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Zwei Deutsche in San Francisco und ihre Sicht der Welt. |
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Fischmarkt TokioIn einem Lagerhallenviertel nahe der S-Bahn-Station Shimbashi läuft jeden Tag der Tokioter Fischmarkt ab, der größte Japans. Etwa 60.000 professionelle Einkäufer suchen dort ab vier Uhr früh Frischware für ihre Restaurants und Läden. Touristen sind dort eigentlich nicht zugelassen, aber im Reiseführer stand, dass man nicht direkt rausgeworfen wird, wenn man nicht gerade dumm im Weg rumsteht und die Leute beim Handeln beeinträchtigt. Ausgeschildert war natürlich wie immer nichts, und wir irrten eine Weile im Viertel herum, bis wir schließlich durch den Gemüsemarkt mit wild umherflitzenden Autokarren in die Fischhallen vordrangen.
Dort ging's zu, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Einkäufer flitzten im Laufschritt durch die engen Gassen zwischen aufgetürmten Styroporboxen mit toten und lebendigen Fischen, Schalentieren und sonstigem Gewürm, Fischverkäufer zerkleinerten die teilweise gefrorenen Fische mit Beilen, zersägten sie mit elektrischen Sägen und in einem unsagbar schnellen und lauten Tohuwabohu ging der Handel ab.
Wie eine Guerillatruppe (kleine Teams, schnell zuschlagen, schnell verschwinden) hechtete das dynamische Rundbriefduo durch die Gassen, schoss Fotos und sprang jedesmal zwischen Fischschachteln in Deckung, wenn ein mürrischer Fischeinkäufer angerannt kam oder ein verrückter Karrenfahrer vorbeiwollte.
Wir stürmten etwa 1 Stunde durch den Hexenkessel, begeistert von den unter grellem Scheinwerferlicht in übernatürlichen Farben leuchtenden Fischen, den blitzenden Eisstücken, der Professionalität der Säger und der Hacker, überwältigt vom Lärm -- und stets auf der Hut und bereit, zur Seite zu springen, um das Marktgeschehen nicht aufzuhalten. Nach 1 Stunde und 100 Fotos machten wir, dass wir rauskamen. Ein Wahnsinn!
Das Frühstück nahmen wir nach dem Erlebnis an der Theke eines am Rand des Marktes gelegenen, gut besuchten Sushi-Restaurants auf. Rohen Fisch und Bier um neun Uhr morgens, das vertragen nur die Saumägen der rasenden Rundbriefreporter! Das Sushi war herrlich frisch und auch die sonst eher zaachen Einheiten wie Tintenfisch und Muschelzeugs schön zart. Der Sushi-Chef dieses Etablissements verstand sich übrigens darauf, dem toten Fischstück auf dem Reisbatzen kurz vor dem Servieren noch schnell einen wuchtigen Schlag zu versetzen, worauf jenes sich, auf die Holztheke gelegt, von wo man es mit Stäbchen aufschnappt und vertilgt, mit einer langsamen Bewegung noch einmal aufbäumte.
Die Portion Seeigel (orange, sieht aus wie Lüngerl), die ich in San Francisco noch nie vom Laufband des schwimmenden Sushi-Restaurants genommen habe, schmeckte allerdings etwas modrig. Und Angelika konnte partout die kleinen weißen Würmchen, an deren Ende jeweils zwei starrende Augen hingen (Chirimen Jako), nicht runterbringen, die musste Härtefall Michael übernehmen, den ja bekanntlich nichts umwirft, was man mit Bier hinunterspülen kann. Die heimlich neugierig beobachtenden (und natürlich wie immer rein japanischen) Besucher und das Personal waren beeindruckt ob dieser zwei knallharten Europäer.
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Letzte Änderung: 06-Jul-2008 |