Michael Die meisten Leute halten San Francisco für eine verrückte Großstadt und vergessen dabei, dass der gesamte Westteil direkt am Pazifik liegt, dessen mächtige Wellen an den Hausstrand knallen. Wir gehen oft am Strand spazieren, eine unserer Lieblingsstrecken ist 10 Kilometer lang!
Dabei finden wir allerlei angeschwemmtes Meeresgetier. Muscheln natürlich, die ikonischen Sand Dollars, Kloben von Seetang, Riesenkrebse, sogar ein Walskelett haben wir schon gesehen (Abbildung 4)! Und dann natürlich glattgeschliffene Glasscherben und Steine in allen Farben und Formen. Wir nehmen meist ein paar Findlinge mit, für unsere umfangreiche Sammlung zuhause.
Hin und wieder stoßen wir auf neues Getier. Wie zum Beispiel neulich auf Tausende von Miniquallen mit aufgespannten halbtransparenten Glibbersegeln (Abbildung 3). Sie sind etwa so groß wie ein Hühnerei und schimmern exotisch bläulich. Sie heißen By-the-Wind-Sailors oder wissenschaftslateinisch "Velella velella".
Das Segel, mit dessen Hilfe sie wie kleine Windsurferlein auf dem Ozean herumbrausen, sieht aus wie aus Plastik und enthält kreisförmige Rippen, die es wie eine Zielscheibe aussehen lassen. Sie lassen sich mit den bei uns vorherrschenden Nordwestwinden anschubsen, dreht der Wind aber nach Südwest, was hier in Nordkalifornien meist im Frühling passiert, bläst er sie massenhaft an die Pazifikstrände, wo sie von Spaziergängern als siebtes Weltwunder bestaunt werden.
In dem Buch OceanBeach von Eddy Rubin stehen zahlreiche Details zu angeschwemmtem Meeresgetier, gefühlt mehr als in "Moby Dick" von Herman Melville zu den verschiedenen Walarten.
Buchautor und Surferlegende Eddy Rubin kennt den Ocean Beach in San Francisco wie kein Zweiter und ist jahrzehntelang nicht nur die anspruchsvollen Wellen dort geritten, sondern hat auch Flora und Fauna unseres Hausstrandes bis ins Detail analysiert und erklärt. Lesenswert!