Angelika Aufmerksame Rundbriefleser wissen, dass wir eingefleischte Hawaii-Fans sind und jede Gelegenheit nutzen, um diese schönen Inseln zu besuchen. Aber nichtsdestotrotz sollte man flexibel bleiben und auch andere Gegenden erkunden. Schon lange wollten wir einmal wieder nach Florida, denn es war mittlerweile Jahrzehnte her, dass wir dort gewesen waren, nämlich auf unserer ersten USA-Reise. Damals erkundeten wir getrennt voneinander den Süden Floridas und waren unter anderem auch in Key West.
Dieses Mal verschlug es uns ans entgegengesetzte Ende des Bundesstaates, in den nordwestlichsten Zipfel, an die sogenannte "Forgotten Coast". Die "vergessene Küste" ist ein Teil des Florida Panhandle (ein pfannenstielartiger Landstrich) und liegt zwischen der Hauptstadt Tallahassee und der Stadt Panama City. Wie der Name schon vermuten lässt, ist diese Küste etwas ab vom Schuss, und es geht dort eher ruhig und gemütlich zu. Touristen kommen in diese Gegend, um die langen wunderschönen Sandstrände zu genießen, im Golf von Mexiko zu schwimmen, Muscheln zu sammeln und leckeren Fisch zu essen. Mir hatte der Vater eines ehemaligen Schülers von diesem Landstrich erzählt und mir wärmstens ans Herz gelegt, diesen zu bereisen.
Was das Klima angeht, ist es in Florida während der Sommermonate heiß und schwül, und auch Hurrikans blasen dort regelmäßig durch. Um dem zu entgehen, ist der Frühling eine ideale Zeit, den Bundesstaat zu bereisen. Meine Osterferien kamen deshalb wie gerufen. Gesagt, getan: Wir flogen nach Tampa und fuhren dann mit dem Mietauto rauf in den kleinen Fischerort Eastpoint, wo wir uns ein Häuschen gemietet hatten. Das hatte eine traumhafte Veranda mit Schaukelstühlen und war ganz in Türkis angestrichen. Schon der Anblick versetzte uns in gute Laune.
Eastpoint ist ein typischer Small-Town-Amerika-Ort, der direkt an der Apalachicola Bay liegt und im Wesentlichen aus einer Hauptstraße, einem rustikalen Supermarkt mit dem schönen Namen "Big Top", einigen Restaurants, Geschäften und jeder Menge Fischerbooten besteht, denn die Gegend lebt traditionell vom Fischfang.
Erstaunlicherweise hat der Ort sogar eine kleine Brauerei, die Eastpoint Beer Company, mit angeschlossener Kneipe inklusive Blick auf die Bucht, in der man gute Pizza essen und exzellentes Bier trinken kann, und das zu unschlagbaren Preisen. Aus Kalifornien kommend, rieben wir uns erstaunt die Augen, als die Rechnung kam.
Gleich gegenüber von Eastpoint, mit einer Brücke verbunden, liegt die Insel St. George, eine der vielen "Barrier Islands" der Gegend. Die rund 22 Meilen (35 Kilometer) lange Insel liegt im Golf von Mexiko und beherbergt am östlichen Ende den Dr. Julian G. Bruce St. George Island State Park.
Die Insel verfügt über traumhaft lange Strände aus puderweißem Sand, der in der Sonne so glitzert, dass es einen gleich blendet. Jedes Mal, wenn wir über die Brücke fuhren, begleiteten uns Pelikane, die es liebten, den Aufwind auszunutzen und neben der Brücke herzugleiten. Ein herrliches Schauspiel.
Gleich am ersten Tag wanderten wir an die Spitze der Insel, schlappe 15 Kilometer hin und zurück. Da taten uns schon die zarten Füßchen etwas weh, aber wir wurden mit fantastischen Ausblicken belohnt und waren fast allein auf dem Wanderweg. Zur Abkühlung schwammen wir dann am Ende der Wanderung noch eine Runde im Golf.
Was uns immer wieder überraschte, war, dass wir stets einfach an den schönsten Stränden einen Parkplatz fanden, der auch noch nicht einmal etwas kostete. Nur der State Park verlangte Eintritt (6 Dollar pro Auto). Die Menschen in dieser Gegend waren äußerst freundlich und sprachen schon mit dem starken Dialekt der Südstaaten. Bevor wir nach Florida reisten, bekamen wir des Öfteren zu hören, wie man denn in so einen reaktionären Bundesstaat reisen könne. Die Vorurteile zwischen Kalifornien und Florida beruhen wohl auf Gegenseitigkeit. Schade eigentlich!
Zum Abschluss besuchten wir noch eine gute alte Freundin, die mittlerweile seit vielen Jahren in Tampa wohnt, weil sie die hohen Lebenshaltungskosten in Kalifornien nicht mehr stemmen konnte. Nicht nur Lebensmittel im Supermarkt sind billiger in Florida, auch für Miete und Strom zahlt man einen Bruchteil im Vergleich zu Kalifornien. Und eine Bekannte, die in einer Gated Community in Tampa wohnt, erzählte uns, dass sie für ihren großzügigen Bungalow nur 350.000 Dollar gezahlt hat!
Für die Benutzung von Mautstraßen verlangt Florida allerdings Gebühren. Wir klebten einen sogenannten "SunPass" in die Windschutzscheibe des Mietautos und legten online ein Konto an. Tut man das nicht, erhebt die Mietwagenfirma für jeden Tag, an dem eine Mautstraßenkamera das Auto knipst, eine Grundgebühr. Die spart man sich mit dem Papperl, das es bei Amazon zu kaufen gibt. Es funktioniert als Transponder, und jedes Mal, wenn man eine Mautstraße benutzt, werden kleine Dollarbeträge abgebucht. Insgesamt kamen so in zwei Wochen nur etwa zehn Dollar zusammen.