Michael Wer innerhalb Amerikas verreist, findet auch dreitausend Kilometer von zu Hause entfernt oft die gleichen Ladenketten. Jeder Starbucks oder McDonald's sieht innen ähnlich aus, ob in Kalifornien oder Florida, da muss sich der Kunde nicht groß umstellen.
Interessant wird's bei Lebensmittel-Supermärkten, denn in Kalifornien und der gesamten Westküste gibt's zum Beispiel keinen Aldi, da dort Trader Joe's das Albrecht-Konglomerat repräsentiert (Rundbrief 09/2005). Außerhalb der Bay Area, aber immer noch in Kalifornien finden sich oft Niederlassungen der Ketten Vons oder Ralph's. Aber richtig lustig geht es an der Ostküste zu, denn dort stehen nicht nur echte Aldi-Niederlassungen, sondern auch Lebensmittelsupermärkte mit dem superlustig klingenden Namen Piggly Wiggly.
Was kaum einer weiß: Die Kette Piggly Wiggly hat den Selbstbedienungs-Supermarkt erfunden. Es ist noch gar nicht so lange her, da musste der Kunde im Tante-Emma-Laden sagen "eine Dose Bohnen bitte", worauf die Verkäufer hinter der Theke sich anschickten, eine Dose Bohnen aus dem Lager zu holen. Piggly Wiggly erfand das revolutionäre Konzept, dem Kunden einen Einkaufskorb in die Hand zu drücken, worauf dieser ohne Anleitung durch die Regalreihen ging, um die gewünschten Waren aus den Regalen zu nehmen, ganz ohne Interaktion mit dem Ladenpersonal. Man greift sich an den Kopf!
Heutzutage ist der Piggly Wiggly ein gut sortierter Supermarkt ohne große Unterschiede zu anderen Ketten. An der Kasse der von uns besuchten Filiale herrschte jedoch der im ländlichen Amerika übliche Tütenwahnsinn. Hinter dem Kassierer steht ein Rondell von etwa acht Schächten, in denen jeweils eine offene Tüte und Dutzende weitere noch gefaltete Tüten hängen. Der Kassierer wird nun die Waren nach dem Einscannen auf die offenen Tüten in den Schächten verteilen, und das Rondell jeweils weiterdrehen. Dabei werden offene Tüten keineswegs aufgefüllt, sondern die Waren großzügig verteilt, ein Brot in eine Tüte, eine Saftflasche in die nächste, und so weiter, so dass man am Ende einen Einkaufswagen mit 20 Tüten zum Auto schiebt. Dabei ist die Qualität der Tüten die denkbar schlechteste, sie sind so dünn, dass man später zuhause nicht mal den Müll damit rausbringen kann, ohne dass ein Unglück passiert.
Angelika bringt normalerweise immer eigene Taschen mit, um dies zu unterbinden, und tigert wie ein sprungbereiter Panther um das Laufband herum, sobald irgendwer auch nur Anstalten macht, nach einer Plastiktüte zu greifen. Sie traute sich aber in diesem Fall nicht, die Kassiererin aus dem Tritt zu bringen. Womöglich wären wir unangenehm aufgefallen! Als Kalifornier muss man ja aufpassen: Bewohner anderer Bundesstaaten halten Kalifornier für durchgeknallt. Aber fair ist das nicht, ich kann nun wirklich nichts für die absurde Politik in unserem Bundesstaat!