Michael Früher war es so, dass Kreditkartenfirmen es Händlern strengstens untersagten, für Kartenzahlungen höhere Preise zu verlangen. Hielt sich ein Laden nicht an diese Regel, kündigte die Kartenfirma dem Laden den Händlervertrag.
Diese einst eisenharte Regel ist aber über die Jahre windelartig aufgeweicht. Erst begannen Tankstellen vor etwa 15 Jahren, unterschiedliche Preise für Bar- und Kartenzahlung zu verlangen. Vor ein paar Jahren saß ich zum ersten Mal in einem Restaurant und rieb mir die Augen, weil das Etablissement 3 % Extragebühren verlangte, falls man nicht bar zahlte. Und neulich, in einem Liquor Store in Florida, musste ich händeringend zusehen, wie der Kassierer einfach 3 % auf Wein und Bier aufschlug, weil ich mit Karte zahlte. Anscheinend ist das den Kartenfirmen mittlerweile wurscht.
Dabei profitieren Läden enorm bei Kartenzahlungen. Einmal habe ich den Besitzer eines Eckladens beim Tratschen mit einem Kumpel belauscht, und ersterer bestätigte, dass in seinem Laden Einkäufe mittlerweile zu 90 % mit Karte bezahlt werden. Insbesondere jüngere Leute haben heute kein Bargeld mehr am Mann, und ohne Kartenakzeptanz fände schlicht kein Einkauf statt. Dass die Läden nun anfangen, die Kosten für diesen Service auf die Kundschaft abzuwälzen, ist meiner Ansicht nach mehr als schofel.
Ich persönlich zahle in Bäckereien und Fischläden und ähnlichen Etablissements eh nur noch mit Bargeld, schon allein deshalb, weil ich mich dann nicht mit dem Trinkgelddialog herumschlagen muss, den die feinen Herrschaften in diesen Läden, ohne mit der Wimper zu zucken, hochschnellen lassen, auch wenn ihre Serviceleistung nur darin besteht, ein freundliches Gesicht beim Einwickeln der Ware zu machen (Rundbrief 07/2021).