodes und die Kassencomputer sind so schlau, dass sie, wenn sie die Coupons einscannen, den richtigen Rabatt von der Gesamtrechnung abziehen, auch wenn man sie erst hinterher aus der Tasche zieht und dem Kassierer gibt oder die im Kleingedruckten festgelegte Grenze von "nur einmal pro Haushalt" überschreitet -- der Kassierer gibt sie dem Computer zu fressen und der erledigt den Rest, geht ganz schnell.

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Letzte Änderung: 26-May-2024