Michael Seit nun fast 30 Jahren zahlen wir unsere Miete jeden Monat mit einem Scheck, den wir in einen frankierten Briefumschlag stecken, an den Vermieter adressieren und in den Postbriefkasten stecken. Dann sehen wir etwa eine Woche später auf der Webseite der Bank, dass der Scheck eingelöst wurde und das Geld vom Konto abgegangen ist. Nun sollte man meinen, dass dies doch einfacher per Bankeinzug ginge, aber weit gefehlt, Überweisungen und Lastschriftverfahren sind in Amerika immer noch erstaunlich kompliziert.
Zunächst einmal läuft das meiste über Kreditkarten. Während Amazon Deutschland Käufe gerne über die Kontonummer des Bestellers per Bankeinzug abrechnet, belastet Amazon USA eine Kreditkarte des Bestellers, die wiederum das Geld vom Kunden am Ende des Berechnungszeitraums eintreibt. Die anfallenden Kosten für den Handeltreibenden sind dabei nicht unerheblich: Zwischen 3 und 5 % des Rechnungsbetrages kassiert dabei die Kreditkartenfirma. Vorteil für den Laden: Er kriegt sein Geld innerhalb weniger Tage, jedweden Betrug federt die Kartenfirma ab.
Nun sind in den letzten Jahren immer mehr Staatsbetriebe auf den Trichter gekommen, dass diese Kartengebühren ungebührlich hoch sind. Außerdem kennen das Kraftfahrzeugbundesamt DMV und die Steuerbehörde IRS ihre Pappenheimer und wissen, dass jemand beim Bezahlen der Kfz-Steuer Schmuh mit einer gestohlenen Karte treibt, ist relativ unwahrscheinlich, denn das flöge sofort auf und die Staatsbehörde hätte den Pappenheimer am Wickel.
Folglich verlangen DMV und IRS seit vielen Jahren extra Gebühren, falls man die Kfz-Steuer oder eine Steuerschuld per Kreditkarte bezahlt. Als Alternative bieten sie an, das Geld vom Konto des Zahlers einzuziehen, wenn dieser seine Kontonummer (Account Number) und die Bankleitzahl (Routing Number) angibt. Durch ein sogenanntes Debit leitet dann der Staatsbetrieb eine der deutschen Lastschrift nicht unähnliche Transaktion ein. Das Geld wird vom Konto des Zahlers abgebucht und der Behörde gutgeschrieben.
Will man aber zum Beispiel als Mieter seine Miete per Überweisung bezahlen, reibt man sich die Augen, denn für eine Überweisung (Wire Transfer) vom Girokonto an eine Privatperson rufen Banken horrende Gebühren ab, typischerweise etwa $20. Bei einem extrem dicken Konto verzichten Institute aber manchmal auf die Gebühren. Weiter erlauben es Banken Firmen, über das sogenannte "Direct Deposit" regelmäßige Überweisungen, zum Beispiel zur Lohnzahlung, einzurichten. Eröffnet eine Privatperson ein Bankkonto, ist dessen Führung meist kostenlos, falls der Kunde ein oder mehrere "Direct Deposits" einrichtet, nicht nur für Gehalt vom Arbeitgeber, sondern auch für regelmäßige staatliche Zahlungen wie Social-Security-Renten. Das bindet den Kunden an die Bank und hält Halodris ohne regelmäßiges Einkommen fern.
Im privaten Bereich überweist niemand mal schnell etwas auf ein anderes Konto. Vielmehr springen Dienstleister wie Venmo oder Zelle in die Bresche. Richtet ein Kleinbauunternehmer was am Haus, will er das Geld meist über Venmo sehen. Dabei landet die Zahlung sofort sicher und unwiderrufbar beim Empfänger, und Venmo trägt das Risiko, wenn es den Betrag anschließend vom Bankkonto des Zahlers abbucht.
Früher erfolgten Zahlungen an Privatpersonen per Scheck. Der Vater gab dem studierenden Sohnemann einen Scheck in die Hand. Hatte man mal kein Bargeld mit, und wollte seinen Anteil am Mittagessen bezahlen, gab man der Person einen Scheck. Und auch die Miete wurde und wird immer noch mit Scheck bezahlt, entweder indem man den Mietscheck am Monatsanfang unter dem Türschlitz des Vermieters/Hausverwalters durchschiebt, oder eben per Post.
Was passiert, falls der Scheck geklaut wird? So unwahrscheinlich ist das nicht, neulich fiel mir auf, dass jemand am Postbriefkasten, ausgerechnet der vor dem Postamt in Noe Valley, einen Zettel angebracht hatte, nachdem Schecks, die er dort eingesteckt hatte, geklaut worden waren (Abbildung 4).
In solchen Fällen sollte man meinen, dass die Bank, wenn jemand einen geklauten Scheck einlösen will, prüft, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Zum Beispiel, ob der Einlöser der auf dem Scheck eingetragene Empfänger ist oder dass die Unterschrift, mit der der Empfänger den Scheck auf der Rückseite quittiert, mit der hinterlegten für das Empfängerkonto übereinstimmt. Falsch gedacht, die Bank prüft überhaupt nichts!
Nicht einmal bei Schecks über mehrere tausend Dollar. Die Bank löst einfach alles ungeprüft ein, und wird nur aktiv, falls der Scheckaussteller sich beschwert. Das passiert allerdings erst dann, wenn der eigentliche Empfänger sich beim Aussteller meldet und sich beschwert, dass der Scheck noch nicht angekommen ist, worauf der Aussteller nachsieht und feststellt, dass der Scheck sehr wohl eingelöst wurde. Dann muss die Bank nach einigem Hickhack die Transaktion wieder zurückrollen, meist indem sie den Verlust selber frisst, und der Aussteller schreibt einen neuen Scheck und schickt ihn an den Empfänger, diesmal hoffentlich mit mehr Glück.
Die neueste Masche ist das sogenannte "Bleaching" des Schecks. Der Verbrecher entfernt dabei einige Felder auf dem Scheck und setzt neue Einträge für Empfänger und Betrag ein. In den sozialen Medien finden sich haufenweise Geschichten von Leuten, die so um Tausende von Dollar geprellt wurden. Wer nicht mit Adleraugen über die Vorgänge auf seinem Konto wacht, dem drohen hohe Verluste, die sich nur mit viel Aufwand wieder ausgleichen lassen.